Murunda-Einsatz 2018, 10.-25.11.

Freitag, 30. November 2018

Teilnehmer:

Anästhesie: Dr. Johann(“Hannes”)Lang, Kösching/Bayern, Elke te Vrügt, Stadtlohn

Technik: Tobias Ostendarp/Elektrik, Stadtlohn, Thorsten Huhn/Wasser (und OP-Helfer), Vreden

Plastische Chirurgie: Dr.Moses Baliraine, Kamuli/Uganda, Claudia Gewers,Stadtlohn/Vreden

Plastischer Chirurg und Teamleiter: Dr.Arnulf Lehmköster, Stadtlohn/Vreden

Zwischenbilanz

Zum 20.ten Mal ging es für die Sektion Vreden nach Rwanda, zum 17.Mal war Murunda unser Ziel. Das von uns finanzierte Chirurgie-Gebäude wird extrem angenommen; dass es “Gebrauchsspuren” zeigt, kann nicht ausbleiben. Danke nochmals den vielen Spendern: unseren treuen Privatspendern, dem deutschen BMZ, dem Bistum Münster, “Bild Hilft”…

Das Team war gut zusammengestellt, ausschließlich sehr erfahrene Kräfte waren mit, sodass wieder in hohem Maße Vermittlung von Wissen und technischen Fertigkeiten betrieben werden konnte. Unerfahrene junge Menschen aus Deutschland mitzunehmen, davon habe ich mich längst verabschiedet. Dafür war mein chirurgischer Assistent ein afrikanischer Kollege aus Uganda, mit dem ich seit Jahren in Kamuli zusammenarbeite. Eine Bachelor-Nurse Anästhesie, Francine, die ich aus früheren Einsätzen in Murunda kenne, die jetzt woanders in RW arbeitet, war extra angereist und arbeitete hervorragend mit Elke und Hannes zusammen.

Überhaupt war es ein harmonisches Zusammenarbeiten: die beiden heimischen chirurgischen Assistenzärzte Dr. Bosko und Dr.Theophil waren sowohl abends zur Abschlussvisite, als auch in den Sprechstunden und frühmorgens im OP präsent, hellwach und lernbegierig. Eine Selbstverständlichkeit? Ich habs in Afrika auch anders erlebt…

Dabei erwies sich Moses, der schon deutlich weiter in der Ausbildung ist als Bosko und Theo, als idealer Lehrer. Für mich eine große Freude zu sehen, wie einer meiner Schüler in Afrika schon selbst als Lehrer auftritt. Ich hoffe, sie verstehen, dass Afrika nur so weiterkommen wird.

Und das Interplast-Team? Abends um 10 lag jeder in den Federn (nein, im Bett; Federn braucht´s in den Tropen nicht) und morgens um 6 wieder hellwach. Danke Euch auch dafür!

Für das Essen in unserem Gästehaus sorgte wieder Francois, der Koch des Pfarrhauses. Unglaublich, welch leckeres und vielfältiges Essen er mit einfachsten Mitteln in seiner schlichten Küche für uns jeden Tag bereitete. Murakose Francois!

Über 30 Patienten – über die Hälfte davon Kinder und Jugendliche – konnten wir operieren, es waren insgesamt über 50 Eingriffe. Im Vordergrund standen wieder die chronischen kindlichen Osteitiden(Knocheneiterungen), Verbrennungskontrakturen, chronische Wunden, Tumoren der Körperoberfläche. Den Steri haben unsere beiden Techniker wieder in Gang gebracht – die technischen Voraussetzungen in RW sind weiterhin schwierig -, Op-Licht, Röntgen, Op-Tisch… es funktionierte, sodass wir gleich am Montag mit Operationen in unserem schönen neuen OP begannen. Den zweiten, identisch eingerichteten OP nutzen übrigens unsere afrikanischen Kollegen, die Geburtshilfe ist jetzt in die obere Etage unseres Gebäudes eingezogen. Unser Anästhesie-Team – Hannes, Elke, Francine – meisterte die Einschränkungen, die die Anästhesie-Einrichtung aufwies, großartig!

9 OP-Tage. Von Samstagmittag bis Sonntagnachmittag verbrachten wir die Zeit am Kivu-See. Leckeres Fischessen, Bootsfahrt, Wanderung durch Tee-und Kaffee-Plantagen – der privat verbrachte Tag verging schnell!

Einen Tag am Ende unseres Einsatzes nutze ich für Gespräche:

Zunächst mit dem neuen Bischof der Diozöse Nyundo, Anaclet. Ich hoffe, dass wir in Zukunft mehr Geinsamkeiten in der Beurteilung der Situation im Murunda-Hospital finden werden.

Der jetzige deutsche Botschafter in Kigali, Herr Dr. P.Woeste, dessen Frau Ärztin ist, zeigte sich unserem Projekt gegenüber als sehr aufgeschlossen.

Im Gesundheitsministerium fand ich in Herrn “Minister of State” Dr. Patrick Ndimubanzi einen ebenfalls kompetenten Gesprächspartner: das Problem der kindlichen Knocheneiterungen – er ist selbst Kinderarzt – interessierte ihn sehr. Auffallend allerdings, dass er offenbar für jede Initiative einen ausländischen Förderer braucht. Ich habe ihm gesagt, ein neues Hochhaus in Kigali weniger würde dieses Problem von der finanziellen Seite sicher lösen… Ich habe ihm deutlich gemacht, dass aus meiner Sicht viel mehr für die ländlichen Regionen des Landes getan werden muss. Nur so könne auch das riesige Problem der personellen Fluktuation /”Landflucht” gebessert werden.

Das berühmte Genozid-Museum in Kigali hinterlies wieder tief bewegende Eindrücke.

Wie fällt sie nun aus, die “Zwischenbilanz” für unser Murunda-Projekt?

Das Chirurgie-Gebäude wird stark genutzt, damit sind die Gelder gut angelegt. Für weitere Investitionen – z.B. eine hochwertige Blitzschutzanlage – sind die Gelder schon angespart bzw. vom BMZ zugesagt.

Optimistisch betrachtet verbessert sich auf örtlicher Seite die personelle Situation. Die beiden jetzigen chirurgischen Ass.-Ärzte habe 5-Jahres-Verträge.

Die Haustechnik im Murunda-Krankenhaus liegt noch sehr im Argen, sodass wir auch in Zukunft auf die Mitnahme eigener Techniker angewiesen sein werden.

Unsere regelmäßigen Einsätze führen uns Patienten auf unserem Spezialgebiet aus ganz Rwanda zu.

Der Lehr-Effekt unserer Einsätze ist hoch.

Viele Patienten profitieren z.T. dramatisch von unseren Operationen.

Eigeninitiative muss im Lande wachsen.

Die Ungleichbehandlung zwischen Hauptstadt und ländlichen Regionen stellt ein großes Problem dar. Zumindest der Gesundheitsminister hat dieser meiner Einschätzung zugestimmt.

Vreden, den 26.11.2018

Dr.Arnulf Lehmköster

Interplast-Germany e.V., Leiter Sektion Vreden

 

 

Einsatzbericht des augenärztlichen Teams vom 29.09. bis 12.10.2018 in Puma/ Tansania, Krankenhaus des katholischen Ordens „Mother of the Holy Cross“

Mittwoch, 21. November 2018

Dr. Christiane Schilling (Augenärztin), Dr. Christian Mai (Augenarzt) Dr. Frank Klemm (technischer Mitarbeiter), Vorsitzender Verein „Vision for Puma“ e.V.) Ramona Sellke (OP- Schwester), Cindy Lorentz (OP-Schwester), Helga Kornmesser (Optikerin)

 

Die Vorbereitung dieses Einsatzes gestaltete sich sehr schwierig. Aus den Erfahrungen der letzten Einsätze hatten wir versucht, die Medikamente möglichst vor Ort zu beschaffen. Wir übersandten deshalb an Pater Antonius, der sich bereit erklärt hatte, sich um die Beschaffung der Medikamente zu kümmern, unsere Wunschliste. Mitte September erfuhren wir jedoch erst, was er beschaffen konnte. Daraufhin mussten wir noch etliche Medikamente in Deutschland dazu kaufen. Die Medikamentenliste konnte somit nicht mehr komplett bei der TFDA eingereicht werden.

Start unserer Reise war der 29.09. Mit einer kurzen SMS wurde uns von der AIRFRANCE mitgeteilt, dass der Flug nach Paris verspätet ist und der Anschluss Flug nach Nairobi am selben Tag nicht mehr zu erreichen sei. Die Telefonate mit dem Customer Service Center der Fluggesellschaft ergab, dass kein Flug mehr am gleichen Tag verfügbar war und die Teilnehmer so wieder nach Hause zurück fahren mussten.

Den Rest des Tages verbrachten wir mit Bemühungen um einen Ersatzflug am nächsten Tag. Von der Fluggesellschaft wurden uns am nächsten Tag lediglich 2 freie Plätze zugesagt, die anderen Teilnehmer bekamen erst für den 1.10. ein Flugangebot. Über die Qatar Airline konnten wir dann am gleichen Tage die weiteren Flüge buchen.

Die nächsten Probleme ergaben sich am Flughafen Kilimanjaro mit der ersten und zweiten einreisenden Gruppe am Zoll und mit der tansanischen Gesundheitsbehörde. Die Bestätigungen der von uns Ende Juni eingereichten Medikamentenlisten durch die TFDA lagen noch nicht vor. Seit der Ankunft um 9:30 Uhr verbrachten wir dann die Zeit mit Kontrollen am Flughafen. Nach der Beschlagnahme von 3 Gepäckstücken verließen wir den Flughafen am Montag um 17:30 Uhr und fuhren in das 50 km entfernte Arusha zur Übernachtung, da am nächsten Tag ein Termin bei der TFDA zur Freigabe der Gepäckstücke angesetzt war. Pater Joseph und Frank durften am nächsten Tag um 11 Uhr vorsprechen und erhielten nach langen Diskussionen um 15 Uhr die Freigabe. Daraufhin erfolgte die 2. Fahrt zum Flughafen zur Abholung der Gepäckstücke. Um nicht noch einen Tag zu verlieren entschlossen wir uns, noch am gleichen Tag gegen 19 Uhr von Arusha nach Dareda aufzubrechen. Die Fahrt verlief glücklicherweise ohne Zwischenfälle und wir trafen gegen Mitternacht ein.

Am Dienstag, den 03.10. wurden in Dareda 17 Patienten behandelt, eine ganze Reihe von Patienten war durch die fehlenden Tage nicht mehr vor Ort. Auch in Gehandu waren zahlreiche Patienten wieder gegangen und wir konnten nur 4 Patienten vor Ort untersuchen. Am Abend kamen wir dann endlich in Puma an und wurden wieder herzlichst empfangen und vom Team Elektriker ohne Grenzen sehnsuchtsvoll erwartet, da wir für sie fehlende Schrauben und Muttern aus Berlin vom Baumarkt mitbrachten.

Am Mittwoch erwarteten uns gegen 9 Uhr die ersten Patienten. In den nächsten 1,5 Stunden wurden von uns die Räume nach unseren Anforderungen wieder hergerichtet. Um einen möglichst zügigen Patientendurchfluss zu haben, gliederten wir die Räume wieder in 3 Abteilungen auf. Im 1. Raum wurden die Geräte für die Messungen zur IOL-Kalkulation untergebracht. Der 2. Raum diente der Untersuchung mit der Spaltlampe und der B-Bild-Sonographie. Der 3. Raum wurde für den Optiker für die Brillenanpassung wieder hergerichtet. Parallel dazu erfolgten die gleichen Vorbereitungsarbeiten durch Ramona und Cindy im OP. Ab 11:30 Uhr waren wir arbeitsfähig, da nun auch die 3 aus Dodoma angereisten TFDA-Leute die Medikamente nach 2 Stunden freigegeben hatten. Wir arbeiteten bis 19 Uhr, da am ersten Tag noch sehr viele Kataraktpatienten vorstellig wurden.

Der Sprechstundenablauf gestaltete sich durch die Anwesenheit von Rahel und Valentina effizienter als in den Jahren davor. Die Sprechstundentage und die OP-Programme waren bis zum letzten Tag gut ausgefüllt. Obwohl 6 Patienten nicht zur OP erschienen, mussten aus Kapazitätsgründen 12 OP- Patienten (Katarakt + Pterygien) auf den nächsten Einsatz verschoben werden. Erschwert wurde die Arbeit wieder durch regelmäßige Stromausfälle, was sich besonders im OP Bereich negativ auswirkte und auch für die Lebensdauer der Geräte nicht förderlich ist. Die endgültige Fertigstellung der Ambulanz mit 2 verschließbaren Schränken und eigener Toilette stellt eine deutliche Arbeitserleichterung dar. Dadurch entfällt zukünftig das Ausräumen und Wegpacken der Geräte am letzten Tag. Für das nächste Team ist damit auch der Beginn der Arbeiten optimiert. Lobenswert ist weiterhin neben dem Einsatz von Rahel und Valentina der Einsatz von Monica und Katharina im OP zu erwähnen. Die durch uns finanzierten Ausbildungen von Rahel und Monica hat sich nun als sehr hilfreich erwiesen. Um einen besseren Kommunikationsaustausch und eine kontinuierliche Dokumentenausgabe zu ermöglichen, wurde Rahel mit einem Computer aus Deutschland versorgt.

Wir konnten in den 7 Arbeitstagen 304 Patienten untersuchen und 44 OPs durchführen.

Die für die Kinder der Blindenschule in Ikungi in Deutschland angefertigten 6 Brillen sowie die 2 Blinden-Schreibmaschinen konnten wir der Erzieherin des Heimes übergeben.

In einem Abschlussgespräch mit Mutter Melania und Pater Antonius legten wir unsere Vorstellungen über die Zukunft der augenärztlichen Ambulanz in Puma dar. Um eine kontinuierliche Arbeit vor Ort weiterhin zu gewährleisten, ist geplant, dass ein tansanischer Augenarzt aus der Universität Dodoma monatlich einmal zusammen mit den beiden Ophthalmic Medical Officers, Rahel und Valentina, zusammenarbeitet und Sprechstunde in der Augenambulanz der Missionsstätte abhält. Der Arzt wurde uns von der Augenklinik in Dodoma empfohlen. Das Gehalt des Arztes für diese Zeit wird vom Verein finanziert.

Ein Vertrag sollte nun zeitnah mit dem Kloster abgeschlossen werden.

Aufgrund der Probleme bei der Einfuhr der Brillen halten wir es auch für sinnvoll, eine Optikerwerkstatt vor Ort einzurichten, sowie die dafür erforderlichen Mitarbeiter zu qualifizieren. Dazu wird Kontakt mit einem Optiker in Deutschland aufgenommen, der dann Anfang des nächsten Jahres vor Ort die entsprechenden Arbeiten ausführen kann.

Darüber hinaus haben wir der langjährigen Bitte von Emmanuel in Dareda entsprochen und erklärt, die Ausbildung zum Abschluss der Secondary School durch den Verein zu finanzieren.

Über eine persönliche Bekanntschaft mit dem Studenten Elly von der Universität in Dodoma, der uns auch bei der Suche eines Augenarztes behilflich war, ist eine weitere Möglichkeit der Medikamenten Beschaffung vor Ort gegeben, so dass dadurch die Einfuhr von wesentlichen Medikamenten entfällt. Elly hat im Kloster vor seinem Studium gearbeitet und wir durch unseren Verein beim Studium unterstützt.

Die Tage waren gut mit Arbeit ausgefüllt und die Zeit verging sehr schnell.

Die Versorgung und Verköstigung im Kloster war wie gewohnt hervorragend. Die Transporte mit Pater Joseph verliefen reibungslos und zur Verabschiedung bekamen wir neben herzlichen Dankesworten und – Liedern wieder reichlich Geschenke.

Möglich war auch dieser Einsatz von Vision for Puma e.V. wieder nur durch die Unterstützung von Sponsoren, unserer Mitglieder und Firmen, die uns wieder mit Medikamenten und Verbrauchsmaterialien unterstützten.

Erwähnen möchten wir an dieser Stelle Afidera, Bausch & Lomb, Biocon, Fielmann, Hermas Optic, Omnivision, für deren Hilfe wir uns speziell auch im Namen unserer Patienten vielmals bedanken.

Im Oktober 2018

 

 

Einsatzbericht Tosamaganga (Tansania) 14.10.- 29.10.2018

Dienstag, 20. November 2018

Bereits zum 13. Mal fand der Einsatz der Sektion Stuttgart- Münster in Tosamaganga/ Iringa statt.

Sechs Wochen vor dem Camp wurde via Poster, Radio Spots und Ankündigung in der Messe auf unser Kommen hingewiesen. Mittlerweile verbreiten auch Mitarbeiter des Krankenhauses, die mit uns arbeiten, die Nachricht, dass ein Team aus Deutschland für ein Free Plastic Surgery Camp kommt.

Das alles hatte zur Folge, dass wir förmlich von Patienten «überrannt» wurden während der gesamten Dauer unseres Dortseins.

Es wurden insgesamt 412 Patienten gescreent.

128 Patienten wurden operativ behandelt mit gesamthaft 152 Eingriffen.

LKG 9

Fehlbildung Gesicht 5

Fehlbildung andre 8

Tumore 37

PBC 55

Ulcera 9

Diverse 5

Davon Kinder

LKG 8

Fehlbildung Gesicht 4

Tumore 5

Fehlbildung andere 4

PBC 26

Die Operationen von Kindern wurden ausführlich dokumentiert, weil wir auch in diesem Jahr grosszügig von Dr. Igor Wetzel und seiner Organisation Big Shoe finanziell unterstützt werden.

Teamfoto mit Big Shoe

Ein Kind mit spina bifida, welches von uns mit einem Spalthauttransplantat gedeckt wurde, bekam durch unsere Spende einen eigenen, neuen Rollstuhl.


Der grosse Patientenansturm konnte bewältigt werden, weil das Team sehr gut harmonierte und motiviert und professionell die Aufgaben ausführte. Ein grosser Dank gilt hier Sinischa Wagner (OP Fachkraft), der im Vorfeld dafür gesorgt hat, dass wir für die vielen grossen Eingriffe ausreichend Material zur Verfügung hatten.

In diesem Jahr war das Engagement der uns helfenden Mitarbeiter des Krankenhauses aussergewöhnlich gross und kontsant.

Belohnt wurden wir durch gute Ergebnisse und viele dankbare Patienten beziehungsweise deren Angehörige.

Die Teamleiter, Robert Oellinger (Plast. Chirurg) und Stefan Stöckel (Anästhessie), haben in Zusammenarbeit mit der Krankenhausleitung, der Organisation CUAMM (italienische Pädiater) und den uns unterstützenden Mitarbeitern, für einen reibungslosen und entspannten Ablauf des Camps gesorgt.

Zum zweiten Mal war Annika Schober (Ärztin) als Suaheli sprechende Dolmetscherin ständig im Einsatz. Täglich neue Patienten screenen, jede Visite begleiten und wenn möglich, auch im OP mitarbeiten.

Unterstützt wurde sie von Kiri einem Tansanier, deutschsprechend, der ausgebildeter Physiotherapeut ist. Kiri fungierte als Dolmetscher, Vermittler und brachte seine Kenntnisse als Physiotherapeut ein.

Mit 3 Plastischen Chirurgen, Robert Oellinger, Annette Hortling , Klaus Plogmeier, 1 MKG-Chirurgen ,Torsten Erdsach, 2 Anästhesisten- Stefan Stöckel und Christian Kreitmeier sowie Antonie Froriep (Fachfrau Anästhesie) und Sinischa Wagner und Ilona Eichenberger (OP Fachkräfte) können wir auf einen erfolgreichen Einsatz zurück blicken.

Gez.: Ilona Eichenberger

 

 

Interplast-Camp Ndanda Hospital 17th September- 2nd October 2018

Dienstag, 20. November 2018

Participants

Dr. Daniela Kietzmann Anesthesiologist

Ms. Maria Beil Anesthetic Nurse

Mr. Andrea Mchela Anesthetic Nurse (Newala)

Dr. Daniel Tilkorn Plastic Surgeon

Dr. Janis Perialis Plastic Surgeon

Local Staff

Dr. Onesimo Intern

Mr. Christopher For the OT-Nurses

Ms. Barbara Kamundi For the Ward-Nurses

Dr. Daniela Kietzmann had arrived in Ndanda a week before the camp started and, working together with the OT-Nurses, made sure that the machines for anesthesia and all needed equipment was in place and the operating theatres were ready for the camp.

Dr. Daniel Tilkorn and myself arrived in Dar in the early hours of September 17th and after getting our Visas just checked in for the next flight to Mtwara.

As in the previous year the car from Ndanda was already at the airport and we had a good and uneventful drive to the Mission.

At this place a big thank you for the welcome meal as well as for all the ones that followed and for the comfortable accommodation.

Ms. Maria Beil joined us two days later on September 19th.

Mr. Edgar Nanyambe had already arranged for patients to come and we started with the screening on the same afternoon. The numbers of patients were not as high as in the previous year but the selection was much better.

On this day and during the following days we saw 62 patients. Operations were performed on 41 patients between September 18th-29th.

The ones who were NOT operated, were mostly patients with keloids (for whom triamcinolon injections were arranged), children with clefts or other congenital malformation, who were too small for repair operations and a few patients, whose condition was not likely to improve with an operation. Explanations were given to all of them and some were asked to come back next year.

We tried to perform the operations within the normal working hours of the hospital and to avoid overburdening the staff.

Ward rounds were done at 7.30 am and then again after finishing with the procedures in OT, normally at 4 to 5 pm.

A lot of time was spent for dressings, esp. for the children who needed anaesthesia or sedation.

A few patients came to the hospital as emergencies and their treatment was done in good cooperation with the surgical wards.

For example, a man attacked by robbers in his field, who suffered severe wounds on his face and arm, or the poor lady, who was badly injured by a hippopotamus . And the girl with extensive burns on abdomen, groins and thighs, by whom, after intensive cleaning of the infected wounds, skin grafting was performed.

It was a real joy for us to see again “old friends” from the previous year.

Wanda, a 12 y. old girl with severe post burn contractures of both elbows and dorsal wrists as well as face. This time we released the L elbow and L wrist and covered the back of the hand with an abdominal flap. It was very nice to see, how Wanda herself and her life has changed during the past year. A new confidence, a big smile and she had started school.

Dr. Patrick performed the separation of the flap. Many thanks to Dr. Patrick for this and all the other things you completed after we had left.

Faidhi, a 12y old boy with a very dedicated father, has a similar story. He came last year with severe burn scars of the face. We grafted the upper and lower lids on both sides and released the lower lip, which was stuck on his chin. There was a big improvement and we continued with a release of the anterior neck and corrected part of the lids, which had contracted.

A challenge was a lady with a defect of the nose after human bite. Though the operation is a “small” one (Reconstruction of the nostril with a part of the ear as a compound graft) it is risky and needs a lot of attention. Everything went well and we are thankful.

There were no major complications during the camp or later, according to the reports we receive . We have many reasons to thank God for all the good healing and the protection of our patients and also for his guidance during the operations and the rest of the treatment.

Many thanks belong to the people of Ndanda for their participation and help in many ways.

We had wonderful food between the operations prepared by Sr. Emmanuela and her team from the nursing school.

Ms. Barbara Kamundi was again the “mother” of our patients in Ward 11. She and her team took good care of them and she was there even when we came late for a round.

The OT nurses and the people in the sterilisation did a great job. We know, that it is not easy to adapt to the “visitors” with their different ways and sometimes with strange ideas. The “jungle juice” (adrenaline solution)and the locally produced vaseline gauze were valuable items and used for almost every single operation.

Dr Patrick kindly took over the work, we left behind in spite of his many responsibilities.

Dr Shayo joint the team for some operations, when he was free.

It was great to have again Mr. Andrea Mchela from Newala in the team. His experience in anaesthesia esp. with children was of great benefit for our patients.

Dr. Jesaja and Dr. Haverkamp helped in many ways organising things and giving valuable advice.

Last but not least we want to thank Dr Onesimo, intern in the surgical department. It was a privilege and a pleasure to work with him during the camp and he continued the good work, looking after the patients and doing the dressings after we left.

He was always available in the OT and the ward, did a lot of the logistics and the paper work, was a capable assistant in the Theatre, did a lot of dressings and made sure that every patient had his prescription and received his medication.

He used a lot of his time and energy and contributed a lot to the work of the team. I believe it will be very beneficial for the hospital, if he can continue his work there. For us it will be a joy to meet him again in the next camp.

Dr. Tilkorn had a constructive discussion with Fr. Fabian esp. about the way of collecting and screening of patients during the whole year.

And something personal.

My “old back” had been bothering me for long time. It is much better now after my stay in Ndanda. Perhaps there are some “healing qualities” in the water of the lake on the hill or on the way to it. I enjoyed them in my spare time and am very thankful.

Many thanks again for the welcome and the hospitality.

Mungu awabariki.

In the name of the whole Team

Janis Perialis, October 2018

 

 

Bad Honnefer montieren Solaranlage in Tansania

Montag, 22. Oktober 2018

BAD HONNEF. Der Verein Interplast, der ehrenamtlich plastisch-chirurgische
Operationen in Entwicklungsländern durchführt, hat eine neue Solaranlage für das
Puma-Hospital in Tansania organisiert. Die Montage hat eine Firma aus Bad
Honnef übernommen.
Von Roswitha Oschmann, 22.10.2018

Monteure bei der Arbeit auf dem Dach der Krankenhaus-Station

Unterm Dach wurde operiert, auf dem Dach montiert. Ihren jüngsten Einsatz in der
Missionsstation Puma werden Michael Schidelko und seine Frau Regina wohl kaum
vergessen. Während die beiden Mediziner, die seit nahezu drei Jahrzehnten für Interplast
unentgeltlich in Entwicklungsländern arbeiten, mit einheimischen Ärzten in zwei
Wochen 70 Operationen durchführten, brachte ein Elektriker-Team Solar-Paneelen auf
den Gebäuden des Puma-Krankenhauses an.

„Die montierten Paneele liefern jetzt so viel Strom, dass das gesamte Krankenhaus mit
seinen Funktionsabteilungen – OP, Kreißsaal, Röntgenabteilung, Sterilisation und
Wäscherei – versorgt ist“, berichtet Michael Schidelko, der mit großem persönlichen
Einsatz und zusammen mit seiner Interplast-Sektion Siebengebirge die Entwicklung des
Puma-Krankenhauses vorantrieb.
Die autarke, zuverlässige Stromversorgung stellt einen Meilenstein in dessen
Entwicklung dar. Das Wichtigste: „Nun haben wir keine Stromausfälle mehr.“ Dadurch
war es in der Vergangenheit bereits zu dramatischen Vorfällen gekommen.
Umweltschutz und Geldersparnis kommen hinzu. Schidelko: „Sonne gibt es dort
bekanntlich genug. Der Solarstrom ist umsonst, der Generatortreibstoff Diesel teuer.“

Michael Schidelko und seine Frau Regina mit dem Team im Krankenhaus in der Missionsstation Puma

Gesamtkosten liegen bei 80.000 Euro

Der Chirurg: „Vor einem Jahr erhielten wir die Zusage des Bundesministeriums für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung für die Erweiterung der Solaranlage
am Krankenhaus Puma.“ Das BMZ übernimmt 75 Prozent der Gesamtkosten in Höhe
von 80.000 Euro, für den Rest kommt Interplast auf. Zunächst gab es die Idee, Afrikaner
mit dem Projekt zu betrauen.
„Aber auf die vom BMZ geforderte Ausschreibung meldete sich in Tansania kein
einziges Unternehmen. So bekam nach einer weiteren Ausschreibung in Deutschland
eine Bad Honnefer Firma den Zuschlag. Sie machte die Planung und besorgte alle
erforderlichen Teile zur Montage der 140 Solarpaneele und der Technik.“
Elektroinstallateurmeister Thomas Jäger, der bereits in der Vergangenheit etliche Male
ehrenamtlich in Puma wirkte, erledigte das.
Die Anlieferung der Materialien zum Bonner Hafen dauerte bis April dieses Jahres,
dann wurde der Container für seine Reise nach Ostafrika verschifft. Langwierig
gestalteten sich die Verhandlungen mit Zoll und Steuerbehörden. In der ersten
Septemberwoche erreichte die Fracht endlich die Missionsstation.
In der Zwischenzeit trafen sich Jäger, Schidelko und ein Team der Organisation
Elektriker ohne Grenzen (EoG) regelmäßig zu Skype-Konferenzen, um alle Details zu
besprechen – vom Schalt- und Montageplan bis zum Impf- und Flugplan. Noch am
Ankunftstag der Mediziner-Elektriker-Mannschaft wurde der Inhalt des Containers mit
einem vorsintflutlichen landwirtschaftlichen Gespann zum Hospital transportiert. Dort
montierten die EoG-Elektriker mit umsichtiger Hilfe einheimischer Mitarbeiter die
Schienen für die Paneele auf die verschiedenen Dächer. Gar nicht so einfach bei den
leichten Wellblechdächern. Immer wieder musste wegen verschiedener Überraschungen
improvisiert werden.

Das Dach verfügt jetzt über eine Solaranlage

Kiste mit Befestigungsschrauben fehlte

Aber: „Täglich wuchsen neue Paneele auf den Dachflächen, für die Techniker eine
höchst schweißtreibende Arbeit, den ganzen Tag der Tropensonne auf den heißen
Blechdächern ausgesetzt zu sein.“ Auch die Converter wurden montiert; dazu war vorab
mit Geldern des Lions-Clubs Siebengebirge ein eigenes Technikhaus errichtet worden.
Eine Kiste mit Befestigungsschrauben war wohl im Hafen abhanden gekommen, so dass
die letzten Paneele noch nicht montiert werden konnten. Im November erhalten auch die
anderen Bereiche der Mission Anschluss ans Solarstromnetz.
Michael Schidelko, der Anfang 2019 zunächst zum neuen Projekt nach Malawi reist,
wird auch im nächsten Jahr wieder nach Puma gehen, wo vier, fünf Ärzte tätig sind.
„Vieles können sie selbst machen. Das Niveau ist spürbar gestiegen. Sie wagen sich an
Operationen heran, die sie vor Jahren nicht gemacht hätten. Die Problemfälle werden
von den Interplast-Ärzten übernommen.“ 2018 ist jeden Monat ein Team der Sektion
Siebengebirge dort.
Nachdem sein Freund Jürgen Meyer-Oswald aus Altersgründen seine Einsätze als
Zahnarzt beenden musste, konnte Michael Schidelko zwei Honnefer Zahnärztinnen,
Katharina Walz und Antje Hilger-Rometsch, gewinnen. Für das Hospital besorgte er
gerade erst 80 ausrangierte Krankenhaus-Betten, deren Transport er nun organisiert. So
ist der Präsident von Interplast Deutschland unermüdlich tätig. Nicht nur mit dem OP-
Besteck.

 

Quelle: http://www.general-anzeiger-bonn.de/region/siebengebirge/bad-honnef/Bad-Honnefer-montieren-Solaranlage-in-Tansania-article…

 

 

Einsatzbericht 13/2018 San Jose de Chiquitos Bolivien 12.4. – 30.4.2018

Sonntag, 7. Oktober 2018

Dr. M. Schwarz Plast. Chirurg

Dr. D. Bierawski und Dr. D. Dunkelberg Anaesthesisten

Dr. P. Weisser und Dr. L. Geier MKG-Chirurgen

Saskia Noak OTA

Paula Busse-Grawitz MFA

C. und G. AlbaLopez Koordinatoren

Bolivien zum fünften Mal. Wieder waren es Gustavo AlbaLopez und seiner Schwester Claudia mit dem Kreis um Odin Bauer in Santa Cruz, die alles minutiös vorbereiteten. Der Einsatzort das dritte Mal San Jose de Chiquitos, die kleine Stadt im Chaco, dem Grenzgebiet Brasilien, Paraguay. Der Bürgermeister überließ uns den OP „nur Notfälle“ stand an der Türe.

Überall spürte man die politische Nervosität, denn die Volksabstimmung verneinte eine 4te Amtszeit von Morales. Schon die dritte Amtszeit genehmigt er sich gegen die Verfassung durch den Trick die Staatsform umzubenennen. In 2019 ist die kommende Präsidentenwahl. Der abhängige Staatsapparat ist enorm aufgebläht Zollanmeldungen, Kontrollen der einzelnen Siebe bei Ein und Ausfuhr lassen wenig Sinn erkennen, zumal ein10 Jahresvertrag mit der Gemeinde besteht. Um so erfreulicher ist das Engagement jedes Einzelnen, die Sozial Dezernentin Deisy Vargas stellte eine Truppe Freiwilliger auf, die unser Ankommen in den Kolonien und Dörfern ankündigte und teilweise die Patienten bei sich zu Hause beherbergten.

Wir selbst waren wieder im La Casona untergebracht, fußläufig zum Krankenhaus. Der sehr zuvorkommende Wirt revanchierte sich zur Einladung beim Spaghettiessen mit einem hervorragenden Grillabend von eigenem Rindfleisch und fuhr uns am Wochenende auf eine Viehversteigerung sodaß das lokale Kolorit des Ortes gut rüberkam.

Durch das neue Zettelsysten war die Erscheinensweise der 170 Patienten im Screening deutlich exakter und die Ausfälle waren gering. Das Spektrum war diesmal geprägt von Ohrfehlbildungen, nur wenig LKG und Verbrennungen im Gegensatz zu letztem Mal. Die Zahl handchirurgischer Eingriffe war konstant und vor allem Hexa- und Syndaktylien. Durch die sehr gute Mitarbeit der örtlichen OP Schwestern waren die Programme trotz der 79 Eingriffe quasi immer um 17 Uhr beendet und wir konnten einzelne Vorführungen des Barockmusikfestivals in der Jesuitenkirche noch genießen. Leider bekam eine Lippenspalte einen Infekt, was eine Sekundärnaht erforderte. Ansonsten ein absolut komplikationsloser Verlauf. Für 2020 ist wieder ein Einsatz geplant, die politische Entwicklung werden wir genau verfolgen, schließlich ist auch ein Umbruch im Partnerstaat Kuba.

Besonders Erwähnenswert und mit großer Akzeptanz im Ort ist die Spende eines Elektrokauters einer Freiburger Firma, die wir überbringen konnten. Am Sonntag, den 22.4.2018 war die örtliche Anaesthesistin nicht erreichbar und wir wurden zu einem Blinddarmdurchbruch gerufen. Intraoperativ versagte der bolivianische Kauter und dank dem überbrachten Gerät konnte die OP zu einem glücklichen Ende gebracht werden.

 

 

 

 

Einsatz Indien 2018

Mittwoch, 26. September 2018

Zu einem medizinischen Einsatz nach Indien wollen wir aufbrechen

„Wir“: das sind Dr. André und Eva Borsche, unterstützt vom Anästhesisten Dr. Micha Danecke und der Chirurgin Dr. Laura Döring aus der Kreuznacher Diakonie , den beiden Anästhesistinnen Dr. Gabi La Roseé aus Essen und Dr. Carolin Towara aus Frankfurt, der OP Schwester Marianne van Deesten aus München, und -zum ersten Mal dabei- Physiotherapeutin Anna-Lena Herter aus Boos.

Abschied in Frankfurt

18 Koffer sind gepackt, medizinisches Gerät und Kuscheltiere sind verstaut, die letzten emails gehen zwischen Bad Kreuznach und unserem Zielort, einem kleinen indischen Krankenhaus hin und her:

-wie viele Pakete steriler Handschuhe lagern noch von unserem vorjährigen Einsatz dort?

-sind die blauen Kinderverbände noch da?

-wird die Nähstube rechtzeitig mit den OP-Kitteln und den Nachthemden für die Patienten fertig?

-die Ambulanzschwester dort wünscht sich 20 Tuben Arnikasalbe für ihre Patientenbesuche in den abgelegenen Dörfern …..

Auf beiden Seiten des Globus steigert sich von Tag zu Tag emsige Vorfreude.

Doch dann der Schreck!

Drei Tage vor unserer eigenen Abreise werden befreundete Kollegen, die zu einem ähnlichen Einsatz aufgebrochen sind, an der indischen Grenze zurückgewiesen, und kehren mit dem nächsten Flugzeug unverrichteter Dinge nach Deutschland zurück! Plötzlich waren all ihre Vorbereitungen umsonst! Ratlose Ärzte hier, enttäuschte Patienten dort. Auf beiden Seiten war mit einem Mal die mit Freude und Fleiß geleistete Vorarbeit sinnlos geworden.

Wir lauschen fassungslos lauschen dem Bericht unserer verzweifelten Freunde.

Wird es uns ebenso ergehen? Wie sollen wir das vermeiden?

Schnell reduzieren wir unser Gepäck um 3 Koffer auf das dringend notwendige. Der Rest wartet in Bad Kreuznach auf günstigere Zeiten….

Nur 8 Stunden Flugzeit und es ist soweit: das Flugzeug speit eine Riesenmenschenwolke aus, die von meandrierenden Geländern in 15 lange Schlangen vor den Einreiseschaltern gekämmt wird. Zentimeter für Zentimeter schiebt die Masse immer wieder stockend ihr Handgepäck vorwärts. Betont entspannt versuche ich mich dabei in eine Fachzeitschrift zu vertiefen, doch meine Hand zittert, und mein Herz schlägt bis zum Hals.

Nach vier Stunden ist der Schalter erreicht: Jetzt so ruhig und gelassen wie möglich wirken! Ein kleiner heiterer Gedankenaustausch mit dem Grenzbeamten, wir bringen unsere Hochachtung vor Kultur und spiritueller Tradition Indiens zum Ausdruck……

Fingerabdrücke… Dokumentenblättern…. Detailfragen…Stempel.., dann unbeteiligtes Durchwinken

– wir haben es geschafft!

Erleichtert und überglücklich werden wir von unseren indischen Freunden und den Krankenhausschwestern am Flughafenausgang in die Arme geschlossen.

Nach 4 Stunden Fahrt in einem alten Schulbus durch endlose Zuckerrohrfelder erreichen wir das von Ordensschwestern geleitete 300 Betten-Krankenhaus in der abgelegenen 400 000 Seelen Siedlung von Shevgaon.170 Patienten und sind euphorisch erleichtert, dass sie nicht umsonst auf unsere Ankunft gehofft haben. Meist Kinder und Frauen, erwarteten sie uns schon dicht gedrängt im Innenhof des Hospitals. Viele alte Bekannte erkenne ich in der Menge. Seit acht Jahren sind wir jedes Jahr für zwei Wochen zu Gast bei den Schwestern hier und einige Patienten sind seit dem ersten Mal dabei!

Damals glich unser OP eher einer Dunkelkammer ohne größere medizinische Ausrüstung. Doch wie tadellos sind die Hauttransplantate auch aus dieser Zeit eingeheilt und schenken den Patientinnen seit Jahren Arbeitsfähigkeit und gesellschaftliche Akzeptanz!

Inzwischen haben wir den Operationssaal etwas ausbauen lassen und Dank kontinuierlicher Spenden aus Kreuznach wurden Lampen, Operationstische, elektrische Koagulation und ein Hautentnahmegerät angeschafft. Auf diese Weise können wir pro Einsatz anstatt 50 ca. 100 Menschen helfen.

Während unserer Abwesenheit leisten diese Geräte gute Dienste bei der täglichen Basisversorgung von Schwerstverbrannten. Und davon gibt es hier viele:

In den kleinsten Hütten oder unter den blauen Plastikplanen, unter denen die Zuckerrohrschnitter mit ihren Familien den Sommer über leben oder am staubigen Straßenrand neben den Kleiderbündeln der Obdachlosen: überall ist der Kerosinkanister mit dazugehörigem wackeligen Kochgestell zu finden. Zu schnell erreichbar für kurz unbeaufsichtigte Krabbelkinder oder erhitzte Gemüter, die sich selbst oder unliebsame Angehörige in Flammen aufgehen lassen möchten.

17 verbrennungsverletzten Kindern konnten wir dieses Mal ihre oft schon seit Jahren verkrüppelten Hände und Fingerchen wiederaufrichten. Für zwei Wochen müssen die Kleinen nach der Hauttransplantation im Krankenhaus bleiben, einige Verbandswechsel mitmachen und einen dicken Gips tragen. Doch freudiges Vertrauen und viel Mitgefühl im 12 Bettenzimmer helfen ihnen die Schmerzen und bösen Erinnerungen leichter zu ertragen.

12 Betten bedeutet, dass in diesem Raum vorübergehend ca. 35 Menschen leben. Jedes Kind braucht, um sich pflegen, versorgen und trösten zu lassen, Großeltern, Mutter oder kleine Geschwister, die in Hängematten unter den Betten schlafen.

Auch erwachsene Patienten kommen nie allein: zum Beispiel sind die aus Gründen, die wir nie erfahren werden, bis zur Unkenntlichkeit verbrannten jungen Frauen Tag und Nacht auf die Hilfe ihrer Familie angewiesen. Der Narbenzug der Brandwunden hat meist nicht nur das Kinn auf die Brust geschweißt, sondern auch Schultern, Ellenbeugen und Handgelenke verkrüppelt und jeden Bewegungsspielraum genommen. Nahrungsaufnahme oder Toilettengang sind seit dem Verbrennungsunglück nicht mehr ohne Hilfe möglich.

Dieses Jahr konnten wir 22 junge Frauen behandeln und so einer jeden wieder ein Stückchen Lebendigkeit zurückgeben. Bis zur völligen Funktionsfähigkeit wird es noch ein langer Weg sein.

Kalpana zum Beispiel kommt schon seit sechs Jahren jedes Frühjahr zur Operation, sodass wir nach und nach Hals, beide Schultern, Handgelenke, Ellenbeugen und Finger aufrichten konnten. Dieses Mal ächzt sie schon vor der Operation vor Schmerzen: ihr Mann hat ihr im Streit mit der Erntesichel einen tiefen Schnitt in die Flanke versetzt. Die äußere Wunde können wir säubern und versorgen, für die seelischen Wunden findet sie bei uns zumindest ein wenig Trost und Zuspruch.

Im Bett gegenüber liegt Sonali. Sie ist schon zum achten Mal bei uns. Leider hat sie schlechte Heilhaut, sodass wir schon einige schmerzhafte Wundinfektionen zusammen bewältigt haben. Doch dieses Jahr ist die verängstigte Schwerstverbrannte nicht wieder zu erkennen: über beide geflickten Wangen huscht ein glückliches Lächeln: wir sollen mal raten:…

oh nein….., sie muss doch mit der Lösung sofort herausplatzen: ja, sie ist verheiratet!!! Und was das für ein so gequältes und verlachtes Wesen wie unsere arme Sonali bedeutet, ist kaum zu ermessen. Jedenfalls gibt es dieses Mal für die Transplantate an Hals und Handgelenk keinerlei Heilungsstörung, und sie darf ausnahmsweise schon nach neun Tagen nachhause.

Im Nachbarzimmer liegt die 18jährige Aruna. Sie erscheint alt und ausgemergelt. Ihre Lippen sind durch Narbengewebe entstellt und die Mundöffnung ist seit einem Unfall in ihrer Kindheit bis auf ein winziges Löchlein zusammengeschrumpft. Wie sie sich ernährt, wissen wir ebenso wenig wie die genauen Umstände des Unglückes. Genauso wie die kleinen Kinder mit Lippenspalten hat sie gelernt, ihre Lippen zu verstecken und weint, wenn sie uns kurz unter ihren Schleier blicken lässt. Langsam, lange nach gelungener Operation, üben wir, nach und nach das schamhaft verhüllende Mundtuch wegzulassen und wieder zusammen mit anderen im großen Kreis lachend ihre Mahlzeiten einzunehmen.

Nach insgesamt 110 Operationen (viele angeborene Mißbildungen waren dieses Mal dabei) können wir beim großen Abschiedsfest auf einen mit mannigfaltiger Unterstützung gelungenen Einsatz zurückblicken.

Große Dankbarkeit bricht sich am letzten Abend in rührenden Gesten Bahn. Tränen auf beiden Seiten lassen in solch würdevollen Momenten der Menschlichkeit Schenkende und Beschenkte eins werden.

Eva Borsche

 

 

Interplast-Einsatz in Bolivien März 2018

Mittwoch, 26. September 2018

Am 15.3.2018 machte sich das 9 köpfige Team der Interplast Germany e.V. Sektion Bad Kreuznach auf den Weg nach Bolivien. Unter der Leitung von Dr. Katharina Kamm aus Lübeck mit ihren Kollegen sowie der Bad Kreuznacher OP-Schwester Katharina Sojka und Dr. Dirk Blaschke startete der Einsatz mit einer über 36 Stunden dauernden Anreise. Ihr Ziel, die kleine Stadt Riberalta im Norden Boliviens, mitten im Dschungel des Amazonasrandgebietes. Das in insgesamt 18 Koffern untergebrachte medizinische Equipement kam zum großen Teil erst Tage später am Einsatzort an. Lediglich 11 Koffer waren zu Beginn vor Ort. Auch unter diesen schwierigen Voraussetzungen ließ sich das Team nicht entmutigen, improvisierte und begann umgehend mit der Arbeit.

Eine junge Patientin freut sich über die Hilfe und einen mitgebrachten Teddy

Die hoffnungsvoll wartenden Patienten wurden mit Hilfe des örtlichen Chirurgen Huascar Suarez untersucht und gemeinsam entschieden, welche Operationen und medizinischen Versorgungen, während des zweiwöchigen Aufenthalts machbar sind. Wichtig bei dieser Entscheidungsfindung war auch die Sicherstellung einer adäquaten Nachversorgung durch den Kollegen vor Ort und seiner Möglichkeiten.

Um einer großen Anzahl von Patienten helfen zu können, arbeitete das Team an drei OP-Tischen bis spät in die tropischen Nächte.

In den folgenden 2 Wochen wurden insgesamt 120, teils hochkomplexe Operationen durchgeführt.

Das Alter der Patienten reichte von 3 Monaten bis 78 Jahren, wobei mehr als die Hälfte von Ihnen Kinder waren.

Es gelang viele Leistenbrüche, vergrößerte Schilddrüsen, Lippen- und Gaumenspalten chirurgisch zu versorgen. Auch Weichteiltumore, Verbrennungsfolgen sowie Fehlbildungen im Gesichts-, Hand- und Fußbereich konnten korrigiert werden.

 

 

 

Dr. Dirk Blaschke bereitet einen jungen Patienten auf seine Lippenspaltenoperation vor

Für Interplast war dies bereits der dritte Einsatz in der bolivianischen Kleinstadt. So konnten die Mediziner vor 2 Jahren bei einem damals 10 jährigen Mädchen für eine komplett zusammengewachsene Hand die Greiffunktion operativ herstellen. Inzwischen geht sie in die fünfte Klasse und gehört dort zu den besten Schülerinnen. So stellte sie sich dem diesjährigen Einsatzteam begeistert vor, um auch ihre zweite Hand funktionsfähig machen zu lassen. Es ist für sie eine einzigartige Chance, ihr Leben ohne Stigmata und selbstbestimmt leben zu können.

PD Dr. H.-C. Jacobson und Dr. Dirk Blaschke bereiten einen jungen Patienten auf seine Lippenspaltenoperation vor 

 

 

Dieses nachhaltige Beispiel, viele dankbare und glückliche Patienten und die großartige Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort macht diese ehrenamtliche und beschwerliche Arbeit bei den Ärmsten der Armen so sinnvoll und lässt das Team schon die nächsten Einsätze planen.

Dr. Dirk Blaschke

dirk-blaschke@gmx.de

0176/64359634

 

 

Abschlussberícht der Sektion Stuttgart-Münster über den gemeinsam mit der Sektion Südbayern durchgeführten Einsatz in Loikaw / Myanmar

Donnerstag, 7. Juni 2018

Wenn eine Sektion zum Ersteinsatz fährt, ist trotz akribischer Vorarbeit schwer abschätzbar, welche Herausforderungen auf ein Team vor Ort warten. Neben der Patientenklientel sind die Ausstattung der Klinik sowie das Personal, das sich postoperativ um die Patienten kümmert, schwer zu kalkulierende Variablen, von denen jedoch maßgeblich der Erfolg eines Einsatzes abhängen.

Die Vertreter der Sektionen Stuttgart-Münster und Südbayern standen eben dieser Ungewissheit gegenüber, als sie vom 19.02-01.03.2018 erstmals nach Loikaw reisten. Die Stadt liegt auf 1200m Höhe im Osten Myanmars an der Grenze nach Thailand.

Da dort viele Straßenverbindungen als unzulänglich gelten, war das Reisemittel der Wahl das Flugzeug. Einmal täglich gab es eine Flugverbindung dorthin. Wir landeten auf einem winzigen Flughafen mitten im Nirgendwo, umgeben von Steppe und malerischen Bergen. Werden überhaupt genügend Patienten hierher anreisen können, um die OP-Tage zu füllen?

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Sierra Leone – Interplasteinsatz vom 09.03. – 26.03. 2018 – Government Hospital Kenema

Freitag, 13. April 2018

Das Team (von li. n. re.) mit einheimischen Mitarbeitern:

Franziska Klein, OTA; Dr. Maya Amparo Forkel, plastische Chirurgin; Lahai, OP-Pfleger; Dr. Ute Terheggen,Unfallchirurgin-Orthopädin, Teamleitung; Emmanuel Lordbrahams, CHO; Marina Kurth, OP-Schwester;Dr. Ruth Kremers-Lueg, Anästhesistin; Francis, Sterilisationskraft; Birgit Ruh, Anästhesistin; Lumnije Tahiri, Anästhesieschwester; Yussuf, Anästhesiepfleger; Lena Eschbach, OTA; Josef, Reinigungskraft; Hans-Jürgen Arndt, Unfallchirurg-Orthopäde, Teamleitung (Mitte kniend)

Es war der 5. Interplasteinsatz in dem Regierungskrankenhaus in Kenema, im Osten Sierra Leones, diesmal mit einem von Frauen dominierten Team.

Von Brüssel kommend landeten wir am späten Nachmittag des 9. März auf dem Lungi -Airport nahe Freetown nach einem 7-stündigen Flug.

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