Einsatzbericht Puma Tanzania 4.7-19.7.2014

Mittwoch, 18. Februar 2015

Es gibt nichts Schöneres als sechs Wochen nach Einsatzende eine Email aus dem Missionsspital in Puma (Tansania) zu empfangen, worin steht: „Allen operierten Patienten geht es gut und sind bereits wieder entlassen.“ Danke an Vincent, dem deutschen Medizinstudenten, kurz vor seinem Examensjahr, für diese freudige Mitteilung.

Dieser Einsatz stand von Anfang an unter einem guten Sternchen. Alles hat so reibungslos geklappt, wie noch nie zuvor: Alle Flüge und Anschlussflüge waren pünktlich, bei der Einreise am Kilimanjaro Airport brauchten wir keine einzige Tasche zu öffnen ( hier ist man ja immer ein bisschen am Zittern, wenn man als Tourist mit 5x 23 kg Medikamente u.a. Anästhetika einreist).

Dieses Jahr gab es keine Hungersnot ( wie im Vorjahr), sodass reichlich Patienten aus dem ganzen Umland dem Aufruf gefolgt waren, um Rat und Hilfe bei unserem chirurgischen und gynäkologischen Team zu holen.

Und das aller Beste: im Juli herrscht in der Hochebene um Singida Winter, das heisst: warme Tage, kühle Nächte und FAST keine Moskitos .

Dr. Michael Schidelko hat hervorragend in „ seinem Missionsspital“ für eine Kontinuität gesorgt. Während unserer Einsatzzeit verbrachte Dr. Wolfram Demmer, ein Chirurg in seinem dritten Ausbildungsjahr, die letzten beiden Wochen seines halbjährigen Aufenthalts mit uns. Er hat die Patienten im Vorwege optimal aufgegleist und entsprechend schwierige Eingriffe für unseren erfahrenen plastischen Chirurgen Dr. Hans Elmar Nick und den Gynäkologen Dr. Jürgen Kaszuba und mich selektiert.
Einer der besonders schwierigen Fälle war Rosa , 50 Jahre, die an Milzbrand erkrankte. Ihre Kopfhaut hatte sich komplett abgelöst, die Schädelkalotte war ab der Höhe der Augenbrauen freigelegt und entzündet. Die Patientin wurde schon mehrmals von Interplast-Teams empfangen bis Dr. Hans-Elmar Nick, nach einer dreitägigen Bedenkzeit, sich entschied einen Eingriff durchzuführen. Durch Lappenplastiken und Spalthaut- Transplantate gelang es ihm die komplette Schädelkalotte zu decken. Schon bei unserer Abreise konnte ein unerwartet gutes postoperatives Ergebnis festgestellt werden.

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Unser zweites Highlight war die 19 jährige Franziska. Sie hatte Wochen vorher eine abgebrochene Spontangeburt ihres ersten Kindes. Wegen protrahiertem Verlauf wurde von einen einheimischen Arzt eine Kaiserschnitt durchgeführ. Leider entwickelte sich daraufhin eine therapieresistente Sepsis, sodass in einer Verzweiflungstat von einem medizinischen Doctor eine Laparotomie durchgeführt wurde und eine nekrotische Gebärmutterentfernung supracervical durchgeführt wurde. Bedauerlicherweise entwickelte Franziska daraufhin eine Blasen- Bauchwandfistel.
Wir sahen sie bei unserer ersten Visite mit über der kompletten Längslaparotomie dehiszenten, schmutzig belegten Wundverhältnissen, aus der ständig Flüssigeit sezernierte. Unser Verdacht auf eine Blasenfistel konnte durch eine Blauprobe bestätigt werden.
Es gelang uns mit hochdosierter Antibiose und regelmässigen Verbandwechsel sowie Dauerurinableitung relativ saubere Wundverhältnisse zu schaffen, so dass wir uns zu einer Revisions-laparotomie entschlossen. Wie erwartet fand man einen äusserst difficilen Adhäsionsbauch. Es gelang uns letzendlich die Fistel zu entfernen . Postoperativ erholte sich die junge Mutter erstaunlich rasch.

Unser drittes Highlight war für unsere Team- Mitglieder die Einladung von einem einheimischen Arzt , Dr Abel, zur Fernsehübertragung der Fussball-Weltmeisterschaft. Auf 8 qm haben wir uns mit 12 Personen um einen Fernsehapparat getroffen und das Halbfinale sowie Finale sehen können. Die Gastfreundschaft und das gemeinsame Erlebnis waren einmalig und sehr beeindruckend.
Insgesamt wurden bei dem Einsatz ( 79 Eingriffe) durchgeführt.
Im Gyn Ambulatorium waren ca 130 Vorstellungen.

Dank dem immer wieder so herzlichen Empfang in der Mission, deren Gastfreundschaft und Verpflegung ist es eine Bereicherung sich für die Mission „Mother oft he Holy“ cross zu engagieren.
Ich bedanke mich bei dem gesamten Team, Dr. Reinhold Stricker , Dr.Hans Elmar Nick ,Tom Moses, Dr. Jürgen Kaszuba, Inga Bitdinga, Saskia Noack und Caya für den unermüdlichen Einsatz.

Anita Gharibian

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