Einsatz Madagaskar vom 23.7.- bis 8.5.2016

Montag, 27. Juni 2016

Das Ehepaar Dr. Detlef Merkle, er Gynäkologe, sie die erste Madagassin, die in Deutschland studierte, brachten ein Interplast-Team und mich schon vor 30 Jahren nach Antananarivo. Jetzt hatten sie ein nagelneues, aber fast leerstehendes Hospital NEXT im früheren Marine-Stützpunkt der Franzosen Diego Suarez (heute Antsinarana) an der Nordspitze Madagaskars entdeckt, das ideal für einen Interplast-Einsatz schien, da im Norden noch nie ein plastischer Chirurg tätig war. Gebaut wurde das Hospital 2010-2014 von dem ehemaligen Naturforscher, Prof. Luigi Bellini, der derzeit ein Diagnostik-Zentrum nebenan betreibt (http://www.nextonlus.it/).

Zusammen, mit der Leiterin des Burn Institutes der Uni Stockholm, Viveca Björnhagen-Säfwenberg, den MKG-Chirurgen Martina und Jan-Falco Wilbrand aus Giessen, der Anästhesistin Katja Fügener und ihrer tollen Hilfe Vitalia Mock waren wir ein schlagkräftiges Team, das in 3 Sälen an 8 Op-Tagen 142 Patienten operierte. Viveca nahm sich der Kontrakturen und offenen Verbrennungen sowie ein grosses Buruli-Ulcus mithilfe eines Humbie-Messers an, die Wilbrands operierten die LKG-Spalten und Gesichts-Deformitäten, und ich die Mamma-Carcinome, grossen Tumore, Dammrisse, und die vielen alten Keloide. Den unermüdlichen Op-Chef Hery führten wir in die Kunst der Keloid-Injektionen mit Triamcinolon ein.

Der Leiter des Hospitals, ein ruhiger Radiologe, hatte durch das Radio auf uns aufmerksam gemacht, und eine Op-Mannschaft für uns rekrutiert. Das 2014 mit Geldern aus Italien hervorragend ausgestattete Hospital mit 3 grossen Ops, Op-Mikroskop, 2 Inkubatoren, Röntgen-Abteilung etc. befindet sich im Dornröschenschlaf und unsere tolle Op Mannschaft, ist leider wieder arbeitslos. Die im Ausland ausgebildeten Ärzte kommen nicht mehr zurück oder lassen sich in der Hauptstadt nieder. Pro Monat werden in dem Hospital noch 2-3 Privatpatienten operiert; während unseres Besuches wurde eine Radiusfraktur eingegipst, und seit 2014 gab es wohl einige Geburten.

Die Küstenlandschaft und die nahen Strände sind so traumhaft wie auf den Seychellen, erschlossen ist nur ein Strand Hotel für Kite-Surfer. Die allgegenwärtige Korruption macht die wenigen Reichen reicher, die Armen halten sich mit 20 Euro pro Monat durch Steineklopfen ueber Wasser (aus französischen Kopfsteinen produzieren sie Schotter für den Strassenbau). Ein Arzt lebt von 60 €, eine Op-Schwester von 30 € im Monat. Im drittärmsten Land der Welt leben 92 % der Madagassen unterhalb der Armutsgrenze. Frappierend und beruhigend ist immer wieder die Fröhlichkeit und Sangeslust der Ärmsten der Armen: die Natur meint es letztlich auch mit ihnen gut.

Leider bekamen wir wenig Einblick in das Potential an Patienten fuer plastische Operationen im Norden Madagaskars, denn Interplast wird sich in diesem perfekten Hospital stärker engagieren. Ein nächstes Team unter Maria Lempa fliegt vom 10. bis 21.10.16 nach Antsinarara.

Gesucht wird dringend ein pensionierter Allgemein- oder plastischer Chirurg, der dort ein effektives Ärzteteam rekrutiert, und mindestens 2 x 3 Monate in Antsinarana verbringt !? –
Wir danken herzlichst den Firmen Catgut GmbH, Novidion, Combustin, MPI-saar, und Smith&Nephew für die spontan gespendeten grossen Mengen an Nahtmaterial, Staplern, Antibiotika,Lidocain und Verbandsmaterial. Und natürlich den unermüdlichen Spendern von pro-Interplast in Seligenstadt und Interplast-Germany für die immer gewährte finanzielle Unterstützung !

Gottfried Lemperle Frankfurt, 20.5.2016

webMada NEXT Hopital  (7)

Die NEXT Polyclinique in Antsinarana im Norden Madagaskars

webMada Nasendysplasie (1)

Ein Steineklopfer ohne Nasenskelett (rekonstruiert mit einer Rippe durch Falco Wilbrand)

webMada Nasendysplasie (4)