Herbsteinsatz 2013, Murunda/Rwanda, 19.11.-03.12.2013

Dienstag, 10. Dezember 2013

Interplast-Germany e.V. Sektion Vreden

 

Herbsteinsatz 2013, Murunda/Rwanda, 19.11.-03.12.2013

 

Zum 11. Mal gings in diesem Herbst zu einem Einsatz der Sektion Vreden  nach Ruanda, zum 8.Mal nach Murunda.

 

Teilnehmer: Silvia Geling, Vreden, Op-Schwester, Dr.Pavol Stolfa, Ahaus, Assistenzarzt Plastische Chirurgie, Prof.Dr.Paul Reinhold, Herford, Anästhesist, Dr.Hans-Jürgen Rapp, Heidelberg, Anästhesist, Thorsten Huhn, Vreden, Handwerker und Op-Helfer, Dr.Arnulf Lehmköster, Vreden, Plastischer Chirurg und Teamleiter. Begleitet wurden wir von einem zweiköpfigen Journalisten-Team des WDR-Landesstudios Münster, dem Ehepaar Karin und Peter Wejdling.

Thorsten hatte die Anreise nach Brüssel wieder perfekt organisiert, das Vredener Taxiunternehmen Kemper einen Kleinbus zur Verfügung gestellt.

Der Abflug in Brüssel verzögerte sich, da die Cokpit-Basatzung streikte. Ausgerechnet unser Flug fiel aus! So trafen wir erst nach Mitternacht mit TürkischAir in Kigali ein. Zum ersten Mal war kein Mensch des Murunda-Hospitals am Flughafen, um uns abzuholen. Gut, dass mein alter Ruanda-Freund Prof.Bernd Tenckhoff gerade in Kigali war und den Transport ins Amani(Suaheli; „Frieden“)-Gästehaus organisiserte.

 

Am nächsten Morgen waren die beiden Wagen aus Murunda zur Stelle, unser 8-köpfiges Team nebst 20 großen Gepäckstücken trafen so 5 Stunden später in Murunda ein. Unser vor 3 Jahren errichtetes Gästehaus war hergerichtet und schon am späten Nachmittag begann die Sprechstunde.

Die Patienten-Vorauswahl war sehr gut, fast ausschließlich von uns zu operierende Patienten wurden uns vorgestellt. Dr.Espoir(„Hoffnung“)erwies sich nicht nur in der Vorbereitung unseres Einsatzes, sondern auch während der gesamten Zeit als junger, stets anwesender, hilfreicher, wiss-und lernbegieriger Kollege. Hoffentlich ist er der vom Gesundheitsministerium zugesagte langfristig in der Chirurgie verweilende Kollege. Der stetige Wechsel des Personals auf allen Ebenen lässt uns immer wieder größtenteils sehr nette, aber eben auch unerfahrene neue Leute kennenlernen. Es bedurfte meines energischen Einsatzes, um den Op-Leiter Emmanuelle an seiner angestammten Stelle belassen zu sehen, ist er für mich bis heute Garant, dass unsere dort belassenen, teuren und technisch hochwertigen chirurgischen Geräte bis jetzt unversehrt und intakt sind. Eine neue Op-Schwester, neue Kräfte in der Anästhesie galt es einzuarbeiten. Dank der perfekten Vorauswahl konnten 34 Patienten an den uns zur Verfügung stehenden 8 Op-Tagen operiert werden. 39 Operationen führten wir durch: Muskellappenplastiken bei Druck-Liege-Geschwüren Querschnittsgelähmter, Operationen bei chronischen Knochenentzündungen, Beseitigung von durch Narben bedingten Einschränkungen der Beweglichkeiten von Händen, Armen und Beinen bei Patienten mit schweren Verbrennungsnarben mittels Hauttransplantationen, Behandlung chronischer Defektwunden ebenfalls durch Hauttransplantate.

 

Am freien Wochenende war der Besuch der größten Berggorillafamilie im Vulcano-Nationalpark der Höhepunkt. 750 US-$ kostet der Eintritt. Das Geld aber ist gut investiert: die permanente Bewachung der Gorillas und damit ihr Schutz vor Wilderern in der Unruheregion zum Kongo hat in den letzten Jahren zu einem steten Anstieg ihrer Population geführt.

 

Auf dem Weg dorthin gab es aber noch wichtiges zu tun, nämlich eine erste Rate des vom Referat „Weltkirche“ des Bistums Münster unter Leitung von Herrn Weihbischof Dr.Zekorn

für den Bau des Chirurgie-Gebäudes zur Verfügung gestellten Geldes an Herrn Bischof Alexis der Diözese Nyundo zu übergeben. Er zeigte sich dankbar und hocherfreut. Eine Gruppe ruandische Tänzerinnen und Tänzer brachten Freude und Dank musikalisch, künstlerisch, fast akrobatisch zum Ausdruck.

Auch die Priester der Pfarrei – unser Gästehaus steht neben dem Pfarrhaus – hatten gewechselt. Nicht jedoch „unser“ Koch Francois, der in seiner einfachen Küche stets perfektes Essen für uns zubereitete und uns mit Früchten des Landes verwöhnte.

 

So läuft also alles perfekt in Murunda? Nicht ganz. Vieles entwickelt sich positiv. Noch nie war die Patienten-Vorauswahl so gut wie bei diesem Einsatz, noch nie zuvor war ein einheimischer Arzt tatsächlich ständig mit uns zusammen.

Für das Projekt – Errichtung eines Chirurgie-Gebäudes durch die Diözese Nyundo bzw. den ruandischen Staat, Einrichtung des OP durch die Sektion Vreden von Interplast-Germany – ist es sicher nicht gut, wenn die ärztlichen Leiter des Krankenhauses Murunda häufig wechseln. In den nicht einmal vier Jahren des Projektes lernte ich mit Dr.Eugene den bereits dritten Ärztlichen Direktor kennen. Ob er mit seinen 31 Jahren der Aufgabe wirklich gewachsen ist? In vielem konnte ich ihm guten Rat aus meiner längjährigen Tätigkeit als Chefarzt und Ärztlicher Direktor geben – ob er ihn umsetzt?

Dr.Eugene bedankte sich bei unserem Team mit einer Party, an der ein großer Teil des Personals des Krankenhauses teilnahm.

Der Geldfluss für den Neubau des Chirurgiegebäudes stockt auf ruandischer Seite. So leistet das Bistum Münster inzwischen entscheidende Hilfe.

 

Auf dem Rückweg nach Kigali besuchten wir meinen Freund Father Patrick und das Caritas-Gästehaus in Kibuye. Wieder wurden wir mit wunderbarem Essen und herrlichen Ausblicken auf den Kivu-See verwöhnt.

 

In Kigali traf ich Tuyi wieder. Sie war vor fast 10 Jahren mein Schlüssel zu Ruanda: nachdem wir ihre extrem schweren Verbrennungskontrakturen 1 Jahr lang im Vredener Krankenhaus operiert hatten, brachten Silvia Geling und ich sie seinerzeit zurück in ihre Heimat. Sie ist inzwischen ein 17-jähriger Teenager, geht dank der Hilfe ihrer Ottensteiner Gastfamilie Emming zur weiterführenden Schule und strebt das Abitur an. Jeder, der weiß, welches Schicksal sie hinter sich hat, kann sich nur freuen über diese Entwicklung.

Am Montagabend ging unser Flug zurück, sodass das Programm dieses Tages immer eng gestrickt ist. Am Morgen Besuch der Genozid-Memorial-Kirche in Ntarama, Besuch beim deutschen Botschafter Herrn Fahrenholz, Marktbesuch, um einige Souveniers zu kaufen.

 

An die winterlichen Temperaturen hier werden wir uns erst wieder gewöhnen müssen, waren es doch angenehme 25 ° im Durchschnitt in Ruanda.

 

Konstanz in der personellen Besetzung der wichtigen Schlüsselpositionen und rasche Fertigstellung des Chirurgiegebäudes – das wünschen wir „unserem“ Buschkrankenhaus in Murunda.