Einsatzbericht Asmara/Eritrea Sektion Vreden, 16.-29.03.2015

Dienstag, 21. April 2015

Teilnehmer: Dr.Julia Hofmann, Ass.-Ärztin Plastische Chirurgie, Schweiz(ehemals Vreden)

Petra Wansing, OP-Schwester, Borken

Prof.Dr.Paul Reinhold, Anästhesist, Herford

Dr.Arnulf Lehmköster, Plastischer Chirurg und Teamleiter, Vreden

 

Zum 10.Mal reiste ein Team der Sektion Vreden von INTERPLAST-Germany e.V. unter Leitung von Arnulf Lehmköster im März d.J. nach Eritrea.

Wieder operierten wir im vom Hammer Forum errichteten Op im Halibet-Hospital in Asmara ca. 30 querschnittgelähmte Patienten der Eritreischen War Disabled Assoc., die an zum Teil sehr großen Druck-Liege-Geschwüren im Beckenbereich leiden. Der Operationssaal wurde uns im Vorfeld nach kurzen Telefonaten mit Sabine Huwe in der Zentrale des Hammer Forums und Karl “Kalle” Brandt, auf dessen Initiative der Bau des Verbrennungs-OPs im Halibet-Hospital zurückgeht, dankenswerterweise wieder zur Verfügung gestellt. Bei vielen Patienten war die Situation dadurch erschwert, dass es sich um eitrig-entzündete Geschwüre handelte, die zunächst operativ in einen sauberen Zustand überführt werden mussten, viele litten unter Rezidiven, also bereits voroperierten Wundsituationen.

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Die Transportkisten waren vorher gepackt worden, einschließlich eines leistunsstarken OP-Saugers, den wir u.a. als Gastgeschenke im dortigen OP zurückließen. Am Wochenende zuvor galt es noch, die Interplast-Jahreshauptversammlung in Bad Honnef zu leiten und am Samstag durch das Symposium zum Thema:”Interplast in Ländern des Islam” zu führen. Egypt Air brachte uns sicher ans Ziel, am frühen Morgen des 17.3. erreichten wir Asmara.

Nach kurzer Ruhepause sichteten wir im Denden-Camp die gut vorausgesuchten Patienten, der OP-Plan für die nächsten knapp zwei Wochen stand am Abend fest.

Beim Denden-Camp, in dem die querschnittsgelähmten ehemaligen Soldaten des langjährigen Krieges zwischen Äthiopien und Eritrea, der mit der Sebständigkeit Eritreas endete, handelt es sich um eine Hinterlassenschaft der Amerikaner, die dieses Camp bauten und im Vietnam-Krieg als Zwischenbasis nutzten. Es ist im Laufe der vielen Jahre nie richtig renoviert worden. Dieser Prozess soll jetzt in Gang kommen, wir sicherten den war disabled unsere Unterstützung zu, sobald das Dach durch das Gesundheitsministerium erneuert ist.

Pünktlich um 07:45 holten uns Rezene, der Physiotherapeut der war disabled, oder Dr. Haile, mein langjähriger eritreischer Freund, am Hotel ab. Der erste Patient und auch das örtliche OP-Persoanl waren bereits da, wenn wir eintrafen, sodass der erste Patient unmittelbar operiert w erden konnte.Die Zusammenarbeit zwischen eritreischem Personal und uns ist das, was diese Einsätze auszeichnet.

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Immer bestand das OP-Team auch aus heimischem Arzt und OP-Schwester, so dass neben der Arbeit am und für den Patienten die Ausbildung im Vordergrund stand. Auch Paul Reinholds Aufgabe bestand ausschließlich im Unterrichten, Angabe von Verbesserungsmöglichkeiten etc, nie in der ausschließlichen Leitung einer Narkose, da uns auch gut ausgebildetes eritreisches Anästhesiepersonal zur Seite stand. Dieses war auch zur Stelle, als es galt, in der Nacht eine Nachblutung zu stillen und an einem Sonntagvormittag eine sog. septische Wund erneut zu reinigen, um sie noch vor unserer Abreise endgültig verschließen zu können.

So konnten wir in den zwei Wochen über 50 Operationen durchführen, durchaus auch anspruchsvolle Muskellapenplastiken. Wir ernten gute Früchte der langjährigen Zusammenarbeit.

Der freie Samstag galt einer Reise durchs Land, wozu eine spezielle Genehmigung erforderlich ist, die wir aber wie in den Jahren davor auch problemlos erlangten. Gut, eng mit heimischen Menschen zusammenzuarbeiten! Die Fill-Fill-Road den großen afrikanischen Grabenbruch hinunter, die alte osmanische Hafenstadt Massawa, der Strand am Roten Meer werden insbesondere den dreien, die erstmals in Eritrea waren, unvergessen bleiben. Auch die Fahrt also solche durch die eritreische Savanne mit ihren fantastischen Felsformationen und ihrer Vegetation( z.B. den vielen jetzt blühenden Jakaranda-Bäumen und den großen Schirmakazien) hinterließen tiefe Eindrücke.

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Unsere Freunde im Denden-Camp und die Eritreische war disabled Organisation sind echte Gastgeber: abends luden sie zum Essen ein, zu dem auch das gesamte OP-Personal eingeladen war. Viele eritreische Kaffezeremonien(Kaffe ist kostbar, kein Alltagsgetränk; er wird zunächst über dem Holzkohlefeuer geröstet, zerstößelt und in speziellen Tongefäßen aufgegossen)wurden uns zu Ehren gegeben, Abschiedsessen dann gemeinsam mit den Paraplegikern im Camp.

Eine besondere Freude war, Neja wiederzusehen. Sie kam vor ca. 10 Jahren durch das Hammer Forum wegen Verbrennungsnarben im Gesicht nach Vreden und in der dortigen Abteilung für Plastische Chirurgie durch uns operiert worden. Sie wohnte damals in der Vredener Familie Windmeier, die auch das Zusammentreffen in Asmara von Vreden aus organisiert hatte. Sie ist zum Teenager herangewachsen, die eine und andere kleinere operative Korrektur wollen wir, wenn sie ausgewachsen ist , noch in Asmara vornehmen.

OP-Instrumente zusammenpacken, kurzer Schlaf, Rückflug über Kairo nach Frankfurt, wo uns Thorsten Huhn wieder in Empfang nahm und nach Hause fuhr. Wir sind froh und dankbar am Sonntagabend wieder zuhause angekommen. Unser besonderer Dank gilt wieder dem Hammer Forum, in dessen wunderbaren OP wir wieder tätig sein durften.

Vreden , im April 2015

 

Arnulf Lehmköster

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