Einsatzbericht des augenärztlichen Teams vom 25.6. bis 10.7.2016 in Puma/ Tansania, Krankenhaus des katholischen Ordens„Mother of the holy cross“

Montag, 8. August 2016

Dr. Andrea Huth (Augenärztin, 5. Einsatz, Teamleitung), Dr. Marina Müller (Augenärztin, 2. Einsatz), Alexandra Freund (OP- Schwester, 2. Einsatz), Katharina Dumke (Optikerin, 3. Einsatz)
Gleich vorweg: dieser Einsatz war nichts für schwache Nerven. Aber beginnen wir am Anfang:
Gestartet wurde in Berlin Tegel, dort waren alle noch guten Mutes und voller Vorfreude nach den Erlebnissen des Vorjahreseinsatzes. Bei tropischen Temperaturen streikte zwar kurzzeitig das Förderband der Koffertransportanlage, aber das muss ja keine Bedeutung haben.

Die erste Überraschung gab es dann in Tansania am Kilimanjaro Airport: 2 Gepäckstücke fehlten.

Da es sich um Koffer voller Medizinprodukte handelte, war das nicht gerade unerheblich. Nach Reklamation am zuständigen Schalter und ausgiebigem Austausch von Telefonnummern, u.a. auch von unserem einheimischen Fahrer Peter, fuhren wir mit ihm zunächst wie vereinbart zur Missionsstation nach Dareda, hoffend, dass am Folgetag das Gepäck auftaucht.

In Dareda wurden wir wie immer sehr herzlich von den Schwestern und einigen wenigen Kindern empfangen (Ferienzeit), kulinarisch verwöhnt und konnten erholsam schlafen. Am nächsten Morgen starteten wir pünktlich in der bestens vorbereiteten Ambulanz, 43 Patienten wurden untersucht, 11 Patienten wurde die Empfehlung zur Cataract- Operation gegeben mit der Bitte, dafür nach Puma zu kommen.

In der Zwischenzeit war unser Fahrer Peter erfolgreich im Wiederbeschaffen der verlorenen Koffer, allerdings musste unsere Weiterfahrt nach Puma durch die zeitliche Verzögerung auf den Folgetag verschoben werden. Officer Emanuel aus Dareda verständigte die Missionsstation in Gehandu, dass auch dort Patienten erst am Folgetag gesehen werden könnten, leider ist aber niemand vorstellig geworden. So kamen wir am Dienstag zügig voran und waren gegen Mittag in Puma, trotz der Verspätung mit wie immer herzlicher Begrüßung und bester Verköstigung.
Regelrechter Start der Ambulanz- und OP- Tätigkeit war wie geplant am Mittwoch, dem 29.7., mit dem gewohnten hohen Patientenandrang zu Beginn eines Einsatzes, nur war nun eine Augenärztin durch einen grippalen Infekt schwer gehandikapt. Mit Antibiotika, Redeverbot und viel Selbstdisziplin hat sie diese Situation gemeistert. Als Krönung des Ganzen erwies sich unsere OP- Maschine als bockig, weder Zureden noch Schläge halfen bei den teilweise kuriosen Verhaltensweisen und haben alle Teammitglieder einige Nerven gekostet. Nach Rücksprache mit Kollegen in Deutschland und dem zuständigen Vertreter der Firma haben wir die Maschine zur Durchsicht nach Deutschland zurückgenommen. Leider waren sämtliche Beschriftungen des zugehörigen Koffers nutzlos und wir nahmen diesen mit zerbrochenem Schloss vom Band in Berlin Tegel. Kommentarlos, denn nach den Rückflügen mit reichlich Verspätung fehlte jegliche Energie für Reklamationsgespräche am Flughafen.
Insgesamt haben wir in den 2 Wochen 343 Patienten in der Ambulanz untersucht, 57 Operationen durchgeführt (48x Cataract- OP,4 Pterygien, 3 Lid- OPs, 2 Enukleationen), reichlich Brillen ausgeteilt und Augentropfen ordiniert. Diese Zahlen bedeuten einen beachtlichen Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren und erklären sich durch viel Regen in diesem Jahr mit nachfolgenden guten Ernten, was Geld für Operationen und Behandlungen bedeutet. Auch die Zahl der Krankenversicherten ist deutlich angestiegen (ja, auch hier hält die Bürokratie Einzug, stellenweise waren in der Ambulanz 4 bis 5 Dokumente vom Arzt für die Versicherung auszufüllen, was einen doch sehr an deutsche Verhältnisse erinnert).
Neben den arbeitsintensiven Wochentagen hatten wir 3 freie Tage (Samstag/ Sonntag und einen Feiertag, den 7.7.), die wir mit eindrucksvollen Ausflügen zu den Salzseen der Umgebung, auf den Markt in Singida und zum Klostergarten Kinahara verbrachten. Besonders erlebnissreich war eine Fahrt im Dalladalla zur Blindenschule in Ikungi (2.-größte Einrichtung in Tansania, in der u.a. Albino- Kinder unterrichtet werden). Trotz Ferienzeit und nur noch spärlich anwesenden Kindern konnten wir uns ein gutes Bild von den vorhandenen Gegebenheiten machen, 16 der sehbehinderten Kinder haben das Angebot einer kostenlosen Untersuchung angenommen und konnten z.T. sehr sinnvoll mit Brillen versorgt werden.

Die Versorgung und Verköstigung im Kloster war wie gewohnt hervorragend, die Transporte mit Peter, dem Fahrer des Klosters und die Zusammenarbeit mit dem Personal des Krankenhauses verliefen reibungslos und zur Verabschiedung bekamen wir neben herzlichen Dankesworten und – Liedern wieder reichlich Geschenke.
Wie immer gingen die 2 Wochen schnell vorbei, neben den beschriebenen Widrigkeiten bleibt erneut eine tiefe Zufriedenheit mit den erreichten Ergebnissen sowie eine Vielzahl an unbezahlbaren Momenten. Und ich bin mir sicher: nächstes Jahr sind wir wieder dabei.
Nochmals ein riesiges Dankeschön an mein Team! Danke auch allen Sponsoren und Unterstützern.
G lauchau/Halle im Juli 2016

 

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