Einsatzbericht Murunda/RW, 5.-20.-November

Freitag, 2. Dezember 2016

5.Einsatz in 2016

Murunda/RW, 5.-20.-November

Teilnehmer:

aus Bremen:Dr.Julia Fasold, Anästhesistin; Gesa Dageförde, Anästhesie-Schwester; aus Ahaus: Dr.Pavol Stolfa, Plastsicher Chirurg; aus Borken: Petra Wansing, OP-Schwester, Alexandra Siegel-Schoppen, Krankenschwester; aus Vreden: Dr.Arnulf Lehmköster, Plastischer Chirurg und Teamleiter
Im November gings wieder zu einem großen OP-Einsatz nach Murunda: Flugbuchung mit gehörigem (kostenfreien) Übergepäck bei BrusselsAir, Übernachtung in Kigali im Amani-Gästehaus, der Transport nach Murunda durch Fahrzeuge des Hospitas mit Zwischenstop und Mittagessen am Kivu-See, Geld tauschen,Trinkwasserbevorratung, sind nun schon Routine.

Am Sonntagnachmittag begann die eigentliche Arbeit. Dr. Fidele, ein junger neuer Arzt im Krankenhaus von Murunda, hatte zusammen mit meiner größten Stütze, Pfleger Emmanuel, Patienten ausgesucht für die ersten beiden Tage, während die übrigen Tag für Tag in die Sprechstunde kamen.

9 volle OP-Tage schafften wir, wieder waren es über 40 Operationen, die wir durchführten:

Schwere chronische Knochenmarkseiterungen, Druck-Liege-Geschwüre, Verbrennungen, Gesichtstumoren, chronische Wunden, so lauteten die Hauptdiagnosen in den 2 Wochen. Als besonders belastend empfanden wir die Operation bei einem jungen Mann, dem wir den Unterschenkel amputieren mussten. Drei Monate zuvor hatte er eine offene Unterschenkelfraktur erlitten, die Universitätsklinik in der Hauptstadt hatte ihn angeblich, da er kein Geld hatte, abgewiesen. Nach drei Monaten war sein Bein nicht mehr zu erhalten. Ein Vorgang, der nach meinem Dafürhalten auch in Rwanda nicht legal sein kann.

Mein Besuch im Gesundheitsministerium im September zeigte erste Früchte: ein Arzt aus einer größeren Klinik kam zur Hospitation zu uns aufs Land, ebenso wie mehrere Patienten. Ziel ist ja, dass Murunda eine Art Referenzzentrum für Plastische Chirurgie in Ruanda werden soll. Unser neuer OP jedenfalls ist groß genug!

Die im Container nach Murunda gebrachten Krankenhausbetten, ein Geschenk des St.-Agnes-Hospitals Bocholt, sind alle im neuen Chirurgiegebäude im Einsatz.

Die vier neuen im Team kamen, wie alle anderen zuvor, begeistert vom Besuch bei den Berggorillas am Wochenende zurück.

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Ich hatte derweil Besuch von Tuyisenge. Wir hatten sie 2004 in Vreden ein Jahr lang immer wieder wegen schwerer Verbrennungskontrakturen operiert. Sie ist inzwischen 20 Jahre alt und berichtet mir, dass sie Medizin studieren möchte!

Tuyisenge

Tuyisenge

 

Unanstrengend sind unsere Einsätze in Murunda nach wie vor nicht, immer wieder gibts Verbesserungen vorzunehmen; leider ist die Fluktuation des Personals groß, viele zieht´s eben doch in die Hauptstadt Kigali. Ich bin nun seit 2005 in Ruanda, in die Hauptstadt wird massiv investiert. Was den vorbeischauenden Politikern und Journalisten offenbar entgeht, ist, dass auf dem Lande entsprechende Investitionen fehlen, die Schere also weiter auseinander klafft – nicht ohne Brisanz in einem Land wachsender sozialer Gegensätze.

Da war unser neuer Koch Athanas mit seinem großen Kochtalent uns täglich ein Grund zur Freude.

Auf der Rückfahrt hatten wir Gelegenheit zum Gespräch mit meinem “Schüler”Dr. Espoir, mit dem ich 4 Einsätze in Murunda zusammen bestritt, der jetzt Medical Director eines anderen Krankenhauses ist; ob wir bald wieder zusammenarbeiten können?

Die auf den Märkten erstandenen landestypischen handwerklichen Gegenstände werden wir in unserem Stand auf dem Vredener Weihnachtsmarkt anbieten.

Im nächsten Jahr gehts gleich im Februar mit einem weiteren Einsatz in Kamuli/Uganda weiter.

Dr.Arnulf Lehmköster

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