Augenärztlicher Piloteinsatz in Burkina Faso, Hospital de Leo, 1.-8.12.18

Freitag, 21. Dezember 2018

Teilnehmer: Dr. Andrea Huth (Teamleitung, Ophthalmochirurgin), Dipl.med. Marina Müller (Ophthalmochirurgin)

Auf der diesjährigen Interplasttagung im März stellte Prof. Rumstadt sein Projekt „Operieren in Afrika e.V.“ vor und bat darum, nun auch ein augenärztliches Team nach Leo schicken zu können. Durch Vermittlung von Michael Schidelko und Ruth Alamuti konnte ich mich mit Prof. Rumstadt in Verbindung setzen und plante zunächst einen Piloteinsatz in Burkina. Aufgrund der äußerst unkomplizierten Unterstützung von Interplast und „Operieren in Afrika“ wurde bereits im Juni eine Spaltlampe mittels Container nach Burkina verschifft. Ein transportables OP- Mikro wurde angeschafft und die nötigsten Medikamente und Arbeitsmaterialien besorgt. Auf mehrfache Bitten nach Operationen nahmen wir auch Instrumente und Zubehör für einfache Katarakt- Ops (sog. ECCE) mit.

Für den Einsatz musste wie überall eine Arbeitserlaubnis erworben werden, was durch den Direktor der Klinik in Leo sehr zuverlässig erledigt wurde. Außerdem bereitete er eine Liste der mitgeführten Medikamente und Materialen für den Zoll vor. Das Visum für Burkina Faso haben wir über die Botschaft in Berlin bezogen.

Sehr gespannt erwarteten wir dann unseren Einsatz und starteten am 1.12.18 früh 6.50 Uhr ab Berlin über Brüssel nach Ouagadougou. Der Direktor, Omar, erwartete uns bereits an der Gepäckausgabe und manövrierte uns aus dem Flughafen. Der Zoll hatte kein Interesse an unseren bis oben vollgepackten Koffern (ich weiß nicht genau, worauf bei der Durchleuchtung geachtet wird, aber schon das OP- Mikro hätte ich als „interessant“ eingestuft), aber wir hätten für alle Fälle ja die Zollliste und Omar gehabt. Dieses verblüffend unkomplizierte Procedere spart einem natürlich viel Energie und Nerven- beim Zoll in Tansania z.B. gibt es Teams, die mehrere Tage um ihr Gepäck kämpfen müssen, was weder den Patienten noch dem Team hilft, die dann erst mit z.T. erheblicher Verspätung am Einsatzort eintreffen.

Omar und sein Fahrer nahmen uns anschließend gleich nach Leo mit, wo wir ca 20.00 Uhr eintrafen. Nach einem leckeren Abendessen und der Ankündigung von reichlich Patienten planten wir für den Folgetag (Sonntag) 8.00 Uhr den Beginn der Untersuchungen. Dank der vorzüglichen Unterbringung hatten wir eine erholsame Nacht.

Am 2.12. wurde uns das Team in Leo und das Hospital vorgestellt, anschließend bekamen wir einen ophthalmic officer, Somailla, als Übersetzer und Helfer zur Seite gestellt. Normalerweise ist an die Arbeitserlaubnis die Anwesenheit eines einheimischen Kollegen gebunden, da aber alle Augenärzte zu einem großen Kongress im Ausland weilten, wurde auf Somailla zurückgegriffen. Das war aber in keinster Weise ein Problem, er hat sehr gut verstanden, was wir täglich gemacht haben und z.B. einer einheimischen PJ-lerin die Katarakt- Ops erklärt, so dass wir auf einen guten Wissensstand schließen können.

Am dritten Tag starteten wir dann auch im OP und haben während der Woche 7 ECCE- Ops durchgeführt.

Insgesamt wurden in der Zeit vom 2.-8-12. 309 Patienten untersucht, die o.g. Katarakt- Ops sowie 2 kleine Lidoperationen durchgeführt und mindestens 56 Patienten für den nächsten Einsatz zur OP vorgemerkt. Da es schätzungsweise ca. 100 Augenärzte in Burkina Faso gibt, die sich erfahrungsgemäß meist in den größeren Städten ansiedeln, gibt es regional einen großen Bedarf für die augenärztliche Versorgung. Am letzten Tag erfolgte mit Omar eine Auswertung der Woche und Planung für den nächsten Einsatz. Die Zusammenarbeit mit dem einheimischen Team wurde von beiden Seiten als sehr gut eingestuft, der ophthalmic officer Somailla wird in Zukunft 1-2x pro Woche ins Hospital kommen, um dort Augen- Patienten zu untersuchen (er hat in seiner „Praxis“ im staatlichen Hospital von Leo selber eine Spaltlampe, so dass er unsere Spaltlampe sachgemäß nutzen kann) sowie aktuell noch unsere frisch operierten Patienten nachbetreuen. Bei zukünftigen Einsätzen werden einheimische Augenärzte anwesend sein, die dann auch in entsprechenden Op- Techniken unterrichtet werden können. Ziel ist letztendlich das selbständige Arbeiten ohne Hilfe durch auswärtige Teams bzw. nur noch gelegentliche Einsätze für schwierige Fragestellungen.

Zusammenfassend war die Woche in Leo recht arbeitsintensiv und hat sich sehr gelohnt. Die oben angeführten Perspektiven motivieren für weitere Einsätze und treffen sehr gut den Punkt der Nachhaltigkeit. Die Zusammenarbeit mit dem Hospital sowie die Versorgung (Arbeitsbedingungen, Verpflegung, Unterbringung, Transport) waren hervorragend, so dass wir am 8.12.18 mit einem, wie man sagt „lachenden und weinenden Auge“ abreisten.

Nun heißt es wieder, den nächsten Einsatz vorzubereiten und weitere Geräte anzuschaffen (z.B. Refraktometer, Sonografie zur Bestimmung der Linsenstärke, Phako- Maschine+ Instrumente und Zubehör) um einen gewissen Standard in Leo zu schaffen und das Projekt augenärztlicherseits auf solide Füße zu stellen.

Ich bedanke mich bei allen Sponsoren und Helfern und vor allem bei meiner Mitstreiterin Marina Müller, die diesen Einsatz ermöglicht haben.

Dr. Andrea Huth