Einsatzbericht INTERPLAST-Sektion Vreden Murunda/Rwanda 30.10.-15.11.2015

Freitag, 20. November 2015

Teilnehmer: Silvia Geling und Thorsten Huhn als OP-Sr. und -Helfer, Dr.Hans-Jürgen Rapp und Sarah Rupprecht, beide Frankfurt, als Anästhesie-Team, Dr. Pavol Stolfa und Dr.Arnulf Lehmköster/Teamleiter als Plastische Chirurgen

Zum 12.Mal war das Hospital im ländlich gelegenen Murunda in Rwanda Ziel der Vredener Interplast-Sektion. Insofern ist vieles Routine: Fahrt zum Flughafen Brüssel mit der gesamten Gruppe in den frühen Morgenstunden, Ankunft am Abend und Übernachtung in Kigali, der Hauptstadt und Weiterfahrt nach Murunda; die letzten 45 km, für die man 1 1/2 Stunden benötigt, über die berüchtigte “Ruckelpiste”.

Ankunft in unserem Gästehaus – auch schon 5 Jahre alt -, Begrüßung dort durch Father Pius und Francois, “unseren” (d.h. des Pfarrers) Koch. Bezug der PB054901_webZimmer und erste Mahlzeit. Dann aber auch schon, obwohl Sonntag, Sichtung der stationären Patienten und Erstellen des OP-Plans für die ersten Tage. So findet jeder im Team schnell seine Aufgabe, und am nächsten Morgen starten wir früh mit dem OP-Programm. Erfahrungsgemäß dauert es ein paar Tage, bis die Zusammenarbeit mit unseren Freunden vor Ort wieder funktioniert. Manu(Emmanuell) ist wieder Dreh-und Angelpunkt, er kennt halt jeden und alles! Dr.Jean de Dieu arbeitet mit uns zum zweiten Mal zusammen, er ist die gesamte Zeit, meist über 12 Stunden am Tag, mit uns, er zeigt Eifer und Einsatz. Espoir, mit dem wir viermal zusammenarbeiteten, ist als Ärtzlicher Direktor nach Kabgay gegangen, gerade mal 30 Jahre alt. Es fehlt halt in Rwanda praktisch eine Generation nach dem Genozid 1994.

Für den Donnerstag hat sich Bischof Alexis angesagt, um den Fortgang der letzten Arbeiten im neuen OP-Gebäude anzuschauen, aber auch um “innerbetriebliche Spannungen” anzugehen und gegenzusteuern. Zumindest in gewissem Umfang konnten wir ihm dabei helfen.

In der ersten Woche wurde durch den örtlichen Siemens-Techniker das von uns beschaffte deutsche mobile Röntgen-Gerät, ein sog. “C-Bogen”, in Betrieb genommen.

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59 große Operationen führten wir an 10 OP-Tagen durch, wie immer waren die meisten Patienten noch im Kindes-und Jugendalter – aber eben nicht alle: der älteste war 90 Jahre alt, Interplast beschränkt sich anders als andere NGOs nicht nur auf Kinder: chronische Knocheneiterungen, Druck-Liege-Geschwüre, Handchirurgie, ausgedehnte frische Verbrennungen ebenso wie narbig bedingte Gelenksteifen bei lange zurückliegenden Verbrennungen, Weichteilgeschwulste besonders im Kopf-und Halsbereich – ein breites Spektrum.

In unseren ersten Tagen galt es, neben dem OP-Programm auch wieder die Neuvorstellungen – über 100 – zu sichten und in den OP-Plan zu integrieren.

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Ein Höhepunkt war am Wochenende der Aufenthalt im Home St.Jean, dem Gästehaus der Diözese Nyundo in Kibuye am Kivu-See. Zimmer, teilweise

frisch renoviert, mit Blick über den See und phantastisches Essen ließen uns Kraft schöpfen für die zweite Woche. Auf einer dreistündigen Bootsfahrt mit Besuch einer unbewohnten, von Tausenden von großen Fledermäusen besiedelten Insel lernten wir die Natur der Kivu-Region weiter kennen.

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Die zweite Woche verging wie immer im Fluge: die OP-Tage wurden etwas kürzer, nach 10 Stunden war das Programm meist beendet, sodass kleinere Spaziergänge noch bei Helligkeit und angenehmen frühsommerlichen Temperaturen möglich waren – um 18:00 wirds schlagartig dunkel – wenn nicht gerade einer der täglichen Tropenschauer niederging.

Das von Francois jeden Abend hergerichtete Essen war nach getaner Arbeit eine angenehme und immer wohlschmeckende Abwechslung. Dazu ein kühles Mützig(-Bier) aus unserem Kühlschrank, so klangen die Abende aus, meist nach einem übers Internet geführten Telefonat mit daheim, die Internetverbindung war diesmal (fast) störungsfrei. Denn am Morgen gehts um 06:00 Uhr weiter: die Kirchturmglocke, keine 100 Meter entfernt von unserem Haus, weckt zuverlässig!

Im Januar wird wieder ein Technik-Team nach Murunda gehen, um die Installationen im OP fertigzustellen, im April wollen wir den OP bzw. das Chirurgie-Gebäude eröffnen.

Große Unterstützung hatten wir dieses Mal durch Brüssel Air, über 100 kg Übergepäck hatte die Fluglinie uns zugestanden. Taxi-Kemper/Vreden stellte das Großraum-Taxi kostenlos, mit dem uns Wilhelm Linkert/Vreden nach Brüssel brachte und wieder abholte. Dank an alle; ohne derartige Unterstützung könnten wir unsere Spendengelder nicht so uneingeschränkt in den Zielländern einsetzen.

Am Samstagabend in Kigali, nach unserem traditionellen Abendessen mit meinem Freund Jaques, erfuhren wir von dem schrecklichen IS-Anschlag in Paris und erhielten Nachricht unserer Angehörigen, dass wir sehnlich zurückerwartet werden. Leichter werden unsere Einsätze in den nächsten Jahren nicht werden, vielleicht aber noch wichtiger.

Erleichtert über eine völlig reibungslose Rückreise traf das Team am Sonntagmittag wieder in Vreden ein. Ein paar Tage brauchts bis Murunda mit seinen Menschen wieder Platz macht für den Alltag…

Bis zum nächsten Einsatz dort!
Vreden, 16.11. 2015 Arnulf Lehmköster

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