Einsatz in NDANDA / Tansania 18.09. – 02.10.2016

Freitag, 20. Januar 2017

Der Interplast-Einsatz nach Ndanda war zugleich mein Einstieg in die Medizin. Zwei Wochen, nachdem mich die Zulassung zum Medizinstudium erreichte, nahm mich das Team um PD Dr. Daniel Tilkorn (Plastische Chirurgie) und Dr. Dr. Michael Bergermann (MKG) mit auf den gut zweiwöchigen Trip ins St. Benedict Hospital im Süden Tanzanias. Als medizinischer Laie kann ich Sinn und Erfolg der Eingriffe nicht beurteilen, vielleicht ist es aber sogar interessanter, meine Sicht als Außenstehender auf den Einsatz zu schildern.
Der Empfang vor Ort war herzlich und das Zusammenspiel des Teams so routiniert, dass bereits während dem Auspacken des Materials mit der Sichtung der Patienten durch die beiden Operateure und Anästhesisten begonnen werden konnte. Edgar, der Mann vor Ort, hatte die Wartenden bereits vorsondiert und war, insbesondere durch sein medizinisches Vorwissen als Physiotherapeut, eine große Unterstützung bei Übersetzung, Aufklärung und Dokumentation.

Während die ersten OP-Tage bereits in der ersten Triage verplant wurden, füllten sich die verbleibenden Slots, indem zeiteffizient abwechselnd ein Operateur in der Narkoseein- & -ausleitungsphase seines Saals einige Sichtungen vornahm, sodass mit ca. 85 Patienten in 8 Tagen beide Säle ausgelastet waren. Das Spektrum der Eingriffe reichte von kleineren Operationen in örtlicher Betäubung über diffizile Mehrstünder im MKG-Saal (Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalt-OPs, Parotistumorresektion, Nomadeffektdeckung, u.a.) und den (leider) klassischen Interplast-Eingriffen wie dem Lösen von Verbrennungskontrakturen, Syndaktylien, Phokomelierekonstruktionen etc. bis zu ganztägigen Verbrennungsplastiken mit freier Lappendeckung. Besonders beeindruckt hat mich ein Eingriff bei einem Patienten, der vor Jahren durch eine Schnittverletzung auf der Beugerseite des Handgelenks Mobilität und Sensibilität verlor. Durch Mobilisation der wiederauffindbaren Sehnen- & Nervenbahnstümpfe und deren Readaption konnte ihm zum Teil die Greiffunktion und hoffentlich in Zukunft auch das „Fingerspitzengefühl“ zurückgegeben werden.

Warten auf den Verbandswechsel

Zu all dieser Professionalität gehörte auch, wie reibungslos das Team in den Krankenhausbetrieb integriert war. Laboruntersuchungen waren jederzeit & unkompliziert möglich, die deutschen Operateure wurden von den lokalen Ärzten bei komplizierten Fällen zu Rate gezogen und das Team zögerte auch nicht, insbesondere bei einem kritischen Fall, die einheimischen Ärzte an den Tisch zu holen.

Daniel und Kurt in Aktion

Leider hatte das Personal vor Ort durch ihre Verpflichtungen zu wenig Zeit, dem Angebot nach Weiterbildung durch die deutschen Ärzte folgen zu können. Damit die Hilfe zur Selbsthilfe, die den Interplast-Mitgliedern ein Anliegen zu sein scheint, nicht zu kurz kommt, wurde überlegt, schon vor dem Einsatz mit der Krankenhausverwaltung in Kontakt zu treten, um den Mitarbeitern Zeitfernster zu schaffen, in denen sie dem Team zur Hand gehen und geschult werden können. Außerdem wurden die Möglichkeiten sondiert, bereits in einigem zeitlichen Abstand vor dem Trip eine ausführliche Aufstellung der zu erwartenden Fälle zu erhalten, um die Einsatzplanung zu erleichtern und die Abarbeitung der Fälle vom ersten Tag an mit den Nachsorgeintensivsten beginnen zu können und so auch den weniger dringlichen Fällen, die mit Bitte um Behandlung zum Team kamen, adäquat helfen zu können.
Besonders gefreut hat mich auch die produktive Stimmung im Team. Nach Arbeitstagen, die bei Sonnenaufgang begonnen und mit mit dem Abendessen erst lange nach Einbruch der Dunkelheit endeten, hat es mich überrascht, wie selbstverständlich der Abend noch in gemeinsamer Runde zum Ausklang gebracht wurde, um die Erlebnisse des Tagen auch kritisch noch Revue passieren zu lassen.

Eine zufriedene Patientin

Tragisch waren die Fälle jener Kinder mit akuten großflächigen und massiven Verbrennungen, die während unseres Aufenthalts laufend eingeliefert wurden und für die das Team, außer mit Hilfestellung bei der Wundversorgung, nichts tun konnte – außer zu hoffen, dass sie die nächsten Wochen und Monate überstehen und ihnen beim Interplast-Camp 2017 geholfen werden kann.

Persönlich bin ich dem Team um PD Dr. Daniel Tilkorn dankbar, mich so herzlich in ihre Runde aufgenommen zu haben und meinen unzähligen Fragen geduldig Antwort gestanden, sowie mich sinnvollerweise im Screening und der Organisation eingesetzt zu haben. Es wäre schön, wenn mein Beitrag dem Team etwas Entlastung gebracht hat und hoffe, dass Interplast vielen weiteren Kommilitonen während ihrer Studienzeit ähnlich wertvolle Erfahrungen ermöglichen wird.

Team Ndanda 2016

Alexander Schneller, Stud. med.
Team:
Karin Ammenwerth OP-Schwester

Kurt Baudisch OP- Pfleger

Michael Bergermann MKG-Chirurg

Maria Hollenbrink  Anästhesie – Schwester

Gabriele La Rose Anästhesistin

Alexander Schneller    Stud. med.

BerndSchneller   Anästhesist

Daniel Tilkorn  Plast. Chirurg und Einsatzleiter