Sektion Schopfheim: Manyemen/ Kamerun 2013 IP 61/1

Sonntag, 26. Januar 2014

Am 22. November war es für unser 8- köpfiges Team wieder soweit, zum 15. Mal ging es auf nach Manyemen, dem von der Kameruner Presbyterianischen Kirche geführten und von der Basler Mission 21 unterstützten Urwaldkrankenhaus im  englischsprachigen Südwesten Kameruns.

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Um 5 Uhr in der Frühe trafen wir uns gutgelaunt am Basler Flughafen, in aller Eile musste noch Einsatzmaterial auf die Transportkisten verteilt werden und hunderte von Kuscheltieren in den Handgepäckstücken untergebracht werden.

Es folgte  reibungsloses Gepäckeinchecken, ein angenehmer Air France Flug über Paris nach Douala, problemloses Durchschleusen am Zoll, zur  Abfahrt bereite Fahrer des Hotels Seamans Mission, sollte die Reise etwa so reibungslos weitergehen?

Weit gefehlt!

Wie uns schon das ärztliche Personal in Manyemen im vorangegangenen Emailverkehr angekündigt hatte, gab es dieses  Jahr wegen andauernden Regenfällen kein Durchkommen über die normale Route Douala / Kumba/ Manyemen (ca. 270 km), die Straße war komplett gesperrt!

Das bedeutete einen großen Umweg, eine  Nordostschleife über Bamenda , eine Distanz von ca. 600 km, die Straße aber größtenteils geteert.

So brachen wir früh am nächsten Morgen auf in der Hoffnung, Manyemen vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen. Doch daran sollten uns mehrere Polizeikontrollen hindern, bei denen nicht nur unsere Pässe und Impfpässe kontrolliert wurden, nein auch  Feuerlöscher, Warndreieck und Sicherheitsweste mussten gezeigt werden,  beim Fahrtenbuch musste der Fahrer dann passen. So verbrachten wir mehr als eine Stunde am Straßenrand, bevor es nach einer kleinen Bestechung weitergehen konnte.

Bei Einbruch der Dunkelheit entschlossen wir uns zu einem Zwischenstop in Mamfe, was sich als gute Entscheidung herausstellte.

Am nächsten Morgen nach dem Verladen der Transportkisten erneuter Aufbruch, laut Angaben der Fahrer ca. 2-3 Stunden Fahrzeit bis Manyemen.  Leider falsch geschätzt!

Die Straße war in miserablem Zustand mit großen seenartigen Schlammlöchern, in dem dann auch eines unserer Fahrzeuge „versank“. Also alle Mann/ Frauen aussteigen, Steine, Palmwedel und anderes Material in die Fahrrinne werfen ( Frauenarbeit ),  die Männer versuchten unter Einsatzleitung von Ralleyfahrer und Hobbymechaniker Andreas das Auto mit Baumstämmen hoch zu hebeln und rauszuschieben. Mit Erfolg!

Bei diesem interessanten Anblick von acht lehmrotverschmierten Europäern, unter größter Anstrengung bei 35 Grad tropischer Hitze arbeitend , lief manch Afrikaner kopfschüttelnd vorbei !

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Nach 10 Stunden erreichten wir dreckig und stinkend, aber glücklich unseren Zielort und wurden herzlich vom alten, bereits bekannten Personal und den „Neuen „ begrüßt. Im August diesen Jahres  hatte ein Wechsel in der ärztlichen  Spitalleitung stattgefunden; Familie Bender kehrte nach Deutschland zurück und übergab die Führng an die neue Leitung Florentin Thum und seine Frau Leonie, die ad interim für ein Jahr ihre Dienste dem Hospital zur Verfügung stellen.

Zur Einarbeitung wurde ihnen Dr. Neba, der kamerunische Chefarzt des Krankenhauses in Kumba zur Seite gestellt, der uns trotz unseres schandhaften Aussehens mit großer Warmherzigkeit willkommen hieß.

Schon nach kürzestem „ Scannen“ des Compound stellten wir fest, dass Ben, der Schweizer Techniker, der seit 3 Jahren auf dem Hospitalgelände tätig ist, Unglaubliches geleistet hat! Alle Häuser frisch gestrichen, fließendes  kaltes Wasser in den Bädern, funktionierende Klospülungen, Strom auf dem Klinikgelände und für das Dorf 24 Stunden pro Tag und 2 neue  Grundwasserbohrlöcher.  Das 3. Bohrloch, das dann die Wasserversorgung rund ums Jahr für das Hospital und das Dorf sicher stellen wird,

versucht Ben derzeit über Spendengelder zu finanzieren. Wir haben als Gruppe dazu auch einen privaten Beitrag geleistet.

 

Am Montag ging es flott an die Arbeit; es war klar, dass wir insgesamt durch die erschwerte Reise nur 9 OP-Tage haben werden.

Die ersten Patienten wurden gesichtet und wir begannen mit kleineren OP´s zum warmlaufen. Leider blieb wie schon befürchtet der große Patientenansturm wegen der schlechten Infrastruktur dieses Jahr aus.

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Dennoch konnten wir in den nächsten Tagen etliche Patienten an ihren Verbrennungsfolgen, Hauttumoren und Handverletzungen operieren, sowie den Dermojet in der Keloidbehandlung einsetzen.

Max Abe’ kam zum 11. Mal aus dem 700 km entfernten Yaunde angereist, um eine weitere Korrektur im Gesicht vornehmen zu lassen bei einem rießigen Neurofibrom, welches das rechte Auge einschließt.

Wir freuten uns auch sehr über das Wiedersehen von 2 Problempatienten  des letzten Jahres.

Angie Rose war von ihrem Exmann mit Säure beschüttet worden, letztes Jahr konnten wir durch eine Schleimhautlappenplastik zur Lippenrekonstruktion die Mundöffnung verbessern, sie kam uns lachend entgegen. Weitere Narbenkorrekturen am Hals und Ellenbogen konnten ihre Beweglichkeit deutlich verbessern.

Erfreulich war auch der Anblick von Frieda, einer an AIDS erkrankten Patientin, die wir letztes Jahr nach langer Diskussion mit einer Meshgraft bei zirkulär infiziertem Unterschenkelulcus versorgt hatten. Trotz  Immunsuppression war das Ulcus bis auf 2 kleinere Läsionen verheilt,  eine weitere Hauttransplantation wurde in diesem Jahr vorgenommen.

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Dem  OP-Team  des Ehepaars Thum konnten wir in einer dramatischen Situation  unterstützend zur Seite stehen.

Bei einer Sectio caesarea in Spinalanästhesie kam es durch hohe Anästhesieausbreitung  zur Asystolie der Mutter, mit vereinten Kräften konnten wir die Patientin erfolgreich ohne Folgeschäden reanimieren.

Im Rahmen dieses Ereignisses stellte sich heraus, dass im Moment durch die Abwesenheit eines erfahrenen Anästhesiekundigen Pflegers eine große Unsicherheit beim afrikanischen OP-Team herrschte, sowohl was die Arbeitstechniken als auch die Materialvorhaltung betraf. So kam es, dass Ernesto, Wolfgang und ich  mit Pa Epie’, Julius und  Mr. Enobi stundenlang Schränke aus und umräumten, neu ordneten und so manches angeblich fehlende elementare Zubehör wiedergefunden werden konnte.

Auch unsere einfachen SOP’s zum Thema Spinalanästhesie und Ketanestnarkose sowie Medikamentendosierungslisten wurden dankend angenommen.

Wir hoffen in diesem Zusammenhang sehr, dass Kenneth Awah, dem Interplast derzeit ein Studium zur Ausbildung zum Anästhesisten finanziert, im nächsten Jahr nach Manyemen zurückkehrt!

Als besonderer Eindruck des diesjährigen Einsatzes bleibt, dass wir uns intensiv mit dem Ehepaar Thum, Dr. Neba und den  Pflegekräften des Hospitals um gemeinschaftliche Projekte und Problemlösungen kümmern konnten. Diese außerordentlich  gute Teamarbeit muss hier an dieser Stelle noch einmal besonders hervorgehoben werden und hat uns allen sehr viel Freude bereitet. So konnte auch für das Hospital über Markus Rapp, den Vertriebsspezialisten  der Firma Aesculap, der uns dieses Jahr begleitete, ein Dermatom und eine Meshgraftmaschine angeschafft werden, finanziell unterstützt von der Basler Mission 21.

Beim gemeinsamen Abschiedsabend bei ehrgreifendem mehrstimmigem Chorgesang des Frauenchors der PCC und selbstgebackenem Bauernbrot unseres genialen Kochs Tom beschlossen wir gemeinsam wegen der  seit Jahren länger werdenden Regenzeit den nächsten Einsatz im Januar / Februar 2015 zu planen. Dr. Neba regte an, dann auch eine Patientensichtung beim Zwischenstop in Kumba durchzuführen.

 

Danke Manyemen, wir freuen uns auf 2015!

 

Herzlichen Dank an

Dr. Neba, Klinikleiter  des Hospitals Kumba

Dres. Florentin und Leonie Thum, Äztliche Leiter, Hospital Manyemen

Sowie dem Staff des Hospitals

 

Danke unserem Team:

 

Andreas Rudolph, Chefarzt  Plastische- und Handchirurgie Schopfheim

Britt Joester,  Plastische Chirurgie Haagen

Ernst Eichel, Anästhesie St. Elisabethenkrankenhaus Lörrach

Wolfgang Bachbauer, Anästhesiepflege Kreiskrankenhaus Lörrach

Marita Steinebrunner, OP-Schwester Todtnau

Simone Möhrle, Anästhesie und OP –Pflege Lörrach

Markus Rapp, Vertriebsspezialist Firma Aesculap

 

Ein weiteres Danke schön an alle unsere Spender, ohne die diese Einsätze nicht möglich wären, sowie den Kliniken des Landkreises Lörrach, dem St. Elisabethenkrankenhaus und der Firma Aeskulap

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Sabine Hinterding, Anästhesistin St.Elisabethenkrankenhaus Lörrach