Interplast-Einsatz Puma 14.10.-22.10.2016

Samstag, 12. November 2016

Schon oft habe ich im Rahmen der letzten Jahrestreffen von den Interplast-Einsätzen in Puma gehört. Dieses Mal konnte ich dann selbst dabei sein. Reinhold Stricker aus Wittlingen hatte sich das zuletzt aufkommende Thema der geringen Fluktuation und dem damit fehlendem Nachwuchs in den Teams zu Herzen genommen und mich so als zweiten Anästhesisten/Anästhesiepfleger mitgenommen. Dafür nochmals vielen Dank.
Nach dem korrekten ausfüllen, kopieren, beglaubigen und verschicken von etlichen Einreiseformularen konnte nun die richtige Planung losgehen. Was brauchen wir alles? Was ist schon da und was nehmen wir mit? Glücklicherweise konnte uns eine Auflistung des letzten Puma-Teams weiterhelfen und demnach schien das Meiste schon vor Ort zu sein. Aber wie der gewissenhafte Anästhesist so ist, zur Sicherheit doch mal von allem ein bisschen mehr einpacken, man weiß ja nie…. dazu später mehr…


Der Großteil des Teams traf sich am Freitag den 14.10. am Frankfurter Flughafen. Mit an Bord waren die Teamleiterin und Gynäkologin Anita Gharibian, Monika Reichenbach als OP-Schwester, Zahnarzt Jürgen Meyer Oswald, Reinhold Stricker und ich als Anästhesisten. Chirurgin Miriam Hertwig und Gynäkologe Hans-Jürgen Kaszuba sollten später in Tansania zum Team dazu stoßen.
Nachdem mitten in der Abflughalle alle Medikamente, Spritzen, Tupfer, Haken, Skalpelle und was sonst noch alles unter einer dicken und blickdichten Schutzschicht aus Unterwäsche auf die verschiedenen Taschen und Koffer verteilt worden waren, begann eine glücklicherweise ereignislose Flugreise zum Kilimanjaro-Airport. Hier wurde es dann wieder spannend, da der Zollbeamte doch sehr an den Dingen unter den Wäschestücken interessiert war und zudem eine unserer Taschen es wohl nicht weiter als bis nach Amsterdam geschafft hatte. Während also der anästhesiologische Teil des Teams zwei Tage in einem flughafennahem Hotel auf das verlorene Gepäckstück wartete, reiste der Hauptteil mit Bruder Joseph im missionseigenem Bus schon mal in Richtung Dareda, um dort die Nacht zu verbringen und um die ersten Patienten zu untersuchen.
In Puma angekommen, konnten wir dann endlich am Sonntag gemeinsam mit der Bestandsaufnahme und Bestückung der OP- und Lagerräume im Queen Of Universe Hospital beginnen. Am Montag starteten wir dann unseren OP-Betrieb. Das Spektrum umfasste gynäkologische Eingriffe, von Abrasiones, über Adnektomien bis hin zu Hysterektomien. Leider war die OP-Auslastung mit insgesamt 19 Patientinnen in zehn Arbeitstagen nicht wie erwartet. Mehr zu tun gab es dagegen in der gynäkologischen Ambulanz. Hier warteten schon am frühen Morgen viele Frauen aus der ganzen Region auf Beratung und Hilfe. Insgesamt wurden 138 Patientinnen ambulant versorgt. Auch in der angeschlossenen, gut ausgerüsteten Zahnarztpraxis war der Andrang groß. Nachdem technische Zahnarztstuhlprobleme fachmännisch beseitigt wurden, konnte Zahnarzt Jürgen insgesamt 132 Patienten erfolgreich behandeln.

Aufgrund des geringen Operationsaufkommens hatten wir als Anästhesisten die Möglichkeit, den einheimischen Kollegen im Nachbar-OP zur Seite zu stehen. Unter der Leitung von Martin Krajewski aus Ibbenbüren, der schon seit Januar als Unfallchirurg in Puma lebt und arbeitet, wurden hier täglich die kleineren und größeren Blessuren der örtlichen Fußballspieler und Mopedfahrer versorgt.

Auch das Freizeitprogramm nach getaner Arbeit waren neben der tollen Gastfreundschaft und Verpflegung immer wieder ein erfreulicher Ausgleich. Nach dem fast täglichen Besuch im örtlichen „Pub“ bei Mr. Wawa, saßen wir abends oft noch lange mit dem gesamten Team bei einem kühlen Getränk beisammen. Dank ”Hotspot-Miriam” war auch regelmäßiger Kontakt mit der Heimat kein Problem mehr. Einen Ausflug auf den Markt in Singida, zum nahen Salzsee und der abschließende Besuch im Tarangire Nationalpark rundeten den Einsatz wunderbar ab.

Ein großes Anliegen des gesamten Teams war es, Ordnung in die verschiedenen kleineren und größeren Lagerräume zu bringen. Mit dieser Aufgabe verbrachten wir fast eineinhalb Tage.

Insgesamt war es aber ein schöner und erfolgreicher Einsatz. Die Harmonie im Team war super, wir konnten vielen Menschen helfen und hatten stets Freude dabei. Ich kann auf zwei sehr interessante und schöne Wochen zurückblicken, die ich nicht missen möchte.
Marc Krämer