Interplast – Einsatzbericht des Pilotprojektes in Riberalta, Bolivien vom 21.März bis 5.April 2014

Montag, 1. Dezember 2014

Die Idee dieses Einsatzes entstand aus dem seit Jahren bestehenden Kontakt zwischen Interplast und dem bolivianischen Gesundheitsverein Prosalud. Nach einigen Überlegungen fiel die Wahl auf Riberalta als möglichen Standort für einen weiteren Einsatz.

Unser Team setzte sich zusammen aus Dr. Heinrich Wagener, Kiefer- und Gesichtschirurg aus Oldenburg, Dr. Kay Lipka, Anästhesist aus Lübeck, Kathrin Sojka, Op Schwester aus Bad Kreuznach, Dr. Katharina Kamm, Anästhesistin aus Lübeck, Dr. Stefan Wagener, angehender Kiefer- und Gesichtschirurg, Dr. Steffen Baumeister, Plastischer Chirurg aus Donaueschingen

Die Anreise war mit zwei Tagen und einer Übernachtung in Santa Cruz sehr lang.
In Santa Cruz stießen Frau Gloria Cruz, Direktorin von Prosalud und Dr. Luis Fernandez, ebenfalls Vorsitzender von Prosalud zu uns und begleiteten und unterstützten uns bis zum Ende unseres Einsatzes.

Riberalta selbst wirkte auf den ersten Blick sehr fröhlich. Es war tropisch warm und feucht, sehr üppig und grün. Der Hauptplatz des Ortes war ein schöner Park und gleichzeitig der soziale Treffpunkt Riberaltas. Nur zwei Seitenstraßen entfernt waren aber ganze Straßenzüge im Schlamm versunken, da es in den Wochen zuvor durch starke Regenfälle zu schlimmsten Überschwemmungen gekommen war.

Der Operationstrakt des Krankenhauses und die Station wurden erst letztes Jahr eröffnet. Von den zwei Operationssälen konnte einer von uns genutzt werden. Die Akquise der Patienten im Vorfeld des Einsatzes hatte funktioniert. Über 100 Patienten stellten sich vor. Bei vielen wurden oberflächliche Narben, Keloide und kleinere Tumore diagnostiziert. Syndaktylien an Händen und Füßen, akzessorische Gliedmaßen und Ohranhängsel gehörten ebenfalls zum Spektrum. Lippen-Kiefer-Gaumenspalten waren leider rar. Insgesamt konnten 75 Patienten an acht Arbeitstagen operiert werden. Darunter waren 15 Kinder bis zum Alter von fünf Jahren. Abwechslung in unser Op-Programm brachten zwei Kaiserschnitte und als Notfall ein junger Mann mit Gesichtsphlegmone, der ohne chirurgische Intervention sicher bald ein ernsthaftes Problem bekommen hätte.

Die Mitglieder des Rotary Clubs Riberalta kümmerten sich liebevoll und fürsorglich um unser leibliches Wohl. Die pflegerische und administrative Unterstützung war großartig. Chirurgisch wurden wir von Dr. Suarez unterstützt, dem vor Ort tätigen und sehr verantwortungsvollen Allgemeinchirurgen. Er übernahm auch die ärztliche Nachsorge.
Auch die Unterbringung war gut und das Hotel lag nur ca. zehn Minuten Fußweg vom Krankenhaus entfernt.

Leider traten auch Komplikationen auf. Am schwerwiegendsten war die Wundinfektion einer jungen Frau nach Kontrakturlösung in der Axilla. Klinisch zeigte sich eine Faziitis. Unter dreifach-Antibiose und sorgfältiger Wundbehandlung zeigte sich aber bald eine Besserung. Die Aspiration eines achtjährigen Jungen blieb zum Glück folgenlos. Eine weitere Infektion mit nachfolgendem Untergang der Spalthauttransplantate bei einem jungen Mann machte die Stimmung nicht besser. Letztendlich schien sich bei unserer Abreise aber alles zum Guten geregelt zu haben.

Fazit:
Riberalta ist sicher ein guter Ort, für einen weiteren Interplast-Einsatz. Das Krankenhaus, die ärztliche, pflegerische und administrative Unterstützung und vor allem die Zusammenarbeit mit Prosalud und dem Rotary Club ist überaus wertvoll. Die gesicherte Nachsorge, die tolle Verpflegung, die gute Unterkunft und vieles Andere machen es zu einem attraktiven und lohnenswerten Einsatzort.

Nachteilig ist sicher die lange Anfahrtszeit und dadurch wegfallende zeitliche Op-Kapazität und die höheren Kosten wegen der zusätzlichen Inlandflüge. Wünschenswert wäre für einen Folgeeinsatz mehr personelle Unterstützung. Des Weiteren müsste genauer geklärt werden, für welche Patienten es Bedarf gibt. Zielgerichtete Werbung und Bekanntmachungen im Vorfeld z.B. über die Medien könnten zur noch effektiveren Patientenakquise beitragen. Hilfreich wäre es gewesen, die spanische Sprache besser zu beherrschen.

Ein ganz großes „Danke!“ an Gunther Kranert, dafür dass er mich gefragt hat, ob ich dieses Projekt betreuen möchte und der es mir demnach auch zugetraut hat. Großen Dank auch an André Borsche und seine Sektion Bad Kreuznach, die den Einsatz unterstützt und möglich gemacht haben.
Ein großer Dank gilt auch der Firma Fresenius, dem katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift in Hamburg und dem Helios Agnes-Karll Krankenhaus in Bad Schwartau für ihre großzügigen Spenden für unser Projekt.
Und natürlich einen riesigen Dank meinem gesamten Team für eine gute und fröhliche Zusammenarbeit! Es hat viel Spaß gemacht!

Hasta luego,

Katharina Kamm