Chronologie “Murunda-Projekt”

Donnerstag, 14. April 2016

“Im Nordwesten der Republik Ruanda, in der Provinz Gisenyi, nahe dem Kivu-See, liegt mitten im afrikanischen Busch der kleine Ort Murunda. Murunda ist, kirchlisch gesehen, eine Pfarrei und gehört zum Bistum Nyundo mit seinem Bischof Alexis Habiyambere.

Wir von der INTERPLAST-Sektion Vreden, sind seit dem Jahre 2005 bisher viermal in Ruanda gewesen, haben in Krankenhäusern in Gahini, Kaduha, Kigali und Butare gearbeitet.

Durch einen Kontakt zu Prof.Bernd Tenckhoff/Ostbevern gelangten wir nach Murunda. Im Herbst 2009 habe ich mit Dr. Shirin Mansuri das dortige Distrikt-Krankenhaus besucht. In zahlreichen Gesprächen mit dortigen Ärzten, den Priestern der Pfarrei und Bischof Alexis kristallisierte sich heraus, dass zwischen unseren Plänen und Möglichkeiten und deren Wünschen weitgehend Übereinstimmung herrscht.

Um überhaupt mit Interplast dort arbeiten zu können, musste zunächst eine Wohnmöglichkeit geschaffen werden. Baubeginn war im Juni 2010, im August Richtfest. Zusammen mit Prof.Dr.Paul Reinhold, den ich auf einem Jemen-Einsatz kennengelernt hatte, schafften wir ein neues Narkosegerät nach Murunda.

Das Gesamtprojekt ist auf viele Jahre ausgelegt. Wir wollen dann schrittweise Ausstattung und Einrichtung des Operationssaales verbessern, die Stationen… Wichtig ist mir dabei, dass jeder Schritt zusammen mit den heimischen Kräften gegangen wird.

Wieweit werden wir kommen? Wir hoffen weit! Bedingung sind anhaltende Spendenfreudigkeit der hiesigen Bevölkerung/der hier ansässigen Firmen, Mitarbeit des örtlichen Personals, Bereitschafft vieler INTERPLAST-Teams dorthin zu gehen usw.

Der Anfang ist gemacht. Packen wirs an! ”

So der Text in unserer Sektionsbroschüre aus 2010.

Wir haben´s angepackt: im April 2016 ging der neue OP in Betrieb!

Im November 2010 wohnten wir erstmalig in unserem neuen Gästehaus, ganze 6 Monate hatte der Bau gedauert. Noch im alten OP nahmen wir die neue Narkoseeinheit in Betrieb und operierten an 9 OP Tagen zusammen mit unseren Ruandischen Ärzten, Schwestern und Pflegern.

In der zweiten Woche überraschte mich Dr. Nepo, der Ärztliche Direktor in Murunda, mit der Frage, ob wir zu unserer Zusage, den OP zu erneuern, auch stünden, wenn dies in einem neuen Chirurgiegebäude wäre, welches mit ruandischen Mitteln der Diözese und des Staates errichtet werden würde. Natürlich sagte ich zu, ist dies doch genau die Art von Entwicklungshilfe, die heute gefordert wird, Projekte gemeinsam mit den Menschen vor Ort zu entwickeln.

Während unseres Aufenthaltes im November 2011 begannen die Bauarbeiten: ein altes Gebäude wurde abgerissen, um Platz für den Neubau Chirurgie zu schaffen. Im Gesundheitsministerium wurde durch den Staatssekretär Dr. Jean de Dieu eine neue, weitere Arztstelle speziell für die Chirurgie nach Fertigstellung und Inbetriebnahme zugesagt.

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Im Jahr 2012 wechselte Dr.Nepo als Senator in die Politik. Wir sahen im November das Grundgeschoss nebst den Wänden zur Aufnahme der ersten Geschossdecke. Genauso trafen wir den Neubau aber auch noch ein Jahr später an! Warum zugesagte Gelder der Diözese und des Staates schließlich nicht flossen, vielmehr der unfertige Rohbau dem permanenten Regen ausgesetzt blieb, wird mir wohl für immer verschlossen bleiben. In Deutschland fand ich erfreulicherweise im Bistum Münster/Referat Weltkirche und bei der Stiftung “Bild hilft – Ein Herz für Kinder” zwei Goßsponsoren, die für die Finanzierung des Chirurgiegebäudes in die Bresche sprangen.

Am 10.Januar 2015 erreichte mich ein Bild, welches nun das Dach auf dem Gebäude zeigte. Ein weiteres Geschoss war dazugekommen, eine Etage für die Geburtshilfe, diesmal tatsächlich finanziert mit ruandischen Mitteln. Sicher eine sinnvolle Maßnahme, damit mittelfristig auch die operative Geburtshilfe im neuen Gebäude bzw. neuen OP stattfinden kann. 2015 und im Januar 2016 waren zwei deutsche technische Teams vor Ort, um die Installationen für spezielle Gerätschaften im OP vorzunehmen. Die wertvollen OP-Einrichtungen gingen per Air-Cargo im Oktober 2015 auf den Weg, ein Seecontainer, u.a. mit Krankenhausbetten aus Borken, folgte im Januar 2016.

Schließendlich ist alles nun vor Ort. Auf unserem gerade zuende gegangenen Einsatz nahmen wir den OP in Betrieb, alles funktioniert. Auch die Einweisung des örtlichen Personals in den modernen Röntgen-C-Bogen ist erfolgt, sodass ab jetzt Einrichtungen verschobener Knochenbrüche unter Röntgensicht durchgeführt werden können. Die OP-Einrichtung – über 200.000,- € wert – ist erfolgt mit Spendenmitteln im Wesentlichen aus dem Westmünsterland, dafür gebührt allen, die dazu beigetragen haben, unser herzlicher Dank!

Bischof Alexis, der das Projekt als verantwortlicher Bischof begleitet hat, ist soeben im Alter von 77 Jahren von seinem Nachfolger Bischog Anaclet abgelöst worden. Mit beiden wollen wir bei unserem Herbsteinsatz im November die feierliche Segnung und Eröffnung des Gebäudes vornehmen, zu der auch die Gesundheitsministerin, Senator Dr. Nepo und der deutsche Botschafter eingeladen werden.

Ist das Murunda-Projekt der Sektion Vreden ein Erfolgsprojekt?

Sicher ein sinnvolles Projekt, von Anfang an auf enge Verzahnung zwischen örtlichen Kräften und deutschen Geldgebern Wissens-und Kenntnisvermittlern ausgelegt: ein afrikanisches Chirurgiegebäude, errichtet nach örtlichen Plänen mit örtlichen Arbeitskräften, von Deutschland finanziert, aber betrieben vom Murunda-Hospital, in dem deutsche Ärzte ihre Ferien verbringen, um Wissen und operative Techniken zu vermitteln.

Es wird so erfolgreich sein wie das medizinische Personal, das dort arbeitet, aus Ruanda und Deutschland! Auf 14 Einsätzen dorthin wurden bereits knapp 500 Menschen zu teilweise dramatischen Verbesserungen Ihrer Lebensmöglichkeiten verholfen.

Von uns erwartet wird sustainability, Nachhaltigkeit. Ihre Schwester ist die reliability, die Zuverlässigkeit. In genau diesem Sinne sind beide Seiten weiterhin gefordert.

Vreden, den 11.04.2016