Jubiläum : 10. Interplast – Einsatz im Mela-Hospital, Haridwar 2018

Montag, 11. Februar 2019

Vom 18. November bis 1. Dezember 2018 fand das 10. Interplast- Operationscamp in Zusammenarbeit mit dem Rotarier Club Ranipur im Mela-Hospital im nordindischen Haridwar statt.

Das Mela-Hospital stellt einen Sonderfall dar: es ist vor allen Dingen für die Monate großen Pilger- Ansturms in Haridwar gedacht, wo mehrere Millionen Besucher in dieser Stadt versorgt werden müssen. In den übrigen Zeiten schläft zumindest die OP Abteilung einen Dornröschenschlaf. Das bedeutet allerdings auch, dass die Infrastruktur darunter leidet und Dinge unter Umständen kaputtgehen. In dieser Zeit freut sich natürlich die örtliche Verwaltung, wenn unsere Rotarier – Freunde dafür sorgen, dass alles gewartet und geputzt wird, lange bevor wir kommen und während wir dort sind. In anderen Krankenhäusern wäre es gar nicht möglich, dass wir für zwei Wochen zwei OP-Tische und viele Krankenhaus Betten in Beschlag nehmen, weil alles voll ist bis unter das Dach… Dementsprechend gibt es nur die Basiseinrichtung mit zwei klapprigen Operationstischen und Hockern, ein Sterilisationsgerät und die Einrichtungsgegenstände, die wir im Laufe von zehn Jahren dorthin geschleppt haben. Alles andere bringen wir jeweils mit bzw. kaufen vor Ort ein oder schicken Bestelllisten vorab an unsere Organisatoren vor Ort, damit alles zu Beginn des Camps bereitsteht. Einige Kisten mit Instrumenten bleiben in Verwahrung bei den Rotariern und werden mittlerweile bei einem ähnlichen Camp in der Hauptstadt Delhi eingesetzt. Somit reduziert sich die Menge des Gepäcks und die Gefahr, handlungsunfähig zu werden, falls der Zoll Koffer mit Instrumenten konfiszieren sollte.

Inzwischen finden das Jahr über weitere NGO-Operationscamps im Mela Hospital statt.

Einrichten von 2 OP-Tischen, Anästhesie-Arbeitsplätzen und Material

Da wir soweit möglich unsere gewohnten Materialien mitbringen können unterscheidet sich die eigentliche Arbeit des Chirurgen und Anästhesisten nicht so sehr von der daheim. Auf hochtechnische Spezialgeräte muss man aber verzichten können und man lernt, dass es häufig auch ohne geht … Die Op- Schwestern müssen Zusätzliches leisten mit Instrumentenreinigung, -Pflege und -Sterilisation – Stromausfälle sind an der Tagesordnung, der Umgang des indischen Personals mit Sterilgut muss ständig überwacht werden. Immer müssen wir die Sicherheit der Patienten im Auge behalten und können manche Operationen nicht durchführen, bei denen wir mit größerem Blutverlust, der Notwendigkeit einer Betreuung auf Intensivstation und kurzfristig erforderlichen Folge- Operationen rechnen müssen. Diese Patienten können wir aber zumindest beraten und mithilfe unserer indischen Freunde an das richtige Krankenhaus in erreichbarer Entfernung verweisen, wo auch mittellose Patienten Hilfe bekommen.

Zu unserer Freude kamen mehrere Patienten zu wiederholten Mal : die kleine Munni ebenso wie die junge Frau mit schrecklichen Narben nach Säureattacke auf Gesicht, Hals und Brustkorb. Zudem mehrere Kinder mit Verbrennungskontrakturen, bei denen von Anfang an klar war, dass mit weiterem Wachstum weitere Operationen erforderlich werden würden. Erfreulicherweise werden sich wieder ein Team aus zwei Ärzten aus Haridwar und Angestellten des Krankenhauses um die weiteren Verbände unserer Patienten kümmern. Unsere indischen Freunde haben vor Ort einen Hersteller von Kompressionskleidung ausfindig machen können und sorgen dafür, dass bei den schlimmsten Fällen auch die Kompressionsbehandlung erfolgen kann. Über E-Mail und Whatsapp ist ein rascher Informationsaustausch über eventuelle Probleme mit uns möglich. Zudem können sich die Patienten das ganze Jahr über mittels einer Hotline bei unseren engagierten Rotarierfreunden melden. Sie bekommen dort unbürokratische und kostenlose Hilfe.

Der zehnte Einsatz verlief reibungslos bis auf die kurzfristige Angst, das Sterilisationsgerät könnte den Geist aufgeben. Ein rasch herbei gerufener Techniker konnte das Problem lösen. Wir haben bei 79 Patienten mehr als 173 Eingriffe vorgenommen. Die häufigsten Eingriffe waren dabei das Lösen von Verbrennungskontrakturen und deren Deckung mit Hauttransplantaten oder lokalen Lappenplastiken. Unsere Dokumentation konnten wir in diesem Jahr deutlich verbessern, dank einer kostenlosen Lizenz für die Praxissoftware SMARTY und die intensive Arbeit unseres Chefanästhesisten Dr. Wolfgang Detterbeck, um das Programm unseren Bedürfnissen anzupassen.

Die kleine Munni , die vor vier Jahren zu uns kam ohne Hände und wie versteinert ausdruckslos vor sich hin starrte ist richtig aufgeblüht und die Rotarier haben einen Bollywood-Star animieren können, die Schulbildung der Kleinen zu bezahlen.

Die junge Frau mit den Folgen der Säureattacke war dagegen dieses Jahr sehr depressiv-was vielleicht damit zusammenhängt, dass ihr Peiniger wieder aus dem Gefängnis kommt und sie realisiert hat, dass wir zwar Verbesserungen für sie erreicht haben, sie aber für immer mit den Narben und den daraus resultierenden Beschwerden gezeichnet sein wird.

Ein krasser Fall von Hilflosigkeit und Sprachlosigkeit überfiel das gesamte Team, als ein kleines Kind von etwa vier Jahren, dass durch Verbrennungsfolgen nicht mehr laufen konnte von der Mutter zur Operation vorgestellt wurde, der Vater dann aber die Behandlung verboten hat. Hierzulande hätte ich das Jugendamt eingeschaltet… Dort muss das entstellte Kind vermutlich als Bettler nicht nur zum eigenen, sondern zum Lebensunterhalt der gesamten Familie beitragen. Da dürfen wir nicht überheblich den Richter spielen, aber es beschäftigt einen natürlich noch lange.

Unsere indischen Freunde haben uns zum Abschied versichert, dass sie auch 2019 wieder ein solches Camp mit uns zusammen abhalten möchten, daher ist nach dem Camp vor dem Camp und wir gehen davon aus, dass wir im nächsten November wieder dorthin reisen.

Ein besonderes Highlight gab es bei der Abschlussfeier nach Beendigung des Camps: Wolfgang Detterbeck stellte sein Talent als Designer unter Beweis mit einer von ihm entworfenen Jubiläums Anstecknadel: alle Teammitglieder überreichten die Nadeln an unsere begeisterten Rotarier -Familienmitglieder und die beteiligten Krankenhaus- Mitarbeiter.

Jubiläums – Anstecknadel

Den Löwenanteil der Kosten für die Haridwar- Einsätze hat bislang immer der Ebersberger Förderverein für Interplast EFI getragen. An dieser Stelle aber nochmals vielen Dank an ALLE Spender, die dieses erfolgreiche Projekt ermöglicht haben!

Team 2018: von li.n.re., hinten:

Dr. Jörg Dannheuser, Dr. Wolfgang Detterbeck, Dr. Johanna Wirth, Ana Lázaro, Thomas Hehr, Andrea Orth, Dr. Andrej Moskvin. Vorn: Dr. Birgitta Klaiber, (Felix Detterbeck und Gabi Detterbeck als selbstfinanzierte Urlauber, die trotzdem kräftig mitgeholfen haben), Dr. Gaby Fromberg, Ute Gemming

Gaby Fromberg, Murnau