Einsatzbericht Sittwe (Myanmar) 12.02. bis 27.02.2016

Dienstag, 24. Mai 2016

Bereits zum fünften mal fuhr ein Team in die im Rhakine State im Norden Myanmars abseits aller Touristenströme gelegene Hafenstadt Sittwe, um im dortigen General Hospital das uns allen bekannte Spektrum an plastisch-rekonstruktiven Eingriffen einer dort bereits wartenden und erneut nicht zu bewältigenden Anzahl von Patienten anzubieten. Auf mehrmals vorgetragenen Wunsch der Gesundheitsbehörden hin fuhr in diesem Einsatz ein sehr erfahrenes allgemeinchirurgisch tätiges Team zur Behandlung der dort offensichtlich endemischen und nicht vor Ort zu therapierenden massiven Strumen mit.

Der im „Auftrag“ der Sektion München erfolgte Einsatz wurde von Mitgliedern der Sektionen Stuttgart-Münster, Südbayern, Baden-Baden / Rastatt, Bad Kreuznach und München in einer sehr guten Mischung aus „alten Hasen“, „Neueinsteigern“ und einem Münchener Medizinstudenten durchgeführt. In der Teamleitung vertrat Michael Bergermann den dieses mal verhinderten Caius Radu. Der Einsatz wäre ohne die organisatorische Unterstützung des in Myanmar lebenden Oliver Esser und seiner Frau Khet-Khet weder planbar noch in so erfolgreicher Form durchführbar gewesen. Die Finanzierung des Einsatzes teilte sich der Hauptverein und die Sektionen, München, Südbayern und Stuttgart-Münster.

Noch ein paar Kilos zu viel…

Noch ein paar Kilos zu viel…

Die Patienten wurden wie bei den vorherigen Einsätzen von buddhistischen Mönchen im weiten Umland bereits entsprechend den von uns zu versorgenden Krankheitsbildern sehr genau vorselektiert, nach Sittwe gebracht und zusammen mit ihren Familien in einem großen Kloster in Sittwe untergebracht und verpflegt. Dort fanden, wie bei den früheren Einsätzen, in Zusammenarbeit mit den Mönchen, einheimischen Pflegekräften und Dolmetschern die Sichtung der Neupatienten und die Nachbetreuung der nicht mehr stationär geführten Patienten statt.

Im Sittwe General Hospital wurden wir vom Leiter der HNO-Abteilung und den Mitarbeitern seiner Abteilung bestens unterstützt. Er stellte uns 3 OP-Tische, seine Station und sein Stationspersonal für 10 OP-Tage zur Verfügung und war selber stets präsent. Die vor Ort zur Verfügung stehenden Geräte waren uns von den früheren Einsätzen in etwa bekannt und mussten durch einige mitgebrachte Geräte ergänzt werden. Sämtliche Medikamente, Instrumente und Verbrauchsmaterialien wurden von uns mitgebracht, was logistisch eine Herausforderung war, die aber in Zusammenarbeit mit der Thai-Airways, vielen Sponsoren und Helfern (z. B. des Evangelischen Krankenhauses Hamm) sowie mit einer endlosen Anzahl von Emails fast ohne Material- und Transportkosten gelöst werden konnte.

Die ins Kloster einbestellten Patienten

Die ins Kloster einbestellten Patienten

Lagebesprechung am ersten OP-Tag

Lagebesprechung am ersten OP-Tag

Nach über 24stündiger Anreise wurden wir direkt vom Flughafen in das benachbarte Kloster gebracht, wo ca. 300 Patienten in einer großen Gebetshalle in drei Gruppen vorselektiert nach Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, Verbrennungen / Missbildungen / Tumoren und Strumen am dem Boden hockend bereits geduldig auf uns warteten. Nach einer kurzen Begrüßungszeremonie ging es für die Operateure und Anästhesisten bis zum späten Abend ans Screening der Patienten, während der andere Teil des Teams die OP-Räume und das Materiallager im Krankenhaus einrichteten. Die „alten Hasen“ profitierten dabei von der Kenntnis der Örtlichkeiten, des Ablaufs und von den vielen anwesenden Helfer. Beeindruckend war die stets präsente und in freundlichster Form vorgetragene Hilfsbereitschaft der örtlichen Helfer.

Am folgenden Tag ging es ohne Verzögerungen an den drei OP-Tischen mit einem jeweils tagfüllenden Programm los. Neu war der „Schilddrüsensaal“, in dem Thomas Müller mit der Unterstützung von Sibylle Leutze und interessierten einheimischen

Das sollen wir heute schaffen?

Das sollen wir heute schaffen?

Kräften eine monströse Struma nach der anderen operierte. An den beiden anderen Tischen wurden die für Interplasteinsätze typischen Eingriffe durchgeführt, wobei auch in diesem Jahr mit 50 operierten Patienten einer der Schwerpunkte in der Spaltchirurgie lag.

Insgesamt konnten wir unter maximaler Ausnutzung der OP-Kapazitäten 123 Patienten an neuneinhalb OP-Tagen operieren.

 

Erfreulicherweise blieben den Patienten und uns auch bei diesem Einsatz die Patienten gefährdende oder das Operationsergebnis beeinträchtigende Komplikationen erspart. Die nach unsere Abreise in wenigen Fällen noch erforderliche Nachsorge der von uns operierten Patienten war durch den HNO-Arzt und die Allgemeinchirurgen des Hauses gesichert und war auch schon in den Vorjahren problemlos verlaufen. Der Wunsch der Behörden, der Krankenhausverwaltung, der Ärzte, der Mönche und letztendlich auch der sich in unserer Umgebung befindlichen Einwohner Sittwes Interplasteinsätze dort auch in Zukunft durchzuführen wurde uns im Laufe des Einsatzes oft vorgetragen. Sehr gerne würden wir diesen Wunsch erfüllen.

Geduldig wartende Patienten

Geduldig wartende Patienten

Die Bedeutung des Engagements von Interplast-Germany für die Regierung des Bundesstaates Rhakine State wurde uns durch das mehrmalige Erscheinen des Ministerpräsidenten bewusst.

Unsere Gruppe war vom ersten Tag an ein Team, das ausnahmslos sehr gut harmonierte. Alle gingen Tag für Tag mit Freude ans Werk. Damit der Tagesablauf zwischen Unterkunft, Krankenhaus, Kloster und Restaurant nicht zu monoton wurde, gönnten wir uns am arbeitsfreien Sonntag einen Bootsauslflug in die 4 Stunden entfernt liegende historische Stadt Mrauk U (mit dem Boot des Ministerpräsidenten!) und einen gemeinsamen Abschiedstag in der Metropole Yangon mit Besichtigung der berühmten Shwedagon Pagode.

Danken möchte ich an dieser Stelle allen Teammitgliedern für ihr selbstloses Engagement und die erreichte Qualität der Versorgung. Der Dank geht auch an Oliver und Khet-Khet, die uns sehr viele Aufgaben und Behördenkontakte abgenommen haben. Und last but not least danke ich den Mönchen des Klosters, dem einheimischen Personal, Dr. Heinz Schöneich als spiritus rector des Einsatzes und den Eltern und Angehörigen der Patienten, ohne die dieser Einsatz nicht möglich gewesen wäre.

Das Team

Das Team

Teammitglieder:

Herbert Bauer (Anästhesist)

Judith Bergermann (Anästhesistin)

Michael Bergermann (MKG-Chirurg, Teamleiter)

Dirk Bierawski (Anästhesiepfleger)

Dirk Dunkelberg (Anästhesist)

Sibylle Leutze (OP-Schwester)

Thomas Müller (Viszeralchirurg)

Andreas Schmidt (Plastischer Chirurg)

Gerry Schmidt (OP-Schwester)

Janis Raphael Thamm (Medizinstudent)

Tobias Vollkommer (MKG-Chirurg)

Zudem war Cornelia Bergermann für organisatorische Dinge mit an Bord.
Mai 2016 Michael Bergermann

Welver

Geduldig wartende Patienten

Geduldig wartende Patienten

Unsere Angebot zur Ausbildung wurde gerne angenommen

Unsere Angebot zur Ausbildung wurde gerne angenommen

So ein Arbeitstag schafft einen

So ein Arbeitstag schafft einen

Kollegen unter sich

Kollegen unter sich

Ein langer Weg: vor den OPs

Ein langer Weg: vor den OPs

Ein langer Weg: nach 2 Jahren

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