Einsatzbericht Philippinen

Samstag, 20. Juli 2013

Der folgende Einsatzbericht soll in knapper Form über unseren letzten Besuch im schon vertrauten „German Hospital“ in Cagayan de Oro / Philippinen informieren, ist in dieser Form nun wirklich für einen Abdruck im nächsten Jahresheft weder interessant noch geeignet !

 

 

Einsatzbericht Cagayan de Oro / Philippinen 18.02. – 05.03.12

Planung und Vorbereitung des Einsatzes erfolgten wie auch in der Vergangenheit in Zusammenarbeit mit dem Komitee „Ärzte für die Dritte Welt“, namentlich mit Dietmar Schug aus dem German Hospital in Cagayan de Oro.

Wir hatten uns sehr kurzfristig entschieden, zu diesem Zeitpunkt zu unserem „Hausprojekt“ ins German Hospital nach Cagayan de Oro zu fahren, weil unser eigentlich für diesen Zeitraum geplante Einsatz in Sokoto/Nigeria aus Gründen der politischen Sicherheit storniert werden mußte, die Teammitglieder aber bereits für diesen Zeitraum ihren Urlaub festgelegt hatten. Umso erfreulicher war es, dass mit einer Vorbereitungszeit von nur ca. 3 Wochen dort alle notwendigen Vorbereitungen getroffen werden konnten.

Die Unterstützung unseres Einsatzes durch das Hauspersonal (Schwestern und Ärzte) im German Hospital war gewohnt kompetent und zuvorkommend. Sowohl das Spektrum der Erkrankungen als auch die Anzahl der durchgeführten Eingriffe entspricht den Erfahrungen der vorangegangenen Einsätze (siehe Anlage).

Unser Team bestand diesmal aus nur einer Schwester und 5 Ärzten:

der OP-Schwester Heike Schneider (Saalfeld)

den Anaesthesisten Anka Hadlak (Lübeck) und

Ralf Strecker (Lübeck)

und den Chirurgen Miriam Prang (Neustadt/Holstein),

Henning Wieker (Lübeck) und

Peter Sieg (Lübeck)

 

Wie in den vorangegangenen Jahren war die Vorbereitung, d.h. Vorauswahl und Anzahl der Patienten auf unsere Möglichkeiten und unser chirurgisches Spektrum zugeschnitten, wobei in diesem Jahr noch deutlicher als in den Vorjahren Patienten mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten und euthyreoten Strumen dominierten.

Durch die „Ärzte für die Dritte Welt“ erfolgt eine verlässliche Vorauswahl der uns vorgestellten Patienten und vor allem zuverlässig die Rekrutierung von Patienten aus bedürftigen Bevölkerungsschichten, insbesondere aus der weiteren ländlichen Umgebung. Die Zusammenarbeit mit der Organisation „Ärzte für die Dritte Welt“ hat Ende dieses Jahres bereits 10 jähriges Jubiläum. Die Patienten, die zu unseren Einsätzen zum Teil stundenlang per „public transport“ nach Cagayan in des German Hospital reisen, wurden zuvor im Rahmen der „Rolling Clinic“, d.h. bei mehrtägigen Fahrten über Land zur Gesundheitsversorgung der armen Landbevölkerung von „Ärzten für die Dritte Welt“ gesehen, vor untersucht und gelistet. Sie sind dann erstaunlich zuverlässig zum Zeitpunkt unseres Eintreffens vor Ort und finden im Hospital bzw. dem benachbarten „Mothers House“ Unterkunft für den Zeitraum ihrer Behandlung. Insofern ist unsere jetzt 10-jährige Zusammenarbeit mit dem Komitee „Ärzte für die Dritte Welt“ ein Beispiel für eine sehr effiziente Zusammenarbeit zweier Hilfsorganisationen mit ganz unterschiedlichem Profil.

Dem Bevölkerungswachstum dieses Landes geschuldet erscheint der medizinische Bedarf endlos, d.h. bis zum letzten Tag unserer Tätigkeit dort warteten immer noch „überzählige“ Patienten auf uns. Entsprechend haben wir einen nächsten Besuch im German Hospital zu Beginn des nächsten Jahres in Aussicht gestellt.

Über eine schwerwiegende aber zum Glück beherrschte Komplikation ist zu berichten.

Eine junge Patientin bedurfte nach einer subtotalen Schilddrüsenresektion bei Struma per magna einer Bluttransfusion. Nach Infusion einer Vollblutkonserve entwickelte die Patientin ein TRALI (Transfusion related acute lung injury) mit erheblichem Lungenödem und begleitendem Stridor. Die Patientin wurde zunächst chirurgisch revidiert ohne dass ein revisionsbedürftiger Befund festgestellt werden konnte. Als in der Folge das Lungenödem auskultierbar als ursächlich für die pulmonale Insuffizienz erkannt wurde, wurde die Patienten systemisch mit einem Diureticum und Glucocorticoiden behandelt und tracheotomiert.

Die akute Symptomatik besserte sich innerhalb weniger Stunden, im Verlauf war die Patientin klinisch unauffällig. Eine Woche später haben wir das Tracheostoma verschlossen.

Die Patientin konnte noch vor unserer Abreise in klinisch gutem Allgemeinzustand entlassen werden.

 

 

Peter Sieg

Lübeck, 30. März 2012

 

 

 

 

Anlage 1:

 

 

Cagayan de Oro 02 / 12 – OP-Statistik

 

(71 Operationen an 68 Patienten in 9 ½ OP-Tagen)

 

 

LKG 40 Patienten

 

Lippenplastik einseitig 24

doppelseitig 10

Gaumenplastik 13

 

Meningocele Tessier No 13 1

 

Zungenplastik (Zungenlösung) 1

 

Strumektomien 19

 

Verbrennungskontrakturen (1xHand, 1xEktropium) 2

 

Tumore (2x Parotis, 2x Mandibula, 1x gluteal) 5

 

Revisionen (1x Struma) 1

 

Tracheotomie 1

 

Tracheostomaverschluß 1