Interplast-Einsatz Santa Cruz 2016 in San Jose de los Chiquitos 14.3-24.3.2016

Donnerstag, 9. Juni 2016

Dr. M. Schwarz Plastischer, Allgemein und Handchirurg
Dr. D. Dunkelberg Anaesthesist
Dr. P Weisser Zahn Mund Kieferchirurg
Anke Windischmann Anaesthesie Sr
Saskia Noak OTA
Bastian Bonaventura OTA, Cand. Med.
El Chino, der Bürgermeister wird zur Partei.
Dies war der vierte Einsatz in Bolivien, der zweite in San Jose. Die Stadt liegt
im Chaco, dem Grenzgebiet zu Brasilien und Paraguay und gehört zum
Amazonasbecken. Dort ist es sehr schwül und heiß. Seine Besonderheiten sind
die Jesuitenmissionen aus dem Ende des 18ten Jahrhunderts und die größte
Ansiedlung der Mennoniten, einer evangelikalen Sekte aus Norddeutschland,
die ihren Lebenstil seit der Auswanderung im 18ten Jahrhundert bewahrt hat.
Keine Elektrizität, keine Gürtel oder Knöpfe, da dies an Militär erinnert. Sie
sprechen Plautdietsch, ein Dialekt, der für süddeutsche Ohren wie holländisch
klingt.


Bereits vor zwei Jahren beeindruckte der Bürgermeister durch seine sozialen
Ideen und Tatkraft. Nun ist er wiedergewählt und aus seinem Spitznamen El
Chino – der Chinese- wurde eine Partei. Chiquitania, Independentia, National
Organisation. Wie er es angekündigt hat ist der Krankenhausneubau fertig
und gut eingerichtet. Der OP ist renoviert, ein neues Narkosegerät
angeschafft, die Aufwachstation ist vorbildlich, die Schwestern sehr motiviert
und aufmerksam. Sie erkennen selbstständig, was zu tun ist und die
Wechselzeiten sind ungewöhnlich schnell. Als kleines Beispiel: die erste
Hernie wurde von uns auf der Eingriffseite rasiert, ab da waren alle Hernien
auf der Eingriffseite und nur da rasiert.
Verbesserungswürdig war das Screening. Die Ankündigung unseres Kommens
erfolgte zu spät und am ersten Tag waren nur 20 Patienten in der Liste.
Allerdings sprach sich dann unser Dasein schnell rum und täglich erschienen
mehr. So kam es trotz des anfangs schleppenden Screenings zu 64 Eingriffen
bei 55 Patienten. Ein Neugeborenes mit kompletter Lippen Kiefer Gaumen-
Spalte musste mit unter Geburtsgewicht (3000g) abgelehnt werden. Vor zwei
Jahren schaffte es die damals anwesende kubanische Kinderärztin mit Infusion
und Trinkorthese ein ähnlich gelagertes Kind bis zum Ende des Einsatzes
aufzupäppeln sodass es noch operiert werden konnte. Leider war sie nicht
mehr da. Auch das Umfeld hat sich verändert, die Mennoniten wirken
aufgeschlossener, man findet sogenannte Aussteiger, die sich normal kleiden
und sieht auch schon mal einen Traktor ohne die obligatorischen
Stahlschaufelräder. Beim Besuch in der Neuen Hoffnung (So nennen sie ihre
Siedlung) – es war ein Sonntag- waren Jugendliche auffällig, die offensichtlich
mit Vaters Kutsche eine Spritztour machten und auf dem Handy Video
schauten. Ein Telefonnetz gibt es aber nach wie vor nicht. Erstmals sprachen
sie auch auf deutsch mit uns.
Beim obligatorischen Empfang mit dem Bürgermeister sprach er von seiner
Vision der sozial/humanitären Verbesserung und was er noch erreichen
möchte. Der alte OP soll ergänzt werden bzw. neu hergerichtet und so
wünschte er sich unbedingt einen weiteren Einsatz in 2 Jahren. Wir gaben
unsere Ideen eines verbesserten Screenings weiter und die bessereKoordination mit den sozialen Institutionen der Stadt. Ein paar Tage später
sprach die Sozialdezernentin vor und am vorletzten Tag wurde ein Vertrag
angekündigt und in einem gemeinsamen Frühstuck am letzten Tag war der
ausgearbeitete Vertrag über eine zehnjährige Kooperation fertig.
Medienwirksam erfolgte die Unterschrift im Beisein des Staatsfernsehens.
Auch der Wirt unserer Unterkunft, der La Casona bekam so die hoch
verdiente Werbung seiner sehr sauberen Bleibe.
Zurück zur Medizin: bedingt durch die Osterfeiertage waren es nur 8
operative Einsatztage mit 64 Eingriffen bei 55 Patienten. Das waren 1600
Minuten OP-Zeit. insgesamt 27 männliche und 28 weibliche Patienten im Alter
von 5 Monaten bis 65 Jahren. Dies verteilt auf 51 Vollnarkosen und 4
Lokalanaesthesien. Das Gros der Eingriffe waren Narben und Leistenhernien
gefolgt von Hand und Ohr-Missbildungen sowie LKG und zuletzt
verbrennungsbedingten Kontrakturen. Für den neuen OP brachten wir einen
Monitor mit und möchten hier noch einmal Gustavo Alba Lopez und der Firma
GE für das Entgegenkommen beim Preis danken. Dirk Dunkelberg fand an der
Anaesthesistin eine so interessierte Schülerin, dass er ihr spontan einen
Perfusor schenkte. Das Hospital ist nun bis auf die Kapnometrie gut
ausgestattet. Die Kapnometrie versprach der Bürgermeister beizusteuern. Ein
rund herum gelungener Einsatz, der hoffentlich weiter Früchte trägt.