Einsatzbericht Sektion Vreden – Mission Hospital Kamuli / Uganda 09.09.-23.09.2017

Donnerstag, 2. November 2017

 

 

Teilnehmer:

OP-Pflege: Silvia Struffert-Palmer (Coesfeld)

Anästhesie: PD. Dr. Kerstin Röhm (Ludwigshafen)

Matthias Matenaer (Ludwigshafen)

Chirurgie: Dr. Wolfgang Payne (Birmingham / England)

Dr. Christiane Aschoff (Coesfeld)

Dr. Friedrich Krings (Coesfeld)

 

Getriggert durch den letztjährigen Ersteinsatz mit Arnulf Lehmköster am Kamuli Mission Hospital, verlangte unsere nicht abgearbeitete „Kropfliste“ die diesjährige Fortsetzung. Mit Brüssel-Air flogen wir mit Sack und Pack nach Entebbe, wo uns der Fahrer des Krankenhauses mit dem Bus bereits erwartete. Die nächtliche Anreise endete 5 Stunden später am gewohnten Guesthouse gegen 3 Uhr nachts, so dass wir uns 5 Stunden später auf die Sichtung der Patienten freuen konnten. Nach den üblichen Radioaufrufen waren wohl über 500 Patienten durch die Kollegen des Kamuli Mission Hospitals gesichtet worden. Für uns einbestellt waren „nur“ 120 Patienten, die in Augenschein zu nehmen waren. Mit über 70 Strumen waren diese neben Hernien und Verbrennungskontrakturen die stärkste Diagnose-Gruppe.

Angereist waren wir in der Hoffnung, uns in den Vormittagsstunden mit Schilddrüsenchirurgie zu beschäftigen und nachmittags um Verbrennungskontrakturen etc. kümmern zu können. Auf Grund der überdimensional großen Nachfrage nach Schilddrüsenoperationen, waren Patienten mit plastischchirurgischen Problemen leider nur in geringerem Umfang durch die erste Selektion gekommen. Dank der Mitarbeit des Chirurgen Dr. Moses Baliraine und Magret Muwanse, einer dortigen bereits im vergangenen Jahr engagierten Studentin, lief die Sichtung der Patienten sehr zügig und so konnten wir ein anspruchsvolles OP-Programm der nächsten zwei Wochen zusammenstellen. Frustrierend waren natürlich das Zurückweisen der Patienten und das Vertrösten auf den kommenden Einsatz. Parallel zu unserer Tätigkeit richtete Silvia und Mattias den zwischenzeitlich durch die Sektion renovierten OP unseren Bedürfnissen entsprechend ein. Der Oxigenator und das Narkosegerät wurden aus dem Dornröschenschlaf reaktiviert, die Instrumente sterilisiert. Dank der Firma Erbe konnten wir ein neues HF-Gerät dem Krankenhaus übergeben und dann am Montag dem ersten OP-Tag in Funktion bringen. Die Zusammenarbeit mit Rose der leitenden Chirurgie-Schwester war perfekt und der erste OP-Tag begann zügig um 8 Uhr. Eine feste Strukturvorgabe mit der entsprechenden Absprache hat sehr gut funktioniert. Während der 9 OP-Tage konnten wir letztlich 26 Strumen, 3 Hernien und 16 plastisch chirurgische Fälle versorgen.

 

 

Ein besonderes Lob möchte ich an dieser Stelle unserer Anästhesistin aussprechen, welche komplett pragmatisch auch die größte Struma oder das kleinste Kind mit Lippenspalte intubiert und versorgt hat, trotz täglichen Stromausfällen und Sauerstoffproblemen. Am Wochenende zwischen den Arbeitswochen luden wir die Mitarbeiter zu einer Bootstour auf dem Viktoriasee ein, die mit Begeisterung angenommen wurde – einige hatten die Nilquelle noch nie gesehen – und die deutsch-ugandischen Kooperation eng zusammenwachsen ließ. In der Retrospektive hat uns die gute Zusammenarbeit sehr gefallen und glücklich hat uns die Assistenz von 6 Schilddrüsenoperationen für Dr. Moses Baliraine gemacht, welcher das Potential zu einem sehr guten Chirurg hat. Seitens der Anästhesie hat auch ein entsprechendes „teaching“ stattgefunden, wobei zwei Wochen zwar einer dort allein agierenden Anästhesie-Schwester zu Intubationen und Einblicke in moderne Anästhesie verhalfen, eine Narkose jedoch nicht eigenverantwortlich in dieser kurzen Zeit erlernbar ist. Insofern musste leider am Abreisetag das Narkosegerät wieder in den Dornröschenschlaf versetzt werden.