Einsatzbericht Bangwa, Kamerun, Sektion Schopfheim/ Freiburg 9.11.-23.11.13

Montag, 2. Februar 2015

Teilnehmer: Günter Zabel, Plastischer Chirurg

Marianne Zabel, Op Schwester

Catrice Celanowwski, Kinderchirurgin

Johannes Nolasco, Unfallchirurg

Dagmara Lorenc, Anästhesistin

Anja Kugler, Anästhesistin

Gilles Nomegne , Koordinator, Connectica e.V. Berlin

Eher kurzfristig wurde unter bewährter Leitung von Günter unser Team erst im Spätsommer zusammengestellt.

Die Vorbereitungen, die Organisation vor Ort und den Kontakt zum Krankenhaus wurde wieder in bewährter Weise von Gilles Nomegne, Leiter des deutsch-kamerunischen Vereins Connectica e.V. Berlin, übernommen.

Für Daga, Johannes und mich der erste Einsatz in Bangwa. Günter, Marianne und Catrice arbeiten nicht nur in Bangwa schon lange hervorragend zusammen.

Ein- und Anreise waren dank Gilles unermüdlichem Einsatz kein Problem. Das Krankenhaus liegt in Zentralkamerun. Klima und Straßen sind gut, die Bevölkerung sehr offen und freundlich. Trotz eher tropischer Vegetation war die Versorgungslage mit frischen Nahrungsmitteln erstaunlich schwierig. Schon auf dem Hinweg mussten wir Obst und andere Nahrungsmittel bunkern, da um Bangwa herum fast nichts zu kaufen war. Die Unterbringung in einem Gästehaus auf dem Krankenhausgelände war einfach aber idyllisch.

Das Screening verlief wesentlich ruhiger als ich es von einem anderen Einsatz in Tansania gewohnt war. Im Nachhinein war dies schon ein Hinweis auf ein Hauptproblem unseres Einsatzes. Das Krankenhaus in Bangwa mußte in den letzten Jahren gegen Korruptionsvorwürfe kämpfen. Fast das gesamte Team wurde ausgetauscht. Die Menschen in der Region haben Vertrauen verloren und es gibt einige gute Krankenhaus-Alternativen in der Umgebung. Außerdem müssen alle Patienten eine Krankenhaus-„Benutzungsgebühr“ zahlen; wie hoch diese war, entzog sich unseren Recherchen. Diese scheint jedenfalls für viele Patienten nicht bezahlbar zu sein, insbesondere nach derimmer noch andauerenden Regenzeit ohne Ernteeinnahmen..

Unser Fachgebiet Anästhesie hat im Kamerun einen schlechten Ruf. Die Patienten tendieren zu lokalen Anästhesien (Kosten und/ oder Mißtrauen?) Mehrere Sectios der Stammbesatzung Bangwa fanden im Nachbarsaal statt.  Mono“narkosen“ mit Ketanest zu diesem Zweck, durchgeführt von einem Pfleger, mit extrem „platten“ Neugeborenen haben mich auch nicht wirklich überzeugt. Das Mißtrauen gegenüber Vollnarkosen stammt also eher nicht aus früheren Interplast Einsätzen (5 in Bangwa), sondern möglicherweise von den Inlandserfahrungen.

Trotz dieser Hürden konnten wir über 100 Patienten screenen, davon 50 zur Op auswählen, 30 davon in Vollnarkose. Einige Patienten mit großen Mittelgesichtstumoren konnten wir an den kameruner HNO Kollegen Dr Kwaleko weiterleiten, der sich zeitweilig mit in Bangwa befand.

Das Spektrum reichte von den klassischen plastisch rekonstruktiven Eingriffen bis zu Lipomen, Keloiden und einem großen Neurofibrom, dazu die eine oder andere Neugeborenenreanimation aus dem Nachbarsaal.

Tatkräftig wurden wir vom Bangwa-Personal unterstützt. Die Logistik (inklusive Wasser in Eimern, da die Wasserzufuhr trotz oder gerade wegen ergiebiger Regenfälle nicht funktionierte), Kommunikation ( unser Französisch war nur mäßig „fluently“) und auch der soziale Teil ( 2 Geburtstage feierten wir im DJ-Sony-Fan-Club, einer Bretterbude im Dorf) wurde von den Angestellten und natürlich nicht zuletzt Gilles vorbildlich in die Hand genommen. Vielen Dank dafür!

Es waren 2 extrem harmonische, ereignisreiche Wochen in Bangwa. Der Kontakt zu den Menschen im Kamerun war sehr unkompliziert und facettenreich!

Daga und ich haben dann noch „den Rest“ des Kameruns unsicher gemacht. Von den tropischen Stränden im Süden bis zu den Wüstenähnlichen Landstrichen  an der Grenze zu Tschad und Nigeria im Norden haben wir viel gesehen. Ein echter Kulturschock, sich jetzt in den Weihnachtstrubel in Deutschland zu stürzen.

Auf Grund der diesjährigen Erfahrungen soll Bangwa nur noch alle 2 Jahre Ziel eines Einsatzes werden Günter und Marianne fuhren das letzte Mal hin. Ein neuer Teamleiter wird gesucht.

Günter und Marianne ganz herzlichen Dank für diesen prima Einsatz!!

 

Dortmund den 10.12.13

Anja Kugler