Report Interplast-Einsatz Sri Lanka Einsatzzeitraum 9.11. bis 22.11.2014

Dienstag, 13. Januar 2015

Sri Lanka – ein Wiederanfang

 

War in den neunziger Jahren Sri Lanka ein Ziel für eine Vielzahl von Interplasteinsätzen,

war das Projekt Anfang 2000 aus einer Vielzahl von Gründen zu Ende gekommen.

Durch Stefan Pappert ergaben sich jedoch neue Kontakte nach Sri Lanka, die es ermöglichten einen neuen Einsatz als Piloteinsatz im November 2014 durchzuführen.

Der erste Kontakt erfolgte über den langjährigen Leiter der BMW – Hauptniederlassung in Colombo. Heinz Reuter lebt schon seit vielen Jahren in Sri Lanka und ist mit den dortigen Verhältnissen bestens vertraut. Er ist dort Mitglied des Rotary-Clubs Colombo West.

Auf seine Initiative hin erklärte sich der Rotary-Club bereit, uns bei der Organisation eines erneuten Hilfsprojekts behilflich zu sein. Roshan Lyman, Mitarbeiter der Botschaft der Europäischen Union und ebenfalls Mitglied des Rotary-Club Colombo West , war im Endeffekt mein Ansprechpartner vor Ort.

Auch in Sri Lanka haben sich die Verhältnisse verändert. Colombo wandelt sich zunehmend von einer typisch asiatischen Stadt in eine weltoffene und moderne Metropole. Leider führt dies auch dazu, dass die bürokratischen Hürden, die vor Beginn eines Einsatzes zu beseitigen sind, ein enormes Ausmaß angenommen haben. Dies ist aber sicherlich auch Folge von negativen Erfahrungen in der Vergangenheit mit so genannten Hilfsprojekten.

Weder der Rotary-Club als auch wir waren mit diesen Neuerungen vertraut. War ein Problem gelöst, tat sich schnell ein weiteres Problem auf.

Zunächst musste ein geeignetes Krankenhaus gefunden werden. Da der Rotary-Club noch keine eigenen Erfahrungen mit Hilfsprojekten wie sie Interplast durchführt, vertraut war, waren sie der Ansicht, dass wir nur in einem Hospital arbeiten könnten, welches einen europäischen Standard aufweist. Die staatlichen Krankenhäuser kamen daher nicht in Frage.

Im Stadtrandgebiet von Colombo bot sich dann das neu gebaute private Krankenhaus Dr. Neville Fernando Teaching Hospital als Möglichkeit an. Dort war auch die Bereitschaft groß, ein solches Projekt durchzuführen. Die Kosten für die stationäre Behandlung wurden durch den Rotary-Club übernommen, die Kosten für die OP Nutzung, notwendigen Verbrauchsartikel wurden durch uns übernommen.

 

image1

Dr. Neville Fernando Teaching Hospital

 

Die nächste Hürde – Erlangung der vorübergehenden Zulassung als Arzt und als OP-Schwester – war dann jedoch für alle Seiten unberechenbar. Es galt nicht nur die Zustimmung des Gesundheitsministeriums zu bekommen, auch die Zulassung für uns als Ärzte durch den Medical Council war notwendig. Aufgrund unserer mangelnden Kenntnisse, welche Zeugnisse, beglaubigt oder nicht beglaubigt, vorzulegen waren, kam es zu erheblichen zeitlichen Schwierigkeiten. Dies führte dazu, dass wir letztendlich erst 2 Tage vor unserer Ankunft in Sri Lanka die Mitteilung erhielten, dass zwar unsere beglaubigten Zeugnisse vorlägen, aber noch eine beglaubigte Übersetzung ebenfalls erforderlich war. Roshan Lyman und ich waren kurz davor das Projekt zu stoppen. In einer Nacht- und Nebelaktion hat dann jedes Teammitglied mithilfe des Internets die Urkunden übersetzt, per Mail nach Sri Lanka übermittelt, die Beglaubigung erfolgte dann durch die Deutsche Botschaft in Colombo sehr unbürokratisch. Am Tag vor unsere Abreise erteilte dann sofort das Gesundheitsministerium Sri Lankas die Genehmigung. Das war freitags. Der Medical Council tagt aber immer nur mittwochs, so dass wir uns in den ersten Tagen nur auf das Screening von Patienten beschränken mussten.

Unsere Anreise erfolgte mit Emirates mit einem Zwischenstopp in Dubai. Von der Zentrale in Dubai hatten wir nach mehreren Anfragen ein großes Übergepäck genehmigt bekommen. Für über die genehmigte Gepäckszusage hinausgehendes Gepäck bekamen wir zusätzlich noch einen Sondertarif eingeräumt. Wie den meisten Teamleitern bekannt entwickelt sich das Übergepäck zunehmend zu einem erheblichen finanziellen Risiko.

 

image2

Das Team  im Eingangsbereich des Krankenhaus

 

Der Zoll in Colombo machte aufgrund der durch uns vorgelegten Papiere keine Probleme.

Abholung, Transport unseres Gepäcks als auch unsere Unterbringung vor Ort waren durch die Rotarier bestens organisiert. Wir waren in Appartements untergebracht mit der Möglichkeit, frühstücken zu können. Auch dies war vor Ort für uns alles organisiert. In unmittelbarer Nähe des Krankenhauses waren jedoch keine geeigneten Unterbringungsmöglichkeiten gegeben, so dass sich unser Appartementhaus in der Nähe des Zentrums von Colombo befand. Es waren nur 19 km, diese hatten es jedoch in sich. Für diese 19 km brauchten wir in der Regel 1 Stunde mit dem Auto. Dafür als „Entschädigung“ waren wir aber nur 500 m vom Meer entfernt.

Der Empfang durch die Rotarier war äußerst freundlich, die Rotarier versuchten, uns soweit es ging jeden Wunsch zu erfüllen. Des Öfteren waren wir auch abends eingeladen.

Auch im Krankenhaus wurden wir mit einer ausgesprochenen Freundlichkeit und Offenheit empfangen. Das Krankenhaus erfüllt in der Tat – speziell im OP Trakt – einen Standard wie wir Ihn auch bei uns vorfinden. Wie schon erwähnt konnten wir jedoch nicht gleich mit den Operationen anfangen, da wir noch auf die Zulassung der Ärztekammer von Sri Lanka warten mussten.

image3

Teaching Hospital

 

Aus diesem Grund konnten die Rotarier auch noch nicht in der gewohnten Weise Ankündigungen für die durch uns durchgeführten und angebotenen Operationen in den Medien vornehmen. In den ersten Tagen sahen wir daher viele Patienten, die z.T. schon voroperiert waren, die auch schon zu Ende behandelt waren, aber von uns als Ausländern gerne eine Bestätigung erhalten wollten, dass sie gut und korrekt durch die Kollegen vor Ort operiert worden waren. Wir bekamen daher einen guten Eindruck von den operativen Fähigkeiten unserer Kollegen. Was wir zu sehen bekamen, entsprach komplett unseren eigenen operativen Ansprüchen. Wie sich aber herausstellte, ist dies in erster Linie auf die Großregion Colombo beschränkt. Ich hatte während unseres Aufenthalts in Sri Lanka mehrfach die Möglichkeit, mich mit dem Präsidenten der plastischen Chirurgen Sri Lankas

Dr. Dulip Perera zu treffen und mit ihm mögliche weitere Projekte in Sri Lanka zu besprechen. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit fast allen Patienten eine entsprechende Behandlung von Verbrennungsfolgen als auch von Lippen Kiefer Gaumen Spalten anzubieten. Allerdings bestehen dann teilweise Wartezeiten von 3-5 Jahren, speziell für Patienten, die nicht aus dem Großraum Colombo kommen. Ich bin mit ihm übereingekommen, dass alle weiteren Projekte von Interplast in Sri Lanka nur in Kooperation mit den plastischen Chirurgen durchgeführt werden sollten. Dies gilt in besonderem Maße für die Auswahl der Krankenhäuser außerhalb von Colombo.

An unserem freien Wochenende hatte ich die Möglichkeit ins Tee Hochland nach Nuwara Eliya zu fahren und mir das Krankenhaus anzusehen, in dem ich selber 1994 meinen ersten Sri Lanka Einsatz durchführte. Das Krankenhaus ist zwar renoviert, das Dach der Stationen ist geschlossen, so dass keine Vögel mehr im Krankenhaus herumflogen, der ursprünglich OP ist unterteilt, insgesamt bestehen jedoch keine wesentlichen Veränderungen in diesem peripheren Krankenhaus. In diesem Gebiet – dem Tee Hochland – besteht offensichtlich nach wie vor ein großer Bedarf für Interplast. Diese Gebiete sind eben nach wie vor plastisch chirurgisch nur bedingt versorgt.

Nachdem wir unsere Zulassung dann im Laufe der ersten Woche unseres Aufenthalts erhalten hatten, konnten wir dann in üblicher Weise fortfahren und auch die entsprechenden operativen Versorgungen vornehmen. Das Spektrum, welches von uns abgearbeitet wurde, entspricht den für Interplast üblichen Operationen wie Lippen – Kiefer – Gaumenspalten, Folgen von Verbrennungen und auch Handverletzungen. Soweit wir in der Kürze der Zeit es selber kontrollieren konnten traten keine wesentlichen Komplikationen auf. Interessant war, dass sich von uns schon vor 15 Jahren operierte Patienten wieder vorstellten, damit noch Restkorrekturen vorgenommen werden konnten.

Nachdem unsere Zulassung vorlag, konnten auch entsprechende Ankündigungen in der Öffentlichkeit vorgenommen werden. So war z.B. durch die Rotarier eine große Pressekonferenz in Colombo organisiert, auch der Deutsche Botschafter war in diese Konferenz integriert. In der Folge kam es dann doch zu einer erfreulichen Zunahme der Patientenvorstellungen.

Interessant ist insgesamt die strukturelle Veränderung in Sri Lanka, selbst Medien wie das Internet z. B. hier ist facebook vorzuheben selbst auf dem Land heute eine Möglichkeit darstellt, Patienten zu informieren.

 

image4

Abschied im OP Flur

 

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass in den letzten 10 Jahren sich erhebliche strukturelle Verbesserungen in Sri Lanka ergeben haben, in ländlichen Regionen aber nach wie vor Bezirke mit einer Mangelversorgung vorhanden sind. In diesen Regionen sollten auch weitere Einsätze von Interplast in der Zukunft erfolgen. Es ist davon auszugehen, dass dies nur über einen begrenzten Zeitraum von wenigen Jahren notwendig ist. Danach wird Sri Lanka selber eine gute plastisch-chirurgische Abdeckung für die Bevölkerung gewährleisten können. Bis dahin werden wir versuchen – soweit gewünscht – diese Versorgungslücke zu schließen.