Interplast-Germany Einsatz im Mnazi Mmoja Hospital auf Sansibar im August 2013

Montag, 27. Januar 2014

Nach anstrengenden, aber sehr interessanten 10 OP-Tagen ist das Interplast-Team um Dr. Bauer von der Insel Sansibar nach Deutschland zurückgekehrt.

 

Es war der 2. Einsatz der Sektion Stuttgart / Münster auf der moslemischen „Gewürzinsel“ im Indischen Ozean, der auf Bitten der dort ansässigen NPO „Zanzibar Outreach Project“ (ZOP) und mit Unterstützung des dortigen Gesundheitsministeriums, des größten Krankenhauses vor Ort und der Fa. Henry Schein Inc. USA stattfand. Die Idee der einheimischen Organisatoren war ursprünglich dort durch Ausbildung einheimischer Ärzte eine beständige Möglichkeit für LKG-Spaltchirurgie und plastisch-rekonstruktiver Chirurgie zu etablieren.

Unser Einsatz begann am 24.August 2013 am Frankfurter Flughafen. Mit einem Zwischenstopp in Muscat erreichten wir  unser Ziel: die Hauptstadt von Sansibar Stone Town. Hier befand sich das uns vom letzten Jahr bereits gut bekannte Mnazi Mmoja Hospital.

 

Gleich am Tag unserer Ankunft richteten wir uns im Hospital ein. Wir wurden von den Krankenhausmitarbeitern, allen voran dem Chirurgen Dr. Ramadhan, der uns während des Einsatzes ein äußerst verlässlicher und nie müder Betreuer war, herzlich empfangen.

Im Krankenhaus herrschte reges Treiben, da die meisten Patienten dort von ihren Familienangehörigen versorgt und gepflegt werden. Das Eintreffen unseres Teams wurde von allen interessiert und aufmerksam beobachtet.

 

Am nächsten Tag begannen wir mit dem Screening, während Ilona und Tabea im äußerst spartanisch ausgestatteten OP-Saal (aber mit Blick auf den Indischen Ozean!) mit unseren mitgebrachten Geräten und Materialien wahre Wunder bewirkten. Die sehr freundlichen und hilfsbereiten Mitarbeiter des Hospitals unterstützten uns, die Sprachbarriere zwischen uns und den Einheimischen zu überwinden. In Sansibar spricht man Swahili und deswegen waren wir über die Hilfe sehr dankbar. Ich war sehr beeindruckt und überrascht, dass sich ein Großteil der Patienten mit seinen besten Anziehsachen für den Arztbesuch zurecht gemacht hatte. Dies zeigte uns, dass die Patienten sehr dankbar über unsere Anwesenheit waren, und welche Wertschätzung wir dort genossen.

Am Ende des Tages stand unser OP-Plan für die nächsten 10 Tage. Wir operierten an zwei Tischen gleichzeitig, um möglichst vielen Patienten zu helfen.

Schwerpunkte der Erkrankungen waren Verbrennungen, Handfehlbildungen, Ulcus cruris, Hypospadien, Urethrafisteln und Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten. Mit sehr großer Routine und mit noch größerer Bewunderung der örtlichen Mitarbeiter versorgte Jörg Seibold an einem Tisch die vielen männlichen Harnröhrendeformitäten, die uns entweder als angeborene Hypospadien oder als Folge der dort u. a. von Laien in der zweiten Lebenswoche  durchgeführten Beschneidungen vorgestellt wurden. Die Liste der urologischen Patienten war leider viel länger als unserer Anwesenheit und OP-Zeit.

Besondere Fälle waren zwei hochgestellte Würdenträger, die durch Säureattentate erhebliche Verletzungen an Gesicht und Hals erlitten hatten.

 

Eine Herausforderung waren die vielen Kinder- und Säuglingsnarkosen, die Herbert Bauer zusammen mit Schwester Tabea in gewohnter Ruhe und Routine unter gleichzeitiger Ausbildung des dortigen Anästhesiepersonals durchführen musste. Aber allen kleinen und großen Patienten konnte erfolgreich geholfen werde, wie uns Dr. Ramadhan, der die Nachsorge nach unserer Abreise übernommen hatte, per Fotos und e-mails bestätigte.

 

Nach den anstrengenden OP-Tagen gingen wir zur Visite auf die einzelnen Stationen, um nach unseren Patienten zu sehen, Verbände zu wechseln und an die tapferen Kleinen Süßigkeiten und Spielsachen zu verteilen.

 

Insgesamt wurden wir sowohl von einheimischen Kollegen, als auch Patienten und Angehörigen herzlich empfangen und unterstützt. In unseren Mittagspausen war für eine leckere Verpflegung gesorgt. Insgesamt herrschte die schon vom Vorjahr her bekannte sehr freundschaftliche Atmosphäre. Zum Abschluss wurden wir vom ärztlichen Leiter des Projekts Dr. Kassim Naufal und der Leitung des ZOP zu einem Meinungsaustausch bei einem überaus vielfältigen sansibarischen Nachtmahl eingeladen.

 

Die Zusammenarbeit lief sehr harmonisch ab und die dortigen Mitarbeiter waren sehr interessiert und sahen uns bei der Arbeit konzentriert zu, um ihre eigenen Fähigkeiten zu erweitern. Wie im Vorjahr wurde Schwester Ilona nicht müde dort ein Basiswissen der OP-Hygiene und des Instrumentenmanagements zu etablieren. Mit Erfolg!

 

 

Für mich war es eine unvergessliche und lehrreiche Erfahrung in meinem ersten Interplasteinsatz.

 

Sophia Sommer (Medizinstudentin)

 

 

Nachtrag der Sektionsleitung:

Herbert und Michael hatten das Projekt Sansibar bereits 2011 zusammen mit Dr. Naufal aus Sansibar und Marion Bergman aus New York mit Begeisterung vor Ort geplant. Unter Führung des HNO-Arztes Dr. Naufal sollte eine Ausbildung einheimischer Ärzte insbesondere in der Spaltchirurgie erfolgen. Damit sollte ein möglicher Weg beschritten werden um Sansibar und Tansania in der Versorgung der Spaltpatienten von der fast völligen Abhängigkeit von ausländischen Teams zu lösen. Die Ausbildung sollte absolute Priorität haben. Das Projekt war auf 5 Jahre befristet. Im ersten Einsatz wurden von uns viele Vorträge gehalten, am Patienten intensiv unterrichtet, den Kollegen assistiert und viel gespendetes Instrumentarium dorthin geschafft. Leider hat sich gezeigt, dass die dortigen Fallzahlen keine Ausbildung in der Spaltchirurgie zulassen. Somit wird sich unsere Sektion aus diesem Projekt zurückziehen. Eine Versorgung der dortigen Patienten ist jedoch durch ein seit mehreren Jahren dort regelmäßig operierendes Team von Interplast-Holland gesichert.

 

 

Teammitglieder

Dr. Herbert Bauer, Anästhesist und Teamleiter

Dr. Peter Pantlen, Plastischer Chirurg

Dr. Seibold, Urologe

Dr. Dr. Michael Bergermann, MKG-Chirurg

Ilona Eichenberger, OP-Schwester

Tabea Kerner, Anästhesieschwester

Sophia Sommer, Medizinstudentin

 

 

 

Fotos:

 

Foto 1: Team

Foto 2: Mnazi Mmoja Hospital Zanzibar

Foto 3: Ausbildung im OP

Foto 4: Sonnenuntergang in Stone Town

Foto 5: Machen wir Fortbildung oder gehen wir Schwimmen?