Tschetschenien Einsatz 2013

Donnerstag, 16. Januar 2014

Vom 13. bis 20. Februar leistete ein Team aus Helfern der beiden Bad Kreuznacher Organisationen Aktion Augenlicht und Interplast Germany humanitäre Hilfe in Tschetschenien. Mehr als 60 Kinder wurden in dieser einen Woche operiert. Hier ein Reisebericht aus Sicht von Dr. Eva Borsche und Alexander Jacob: 


„Was sich in Tscheschenien abspielte, ist unglaublich. Die unzähligen hilfesuchenden Kinder und Jugendlichen, die vom Hörensagen oder den rund um die Uhr ausgestrahlten Fernsehaufnahmen des Hilfseinsatzes der Naheländer erfahren hatten, stürmten das Krankenhaus über die seltsamsten Wege. Alles wurde versucht, um bis zu dem „Kreuznacher Hilfsorganisation“ vorzudringen. Jeder, der Hilfe suchte, wurde untersucht und beraten, hierfür verantwortlich war  Dr. Eva Borsche die in ihrer Eigenschaft als Allgemeinmedizinerin für diese Funktion bestens geeignet ist, vor allem aber durch ihre immerzu freundliche, besonnene Art die ihr selbst nach 12 Stunden Einsatzdauer nicht „abhanden“ kam. Ihnen allen gebührt ein besonderer Dank!
Auf Grund des unglaublichen Andrangs selbst aus den Nachbarrepubliken wurde jede helfende Hand benötigt, so wurden sämtliche für einen Hilfseinsatz in einer Krisenregion zwingend notwendigen, offiziellen Einladungen, Pressekonferenzen und Termine kurzer Hand abgesagt, hier und heute galt es den Menschen zu helfen. Dolmetscherin Irina, die noch nie in ihrem Leben im vollen Bewusstsein einen OP-Saal betreten hatte, machte es durch ihre Arbeit erst möglich, die tschetschenischen OP-Teams,  die auch schon im Rahmen eines mehr monatigen Praktikums wichtiges Wissen und Fähigkeiten angeeigneten hatten, in den OP-Betrieb zu integrieren. Jedes Kind wurde im Rahmen der Voruntersuchung von Frau Dr. Borsche in einem eigens für diesen Einsatz erstelltem Diagnoseprogramm mit Bild und Informationen  erfasst.  Immer wieder mussten im großen Trubel bereits untersuchte, hilfsbedürftige Kinder gesucht werden,  um dem OP- Team vorgestellt zu werden. Diese Aufgaben übernahm Alexander Jacob.
Insgesamt wurden mit diesem System in kürzester Zeit 293 Kinder untersucht und beraten und 69 Kinder wurden operiert.
Dies ist ein noch nie da gewesenes Ergebnis, der viele Väter hat. Allen voran Alex Jacob Senior der Wegbereiter war und dem das tschetschenische Volk bis heute dankbar dafür ist.
Die Aktion Augenlicht mit Alexander Jacob Junior,  der für die Koordination und Organisation mehrere Monate im Einsatz war. Unsere vielen alten und neuen tschetschenischen Freunde,  die alles in ihrer Macht Stehende ermöglichten, um dieses Projekt zu einem großen Erfolg  werden zu lassen.
Und das fleißige Interplast-Team unter der Leitung von Dr. Borsche, der vor allem mit seinem fröhlichen Gemüt und seiner Fachkompetenz so viele kleine Wunder vollbrachte. Alle Beteiligten sind sich einig:  dieses Projekt muss fortgeführt werden.
Waren es in den letzten Einsätze vor allem Minenexplosionen oder Querschläger abgefeuerter Schüsse, ….sind es heute zunehmend Gasunfälle der überirdisch verlegten Gasrohre, die mit reinem und nicht wie in Deutschland mit speziellen Geruchsstoffen aus Sicherheitsgründen versetzt sind, sondern durch ihre Geruchslosigkeit gefährlich werden. So waren fast die Hälfte der untersuchten Kinder Opfer von Gasunfällen. Aber auch Gaumenspalten und schlimme Verbrennungen standen auf der Tagesordnung. In Zukunft wird der Schwerpunkt auf der Weiterbildung von Ärzten und Pflegepersonal und der Weiterentwicklung medizinischer Infrastruktur  gelegt. Das Geheimnis der erfolgreichen Zusammenarbeit liegt  in dem kameradschaftlichen Umgang auf Augenhöhe.
Das Interesse der Medien  war sehr groß, so gaben sich die Vertreter des russischen, tschetschenischen und deutschen Fernsehens täglich die Türklinke in die Hand. Ein Kamerateam des ZDF begleitete mehrere Male das Team bei seinen Einsätzen, man lernte sich kennen, freundete sich an, dies sollte sich als ein  besonderer Glücksfall für die Gruppe erweisen. Sämtliche Transfers, Umbuchungen und Übersetzungen, die auf Grund der vielen Hilferufe notwendig wurden, waren innerhalb kürzester Zeit professionell organisiert. Auch im zwischenmenschlichen Bereich leisteten Insider-Informationen eine große, kulturelle Hilfestellung,  die so wichtig war, um mit den Menschen vor Ort erfolgreich zusammen arbeiten zu können. Vielen Dank!
Fast jeder Einwohner Tschetscheniens hat schon einmal von den hilfsbereiten Bad Kreuznachern gehört.  Viele Menschen beteten während des Aufenthaltes für das Gelingen des schwierigen Vorhabens.
Getreu dem Motto „Im Netzwerk arbeiten, bedeutet erfolgreich Arbeiten“ ist es Aktion Augenlicht gelungen, diesen Einsatz im noch immer schwer erreichbaren Tschetschenien zu organisieren.
Spenden bilden die Grundlage unserer Arbeit. Sie ermöglichen es uns, die schwerstverletzten, aus Zeitgründen nicht zu behandelnden Kindern vor Ort, nach Bad Kreuznach zu holen und zu helfen. Nur wenn wir von engagierten Menschen unterstützt werden, können wir helfen.“