Einsatzbericht Bolivien

Samstag, 20. Juli 2013

Einsatzbericht Portachuelo/Bolivien
Sektion Schopfheim/Freiburg
24.03.2012-06.04.2012

Teilnehmer Dr. Andreas Schmidt, Dr. Martin Schwarz Plastische Chirurgen
Dr. Helmut Berenskoetter Kinderchirurg
Dr. Dirk Dunkelberg Anaesthesist
Christiane Engstfeld und Dirk Bierawski OP und Anaesthesie-Pflege

Wie schon Ende 2008 wurde auch dieser Einsatz von meinem (Martin Schwarz) Freund Gustavo Alba-Lopez initiert und exzellent von seiner Schwester vor Ort in Santa Cruz vorbereitet. Dies mal gab es durch die Erfahrungen aus 2008 weder Probleme mit der Höhe (Santa Cruz liegt unter 1000m El Alto damals 4200m) noch mit den behördlichen Regularien. Der Empfang vor Ort war sehr freundlich und zügig kompetent am Flughafen. Die lokalen Organisatoren aus mehreren sozialen Organisationen überschlugen sich fast mit ihrem Bemühen und zeigten uns die Lomos de Arena, eine riesige Sanddüne mitten im tropischen Waldgebiet, wo ein zwangloses Beieinandersein und kennenlernen erfolgte. Die Ärzte, die das Screening vorab schon filterten berichteten von gutem Zulauf und übergaben die Namensliste von 120 schon gesehenen Patienten.
Am Abend bei der Weiterfahrt in den Einsatzort Portachuelo sah man die „Kornkammer“ Boliviens vorbeiziehen. Der Einsatzort selbst machte den Eindruck eines verschlafenen Wild-West Städtchens, umso überraschter waren wir über das sehr gut basal, funktionell ausgestattete Krankenhaus unter kirchlicher Leitung und einem sehr freundlichen, zugewandten Chefarzt (Oscar, genannt Caesar wegen der zahlreichen Kaiserschnitte, die er durchführte).
Ein großer OP und ein kleiner OP wurde auf unsere Initiative so umgebaut, dass wir in einem Saal zwei Tische hatten und der kleine OP für die zahlreichen, fast täglichen Sektiones freiblieb.
Die erste Überraschung fand am Folgetag beim Screenen statt, eine stattliche Zahl Hernien aller Arten erschien, wenig eigentlich plastische Probleme. Dies war dem voruntersuchenden Team aus Rotariern geschuldet, die im wesentlichen aus Gynäkologen und Allgemeinchirurgen bestand und so wesentlich das ihnen bekannte Patientenklientel rekrutierten. Erst in den Folgetagen, nach Radio und Fernseh-interviews kamen Verbrennungen, Gesichtsmissbildungen noch zu uns.
Die Arbeit im OP geschah durch die routinierte, gut harmonierende Anaesthesie reibungslos.
Bemerkenswert war die einheimische OP-schwester, die sehr ruhig und umsichtig alles organisierte. Der Steri bestand aus einem großen Heißluftsteri, der kurze Nachsterilisationszeiten ermöglichte.
Wie 2008 hatten wir den Medizinbedarf vor Ort und vorab geordert, was bezüglich der Medikamente auch gut funktionierte, allerdings war das Nahtmaterial trotz Ethicon auf dem Etikett nicht unser gewohnter Standard. Äusserst angenehm war das freundliche Einbinden in den Tagesablauf der Klinik, Martin Schwarz und Andreas Schmidt hielten eine Fortbildung im Rahmen der Zusammenkünfte (Die Klinik ist Ausbildungsklinik für die private medizinische Fakultät San Franzisco in Santa Cruz). Gegessen wurde im Refektorium, die Unterbringung erfolgte in einem Hotel in Fußgängerreichweite.
Aus medizinischer Sicht gab es wenig Besonderheiten, sehr erfreulich war die Zusammenarbeit mit einem zweiten Team unter der Leitung von Gunther Kranert in Santa Cruz selbst in den Wochen zuvor. Hier konnte eine dringend benötigte Kanüle noch rechtzeitig übergeben werden und die dortigen Patienten mit komplexeren Eingriffen von uns nachbehandelt und betreut werden.
An Komplikationen bei uns ein Hämatom nach Lipom, was ausgeräumt wurde und leider erst am vorletzten Tag eine Durchblutungsstörung der Kleinfingerbeere nach Vollhauttransplantation wegen Verbrennungskontraktur. Die Nachbehandlung erfolgte durch drei Ärztinnen, die auch dolmetschten und sich im ersten Jahr der klinischen Ausbildung befanden.
Im Screening sahen wir fast 180 Patienten, operiert wurden 54 Patienten mit insgesamt 62 Eingriffen.

MS