Einsatzbericht Januar 2016: Kamuli/Uganda 16.-31.1. und Murunda/Rwanda 16.-22.1.

Samstag, 6. Februar 2016

Interplast-Germany Sektion Vreden

Einsatzbericht Januar 2016: Kamuli/Uganda 16.-31.1. und Murunda/Rwanda 16.-22.1.
Ein ereignisreicher Interplast-Monat Januar liegt hinter uns: am 11.1. ging der See-Container auf die lange Reise nach Ruanda, nachdem über den Jahreswechsel alle Frachtgüter zusammengetragen und am 9.1. verpackt worden waren. Am selben Tag wurde auch das Gepäck für den ersten Operationseinsatz Kamuli/Uganda gepackt. So erfuhren alle hautnah, dass der Einsatz selbst immer das “Sahnehäubchen” ist, viel Arbeit davor zu leisten ist.

Am 16. 1. trafen sich beide Teams am Flughafen in Brüssel, die “Ruander” Thorsten Huhn/Vreden, Dr.Hans-Jürgen Rapp/Frankfurt, Peter Böttcher/Bad Wörishofen und Ulrich Keller/Mannheim und die “Ugander” Dr. Friedrich Krings und Dr.Christiane Aschoff/Coesfeld, PD Dr.Kerstin Röhm/Ludwigshafen, Bärbel Kornherr/Stavanger-Norwegen, Dr.Lukas Repich/Borken und Wolfgang Bertelmann und Dr.Arnulf Lehmköster aus Vreden. Die besondere Herausvorderung für den Teamleiter Arnulf Lehmköster lag darin, dass im Team 4 Interplast-“Neulinge” zu integrieren waren, und das Uganda-Team aus zwei Chirurgen-Gruppen bestand, den Coesfelder Schilddrüsenchirurgen und dem Vredener Plastiker-Team. Außerdem handelte es sich um einen Ersteinsatz, bei dem es immer noch Tausend Sachen vor Ort zu regeln gibt.

Beide Teams trennten sich in Entebbe: das Uganda-Team stieg hier aus, während das Ruanda-Team nach Kigali weiterflog. Die vier Techniker hatten die Aufgabe, im neu errichteten Chirurgie-Gebäude in Murunda die wichtigen Geräte in Betrieb zu nehmen, OP-Lampen sicher an der Decke zu befestigen, den Autoklaven (Instrumenten-Sterilisator) zu installieren etc. Vier arbeitsreiche Tage lagen vor ihnen. Am Ende musste doch noch eine umfangreiche Liste, in der die noch durchzuführenden Nachbesserungen aufgelistet waren, dem ärztlichen Direktor Eugene übergeben werden.

Das Uganda-Team wurde am Flughafen Entebbe von Jude, einem Sohn der Walubu-Familie, auf deren Initiative das Projekt zurückgeht, und Moses, dem Fahrer des Hospitals, abgeholt. Nach mehrstündiger Fahrt erreichten wir Kamuli, weit nach Mitternacht bezogen wir unsere Zimmer im neuen Gästehaus der Klinik. Dieses erwies sich in den kommenden zwei Wochen als wahre Perle, Goretti, Hauswirtschafterin und Köchin, versorgte uns wunderbar. Jeder hatte sein eigenes kleines Zimmer, wichtig, um sich nach den meist 12-stündigen Arbeitstagen zu erholen.

WebP1080035Der Sonntag war für uns erster Arbeitstag: während das Anästhesie-Team sich um das eigens von uns angeschaffte und nach Kamuli verbrachte Narkosegerät kümmerte, sichteten die beiden Chirurgen-Teams die vorausgewählten Patienten. Am Abend stand der OP-Plan für die kommenden neun OP-Tage.
 

 

 

 

 

 

 

 

WebDSC_2522WebZwei Schildrüsen-Operationen und drei plastisch-rekonstruktive OPs führten wir täglich durch. Bei den Schilddrüsen-Operationen handelte es sich um Struma-Resektionen (Kropfentfernungen), wobei die zu entfernenden Knoten weit über den uns hier geläufigen Größen lagen: teilweise über 1000 Gramm wurden entfernt!

 

 

 

 

Auf plastisch-rekonstruktivem Gebiet waren es vor allem die uns aus vielen Ländern bekannten narbig bedingten Einschränkungen von Gliedmaßenbeweglichkeiten nach Verbrennungen, den sogenannten Verbrennungskontrakturen. Viele extrem starke Kontrakturen, auch bei Kleinkindern – Frau Dr. Kerstin Röhm ist ausgewiesene Kinder-Anästhesistin -konnten so operiert werden. 20 Strumen und über 30 plastisch-rekonstruktive Operationen führten wir durch.

 

WebP1070727WebBesonders im Gedächtnis wird allen bleiben der 29-jährige junge Mann, der sich 4 Wochen zuvor schwer verbrannt hatte in einem Ausmaß, das in Deutschland sicher die Verlegung in ein Verbrennungszentrum bedingt hätte. Sein schlechter Allgemeinzustand musste zunächst verbessert werden, einfach dadurch, dass wir seiner Mutter Geld für eiweißreiche Nahrung gaben. Laborwerte mussten im 60 km entfernten Jinja erbracht werden. An unserem zweiten Montag konnten wir dann die Hälfte der verbrannten Haut durch Hautverpflanzung decken, wobei das mitgebrachte und dann auch dort belassene Dermatom zum Einsatz kam. Wichtiger Schulungs-und Lernaspekt für unsere beiden örtlichen chirurgischen Kollegen Peter und Moses, denen die Aufgabe zukommen wird, die zweite Hälfte in zwei oder drei Wochen zu decken.

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Erste Verbanswechsel zeigten in der Regel gute Einheilungsergebnisse der Hautverpflanzungen. Ein Transplantat ging durch Infekt verloren. Gerade auf dem Gebiet der Hygiene wird es noch viel aufzuarbeiten geben.

 

 

 

 

WebIMG_4590WebAn einem Spätnachmittag konnten wir zu Fuß die kleine Stadt Kamuli kennenlernen. Das freie Wochenende verbrachten wir in Jinja mit Bootsfahrt auf dem Viktoriasee zur Nilquelle und besuchten die imposanten Itanda-Nil-Fälle. Der Sonntag war mit Ersteigung eines Berges mit wunderbarer Sicht und über den Mittag mit dem Besuch bei der Walubu-Familie ausgefüllt.

In der zweiten Arbeitswoche zeigten sich dann schon erste Früchte unserer Ausbildungstätigkeit. Wolfgang hatte eine OP-Schwester fit am OP-Tisch gemacht, die mehr und mehr das Instrumentieren übernahm, Peter und Moses übernahmen mehr und mehr Teile der Operationen. Immer mein Ziel bei den Einsätzen, auch auszubilden, um uns letztlich überflüssig zu machen. Noch ein weiter Weg bis dahin…

Während die Viszeralchirugen Strumen operierten, führte ich zahlreiche Gespräche mit den Klinikverantwortlichen. Einiges insbesondere für die Narkosen war noch zu beschaffen – und wurde beschafft! -und es gab Gespräche dahingehend, dass aus diesem Ersteinsatz ein langfristiges Projekt entstehen solle (Nachhaltigkeit). Aus der Erfahrung meiner über 40 Einsätze betonte ich auch, dass die Schwester der Nachhaltigkeit die Zuverlässigkeit auf der anderen Seite ist.

WebP1080195Andrew, der Ärztliche Direktor, und Father Emmanuel verabschiedeten sich mit einer kleiner Farewell-Party, zu der auch all die Mitarbeiter Klinik geladen waren – und kamen -, mit denen wir 12 Stunden täglich in den letzten zwei Wochen verbracht hatten.

Nach einer Übernachtung in Entebbe am Viktoria-See gings dann heim. Willy, unser Fahrer, holte uns zuverlässig wieder ab in Brüssel. Ihm und Fa. Taxi-Kemper, die den Sprinter-Bus kostenlos zur Verfügung stellten, ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle, ebenso wie den vielen anderen, Spendern, Helfern… ohne die ein Einsatz nicht durchführbar wäre.

 

Vreden, den 1.2.2016

Arnulf Lehmköster