Jahresbericht 2015 der Sektion Vreden

Sonntag, 6. Dezember 2015

Jahresbericht 2015 der Sektion Vreden INTERPLAST-Germany e.V. Vreden, im November 2015

Liebe Interplast-Freunde der Sektion Vreden!

Vielleicht sind die Ströme von Menschen, die aus asiatischen und afrikanischen Ländern zur Zeit nach Europa drängen, nur ein Anfang. Sicher ist eines: wir, die wir im Wohlstand leben, müssen helfen, dass sich die Lebensbedingungen in den Herkunftsländern der Flüchtlinge ändern.

Vielleicht tragen unsere Aktivitäten, die wir dank Ihrer Unterstützung durchführen ein ganz klein wenig dazu bei. So möchte ich Ihnen berichten, was wir vom Vredener Interplast-Team in 2015 gemacht haben, darunter fünf Einsätze in vier Länder.

Ende Januar reiste mein langjähriger eritreischer Freund Dr. Haile zurück in seine Heimat, nachdem er sich von seinem operativen Eingriff erholt hatte. Und wir sahen ihn schon bald wieder: In den letzten beiden März-Wochen reisten wir zu viert – Julia Hofmann und ich als Plastische Chirurgen, Petra Wansing, OP-Schwester aus Borken und Paul Reinhold/Herford mit Wurzeln in Vreden, Anästhesist, zum 10.Mal nach Eritrea, um wieder im OP des Hammer Forums im Halibet-Hospital zahlreiche Querschnittsgelähmte der Eritreischen War-Disabled Assoc.an ihren Druck-Liege-Geschwüren zu operieren. Dr. Haile, Rezene, der Physiotherapeut der War-Disabled und das Pflegepersonal des Denden-Camps hatten wieder perfekte Vorarbeit geleistet, sodass wir in den 10 OP-Tagen das volle Pensum schafften. Bei allen OPs waren entweder Haile oder Desbele, ein Chirurg des Halibet-Hospitals, dabei: Training der heimischen Arzt-Kollegen ist eines unserer ständigen Ziele. Desgleichen Paul: obwohl das Anästhesie-Team des Halibet-Hospitals in den letzten Jahren uns immer perfekt zur Seite gestanden hat, wünschten die Kollegen “Teaching” durch einen erfahrenen deutschen Anästhesisten – eine Aufgabe, die in Paul ihren Meister fand. Die Fürsorge unserer eritreischen Freunde ist jedesmal aufs neue beeindruckend,ob bei Kaffee-Zeremonien, Ausflügen z.B. zum Roten Meer oder bei Abschieds-Essen. Danke Euch allen!

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Im Januar schon war Peter Schindelhauer, MKG-Chirurg unserer Sektion, als Interplastler integriert in ein Team des Hammer Forums im Jemen, in Taizz. Peter versorgte wieder über 20 Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten aller Schweregrade, er ist immer gern gesehen im Team des Hammer Forums, wie mir mein Freund Theo Emmanoulidis versichert.

Im März bereiteten seitens unserer Sektion Christine Schulze-Hillert und ich die große Jahreshauptversammlung unseres Gesamtvereins vor. Jahresfinanzabrechnung, die Herausgabe des Jahresheftes, Vorstandssitzung, Jahreshauptversammlung am Freitag und Gestaltung des Symposiums am Samstag verschlingen viel Zeit. Hauptreferent des Symposiums am Samstag, welches unter dem Leitthema “Interplast in Ländern des Islam” stand, war Dr. Martin Bauschke, Leiter des Berliner Büros Weltethos, der in seinem hervorragenden Referat uns Wesen und Eigenheiten des Islam näherbrachte. In der Hauptversammlung gab ich nach vier Jahren als Vorsitzender den Stab an Michael Schidelko, Bad Honnef, weiter.

Der dritte Einsatz der Sektion ging nach Uganda. Noch aus meiner Vorsitzenden-Zeit lag eine Anfrage einer ugandischen Frauen-Gruppe vor, und auch die Dresdener Interplast-Freunde waren angefragt worden. So machten Paul Reinhold( siehe Eritrea-Einsatz) und ich uns im Juli auf nach Uganda. Vier Krankenhäuser besuchten wir in 6 Tagen, haben auch operiert, Kontakte für die Dresdener vertieft und unsererseits Kooperation mit dem Missions-Krankenhaus in Kamuli vereinbart. Im Januar des Neuen Jahres wirds zum ersten größeren Operationseinsatz dorthin gehen.

Murunda, unser Dauer-Einsatz-Ort, war Ziel im September. Außer mir waren Hans-Jürgen Rapp, Anästhesist aus Frankfurt, Ulrich Keller, Medizin-Techniker und Thorsten Huhn, Installateur, dabei. Ziel waren Durchführungen spezieller Installationen für den OP, dessen Vollendung wir in diesen Wochen erwarten. Auch oblag es diesem Team, den Cargo-Transport, die per Luftfracht versandte OP-Einrichtung, in Kigali aus dem Zoll zu bekommen, was uns nach exakt eintägiger Arbeit gelang.

Und im November gings wieder nach Murunda – Hans-Jürgen Rapp, Thorsten Huhn, Pavol Stolfa, Silvia Geling, Sarah Rupprecht und ich – waren vom 31.10.-15.11. dort. 59 große Operationen bei 47 Patienten führte das gut eingespielte Team zusammen mit unseren afrikanischen Kollegen – noch im alten OP – durch. Bischof Alexis besuchte uns, um sich von den Fortschritten bei den letzten Arbeiten am neuen OP zu überzeugen. Die eintägige Pause zum Wochenende verbrachten wir am Kivusee, wo wir auf Einladung der Diözese im wunderschön gelegenen Home St.Jean der Caritas verwöhnt wurden. Eine dreistündige Bootsfahrt zu einer Insel im See krönte den Aufenthalt.

Schon Anfang des Jahres hatte die Stadt Vreden uns darauf hingewiesen, dass das Gebäude an der Straße “Up de Bockholt” im Sommer abgerissen würde. So mussten wir uns nach einem neuen Lager umsehen, welches uns nun Familie Bröcking aus Ammeloe zur Verfügung stellt. Ihnen, aber auch Herrn Hermann Gebing und der Stadt Vreden, die uns ebenso kostenlose Räumlichkeiten gewährt hatten, sagen wir Dank. Der Umzug ging an einem Tag über die Bühne dank tatkräftigen Zupackens vieler, auch schon der nächsten Generation.Danke auch dafür!Ein weiterer “Kraftakt” war die Versendung der OP-Einrichtung per Luftfracht nach Kigali/RW. Die Vredener Spedition Hermann Bussmann kam uns zu Hilfe: die nach und nach eintreffende OP-Einrichtung – verpackt in speziellen Transportkisten – konnten wir in ihrem Lager unterstellen. Ein vom Klinikum Herford zur Verfügung gestelltes Narkosegerät wurde vom Südlohner Unternehmen Gebrüder Robers spezialverpackt. Am 28.7. dann gingen 8 große Kisten auf den Weg nach Ruanda. Peter Böttcher, Spezialist derartiger Cargos, war aus Bayern angereist, um bei der Abwicklung des Transportes zu helfen, Fachleute der Fa. H.Bussmann waren es, die die fachgerechte Verladung vornahmen. Ein Kraftakt, aber so gingen Werte von 200.000,- € sicher auf den Weg.

Am 1.10.hatten der Landrat des Kreises Borken, Herr Dr. Kai Zwicker und Vredens Bürgermeister Dr.Christoph Holtwisch unser Team in den Gewölbekeller des Vredener Rathauses eingeladen. Bundespräsident Gauck hatte mir Ende Mai das Bundesverdienstkreuz verliehen, welches Herr Dr. Zwicker nun überreichte. Alle fanden es schön, dass die Feierstunde in Vreden stattfand, konnten so doch viele Vredener Interplast-Aktive dabeisein, ist die Ehrung doch ein Stück weit auch dem Team zu verdanken. Und auch Ihnen allen, die Sie durch Ihre Spenden all unser Tun erst ermöglichen.

In der ersten Februarhälfte, wahrscheinlich am 11.2.2016, wollen wir Ihnen über die Entwicklung unserer Projekte in den letzten Jahren berichten, bitte merken Sie diesen Termin schon vor.Ihnen und Ihren Familien sagen wir nochmals unseren herzlichen Dank, wünschen Ihnen eine entspannte vorweihnachtliche Zeit, ein Frohes Weihnachtsfest und Glück und Gesundheit für das kommende Jahr. Bleiben Sie uns bitte auch in 2016 verbunden! Einsätze in Uganda, Ruanda, Eritrea sind schon wieder fest geplant

Für das Vredener Interplast-Team Arnulf Lehmköster

Spendenkonto der Interplast-Sektion Vreden bei der Sparkasse Westmünsterland IBAN DE 16 4530 0051 1299 22

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