Einsatzbericht Puma

Samstag, 20. Juli 2013

Eindrücke eines Einsatzes mit Interplast Germany in Puma/ Tansania 17.-31.3.2012
Von Dr. Hans-Jürgen Kaszuba / München

Im Februar dieses Jahres fragte mich meine langjährig befreundet Kollegin Dr. Anita Gharibian ob ich Interesse an einem gemeinsam gynäkologischen Einsatz in Tansania hätte. Nach mittlerweile mehr als dreißigjähriger Tätigkeit in deutschen Kliniken, erschien mir dieses Unterfangen doch sehr reizvoll. Nach Rücksprache mit meinem Abteilungsleiter und Arbeitgeber wurde unbezahlter Urlaub gewährt und ich sagte umgehend zu, den Abflug nach Arusha kaum erwartend. Die kleine Gruppe von sechs Personen aus der Schweiz, dem Raum Freiburg/Br. traf sich zum gemeinsamen Abflug in Amsterdam.

In meinen Augen als äußerst hilfreich war eine Rundmail, der in Puma arbeitenden plastischen Chirurgin Dr. U. v.d. Merve, die auf im Hospital dringend benötigte Materialien hinwies, z.B. sterile Op-Handschuhe, Op-Kittel, Hautdesinfektionsmittel. Soweit in der Kürze der Zeit möglich, wurden diese besorgt und mitgenommen., insgesamt 35 kg medizinisches Material, wie sich später herausstellte dringend benötigt.

In Arusha wurden wir von einem Jeep mit Pater Bruno als Fahrer abgeholt. Im Vergleich zu Berichten vorausgegangener Teams ist die Straße nach Puma Dank chinesischer „Hilfe“ jetzt fast durchgehend asphaltiert und gut befahrbar. Noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichten wir die Mission Dareda. Der Empfang, den uns die singenden Kinder dort boten war sehr emotional, fast tränen rührend. Nach dem Abendessen saß die kleine Gruppe bei Kerzenschein zusammen und Dr. Anita erläuterte einen groben „Fahrplan“ für den nächsten Tag.

Am nächsten Tag, ein Sonntag, stand ein Besuch beim Gottesdienst auf dem Programm. Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt und der vielstimmige Chor ein beeindruckendes Erlebnis. Persönlich wurden wir vom Pfarrer nach der Messe begrüßt. Nach dem Frühstück wurden einige Patienten angeschaut und nach kurzem Rundgang durch das kleine Hospital brachen wir zur Weiterreise nach Puma auf. Entlang des östlichen Riftvalley zeigt sich eine beeindruckende Landschaft.Wie zuvor angekündigt ist ein Kurzstop in der Mission Gehandu geplant, Medikamente sollen abgeliefert, weiterhin ein Mittagessen eingenommen werden. Auch hier wieder ein herzlicher Empfang durch singende Kinder. Als wir nach dem Essen wieder aus dem Missionshaus hinaustraten hatte sich zwischenzeitlich eine größere Gruppe von Frauen vor der Ambulanz eingefunden, ich fragte „ was ist denn hier los?“, Anita meinte, es hat sich herumgesprochen, dass wir hier sind und alle wollen angeschaut werden. Nach kurzer Diskussion, teilten wir uns in zwei Räumen auf und begannen unsere Arbeit. Es ist festzuhalten, dass sich der gesamte Untersuchungsablauf pro Patient ohne Instrumente und schwieriger Übersetzung langwierig gestaltete, trotzdem gelang es uns ca. zwanzig Frauen in kurzer Zeit anzuschauen, Einige wurden nach Puma bestellt. Die Zeit war natürlich vorangeschritten und der Fahrer , sowie die restlichen Gruppenmitglieder drängten zum Aufbruch um Puma noch vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen.

Auf mittlerweile gut ausgebauter Straße erreichten wir noch kurz vor Sonnenuntergang die Mission in Puma. Auch hier wie schon angekündigt wieder ein herzlicher Empfang durch die Missionsangehörigen mit reichlich Gesang und anschließend eine. Ansprache von Pater Cornelius.
Nach dem Frühstück am Montagmorgen wurden zunächst die Mitarbeiter, mit denen wir in den nächsten Tagen regelmäßig zusammenarbeiten sollten begrüßt. Von unserem Anästhesie-Team wurden die Bestände gesichtet, sowie von OP-Schwester Monika das Instrumentarium überprüft, auch wurden die mitgebrachten Materialien einsortiert und für die kommenden Op`s richtig plaziert.
Dr. Anita und ich gingen anschließend in die Ambulanz.
Vor dem Eingang warteten schon ca. dreißig Frauen teils mit ihren Säuglingen. Es blieb somit relativ wenig Zeit um sich zu sortieren. Medikamente, die wir in den nächsten Tagen dringend benötigen sollten wurden notdürftig plaziert. Gott sei Dank war das Ultraschallgerät mit der Abdominalsonde noch einsatzbereit und wir hatten das hier kostbare Ultraschallgel dabei.

Am ersten Tag noch gemeinsam, später abwechselnd wurden die Patienten von uns untersucht, wobei die Übersetzungen der Clinical Officers in der Anamneseerhebung und Patientengespräch unerlässlich waren. In den nächsten Tagen bot sich uns immer das gleiche Bild. Schon gegen 7.30 Uhr, als wir unsere sehr saubere Unterkunft zum Frühstück verließen, waren schon alle Sitzgelegenheiten vor der Ambulanz besetzt, bei unserer Rückkehr warteten ca. 30-40 Patientinnen.
Von Dienstagmorgen an hatten wir regelmäßig ein OP-Programm, so dass wir neu koordinieren mussten, hierbei war Sr. Rachel sehr behilflich.
Relativ schnell fanden sich ausgeprägte gynäkologische Befunde, sowohl im Uterus als auch im Adnexbereich. Bei häufiger Multiparität waren Prolapsbefunde mit Beschwerden, die der operativen Therapie zugeführt wurden, gegeben. Für mich, der das erste Mal dabei war, war sehr aufschlussreich, wie sich hinter unklaren Unterbauchschmerzen bei genauer und geduldiger Anamnese einfach „nur“ ein dringender Kinderwunsch versteckte, hier konnte durch Erklärungen und einfache medikamentöse Therapie geholfen werden.

Eingedenk der Tatsache inmitten von Tansania zu sein, waren die medizinische Infrastruktur, die ich hier vorfand sehr beeindruckend. Gynäkologische Standardeingriffe waren möglich, in unserem Einsatz führten wir ca. 25 Laparotomien durch, mit teilweise beeindruckenden Operationspräparaten, Fotodokumentationen wurden angefertigt. Stromausfall und Wassermangel wurden nach kurzem Gespräch mit Sr. Viktoria behoben, so dass es nach kurzen Unterbrechungen weiterging. Schon bemerkenswert. Weiterhin ist zu erwähnen wie Mangelzustände, Kittel und OP-Tücher, durch postoperative Säuberung und anschließender Sterilisation bewältigt wurden
Bei den täglichen Visiten war eine herzliche Dankbarkeit, trotz der bestehenden Schmerzen nach OP, bei den Frauen auffällig, leuchtende Augen nach Verbandswechsel schauten dir ins Gesicht.
Bei allen sehr positiven Erlebnissen darf nicht vergessen werden, dass wir uns bei der operativen gynäkologischen Tätigkeit in Tansania in einem gewissen Grenzbereich bewegen (“es darf nichts passieren“).Wir hatten einen Narkosezwischenfall, solche Ereignisse passieren auch ohne dass irgendjemand „schuldhaft“ gehandelt hat. Letztendlich ist alles gut ausgegangen, auch der Patientin ging es bei unserer Abreise gut, doch wie schaut es aus, wenn es anders läuft???
Für mich traurig, eine Patientin hatte eine Frühgeburt in der 32.SSW, das Neugeborene war beatmungspflichtig, bei uns kein Problem, in Puma verstarb das Kind am nächsten Tag.

Zwölf arbeitsreiche und erfüllende Tage in Puma, ein kooperatives und hilfreiches Team im Missionsspital, ich bin glücklich dabei gewesen zu sein und möchte zurückkommen, so Gott will.

Vielen Dank an Oberin Melania und Pater Cornelius, sowie der Missionsgemeinschaft.
Dr. Hans-Jürgen Kaszuba, München