Abschlussberícht der Sektion Stuttgart-Münster über den gemeinsam mit der Sektion Südbayern durchgeführten Einsatz in Loikaw / Myanmar

Donnerstag, 7. Juni 2018

Wenn eine Sektion zum Ersteinsatz fährt, ist trotz akribischer Vorarbeit schwer abschätzbar, welche Herausforderungen auf ein Team vor Ort warten. Neben der Patientenklientel sind die Ausstattung der Klinik sowie das Personal, das sich postoperativ um die Patienten kümmert, schwer zu kalkulierende Variablen, von denen jedoch maßgeblich der Erfolg eines Einsatzes abhängen.

Die Vertreter der Sektionen Stuttgart-Münster und Südbayern standen eben dieser Ungewissheit gegenüber, als sie vom 19.02-01.03.2018 erstmals nach Loikaw reisten. Die Stadt liegt auf 1200m Höhe im Osten Myanmars an der Grenze nach Thailand.

Da dort viele Straßenverbindungen als unzulänglich gelten, war das Reisemittel der Wahl das Flugzeug. Einmal täglich gab es eine Flugverbindung dorthin. Wir landeten auf einem winzigen Flughafen mitten im Nirgendwo, umgeben von Steppe und malerischen Bergen. Werden überhaupt genügend Patienten hierher anreisen können, um die OP-Tage zu füllen?

Das Team wurde jedoch bereits sehnsüchtig erwartet und in einer feierlichen Zeremonie sehr herzlich begrüßt. Zu diesem Anlass waren neben dem Klinikdirektor und dem Personal, hochrangige Gäste wie dem Ministerpräsidenten des Kayah-Staates, seine Frau sowie der Minister für Sport und Gesundheit geladen. Darüber hinaus waren verschiedene burmesische Pressvertreter anwesend, die über die Ankunft und Arbeit des Interplastteams in den Medien berichteten.

Bevor mit dem sogenannten Screening begonnen werden konnte, wurden noch die zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten in Augenschein genommen. Bislang war dort noch nie ein ausländisches Operationsteam tätig gewesen. Umso interessierter war man an unserem Erscheinen. 2015 war das Krankenhaus mit finanzieller Unterstützung insbesondere aus Japan und Thailand renoviert und erweitert worden. Dadurch ist es für ein Land der dritten Welt überdurchschnittlich gut ausgestattet. Problematisch ist jedoch, dass einige Geräte zwar vorhanden sind aber aufgrund fehlenden know-hows nur eingeschränkt vom Klinikpersonal genutzt werden können.

Für die Patienten des Interplasteinsatzes wurden die Räume der Augenstation zur Verfügung gestellt. Die Patientenzimmer waren hell und freundlich gestrichen und wie der Rest des Krankenhauses außerordentlich gut gepflegt. Im sogar klimatisierten Operationstrakt standen zwei Operationstische mit LED-Beleuchtung und deutschen Narkosegeräten für das Team bereit.


Durch die gute Organisation vor Ort, zwei Übersetzern und vielen weiteren Helfern konnten am ersten Tag über 100 Patienten von den anwesenden Ärzten untersucht werden. Und täglich kamen weitere Patienten. Aufgrund der begrenzten Zeit und des großen Andrangs mussten jedoch einige Fälle abgelehnt werden. Bei diesen Patienten war eine Operation nicht so dringlich wie bei anderen, nichtsdestotrotz hätte sie die Lebensqualität deutlich verbessern können. Einen Patienten wegschicken zu müssen fällt sehr schwer und die Enttäuschung im Gesicht des Patienten zu sehen, macht es noch schwerer.

Solche Momente führen uns den Wert der Arbeit von Interplast noch mehr vor Augen. Sie treiben uns an, weitere Einsätze zu ermöglichen, um den Menschen Hoffnung zu geben.

Letztlich konnten auf diesem Einsatz 98 Patienten an 8 OP-Tagen operiert werden. Den Großteil der Operationen stellten Versorgungen von Patienten mit Lippen- Kiefer-Gaumenspalten dar, dicht gefolgt von Narbenkorrekturen und Kontrakturlösungen nach Verbrennungsverletzungen. Spektakulär waren die Operationen von zwei Bindegewebstumoren, die ein Gewicht von 3 bzw. knapp 5 kg auf die Waage brachten. Für diese zwei Patienten war das deutsche Operationsteam die letzte Hoffnung auf Hilfe.

Besonders erwähnenswert ist die tolle Zusammenarbeit mit dem Personal vor Ort, ohne die eine solches Arbeitspensum nicht zu meistern gewesen wäre. Es arbeitete stets Hand in Hand mit uns zusammen, war sehr an einer Ausbildung interessiert, stets gut gelaunt und kümmerte sich aufopferungsvoll um die Patienten. Aufgrund des großen Interesses fanden darüber hinaus ein Seminar zum Management von Notfällen sowie mehrere kleinere Schulungen zu Operations- und Narkosegeräten statt.

Der Ersteinsatz in Loikaw war ein voller Erfolg und wir freuen uns auf eine Wiederholung im Februar 2019, worum wir nachdrücklich und wiederholt vom Krankenhausmanagement gebeten wurden.

Unser besondere Dank gilt Herrn Oliver Esser und seiner Frau Khet-Khet, ohne deren Organisation und Hilfe vor Ort dieser Einsatz nicht möglich gewesen wäre. Und den vielen Spendern von finanziellen Mitteln und Materialien.

Teilnehmer:

Herbert Bauer Anaesthesist und Teamleiter

Michael Bergermann MKG-Chirurg

Dirk Bierawski Anesthesiepfleger

Ruben Cohen MKG-Chirurg (New York)

Dirk Dunkelberg Anaesthesist

Laura Kutz Ärztin

Andreas Schmidt Plastischer Chirurg

Gerry Schmid OP-Schwester

Laura Kutz