Einsatz der Sektion Vreden in Kamuli/Uganda 18.Februar bis 5.März 2017

Mittwoch, 8. März 2017

INTERPLAST-Germany e.V. Sektion Vreden; Dr.Arnulf Lehmköster

Bericht über den dritten Einsatz der Sektion Vreden in Kamuli/Uganda

18.Februar bis 5.März

Teilnehmer:

Dr.Paul Reinhold, Anästhesist, Herford

Julika Bruttel, Würzburg, Anästhesie-Schwester

Lukasz Repich, Borken, Assistenzarzt Plastische Chirurgie

Wolfgang Bertelmann, Vreden/Stadtlohn, OP-Pfleger

Dr.Arnulf Lehmköster, Vreden/Stadtlohn, Plastischer Chirurg und Teamleiter

 

Nun schon zum dritten Mal gings für uns ins Kamuli-Mission-Hospital in Uganda. BrusselsAirlines hatte uns dankenswerterweise wieder ein kostenloses Kontingent für Übergepäck genehmigt, Thorsten uns in gewohnt sicherer Weise zum Flughafen nach Brüssel gebracht mit dem VW-Bus, den uns das Gesundheitszentrum Vreden wieder zur Verfügung gestellt hat; danke allen dafür!

Moses, der Fahrer der Klinik, empfing uns am Flughafen Entebbe, um Mitternacht erreichten wir das Gästehaus der Klinik, wo Goretti, unsere Köchin und “Herbergsmutter” für die nächsten 2 Wochen uns empfing. Nach kurzer Nachtruhe sahen wir am nächsten Morgen den frisch renovierten OP-Trakt. 80.000,- € haben wir von der Sektion Vreden dank unserer treuen Spender dort investieren können. Alles hygienisch frisch gestrichen, Arbeitsplatten aus Granit (landestypisch), Schränke aus Aluminium und Glas; darüberhinaus zentrale Sauerstoffversorgung in allen drei OPs und im Aufwachraum, Klimaanlage – Respekt, was sie dort mit dieser Summe bewältigen konnten!

Dr.Moses, der uns die nächsten 14 Tage nicht von der Seite rückte, hatte eine sehr gute Patientenvorauswahl getroffen und auch Rose, die leitende Schwester der chirurgischen Station, waren sofort zur Stelle und überraschten uns die ganze Zeit mit ständiger Präsenz und Pünktlichkeit, was die Zahl der Patienten, die wir operieren konnten, sicher erhöhte. Geht doch!, möchte man an manch andere Stelle melden…

Die Indikationen unserer Patienten waren vielfältig: viele Verbrennungskontrakturen, wie immer auf unseren Einsätzen; auch eine extrem stark frisch- verbrannte Hand bei einem 15-jährigen Mädchen konnten wir retten. Unvergessen wird uns allen der 35-Jährige bleiben, der an einen kopfgroßen Tumor, ausgehend von der Ohrspeicheldrüse, litt und über all die Jahre niemanden gefunden hatte, der ihn von seinem Riesen-Tumor befreite. Natürlich waren wir alle nach geglücktem Eingriff sehr froh, am meisten der Patient.

So vergingen die 9 OP-Tage mit 8-10 OP-Stunden am Tag rasch. Zwischen den OPs konnten wir eine Reihe im Vorjahr Operierter, die Moses einbestellt hatte, sehen. Beglückend, wie nachhaltig doch das Leben mancher sich in so kurzer Zeit positiv gewandelt hat. Eine besondere Begegnung war die mit unserem Patienten Geoffrey des letzten Jahres, der mit 40% verbrannter Körperoberfläche, die wir mit unseren Kollegen im Kamuli-Mission-Hospital mit Hauttransplantaten haben decken können, überlebte. Freudig nahm er die Narbenpflegepräparate, die ich ihm mitgebracht hatte, entgegen.

Wir trafen Geoffrey auf dem Weg zu den Itanda-Nilfällen am Sonntagnachmittag, einem Ausflug, auf dem uns viele Angehörige des Personals begleiteten. So konnten auch sie unseren ehemaligen gemeinsamen Patienten wiedersehen, und viele waren zuvor noch nie an den 60 km entfernt gelegenen Nilfällen.

Erwähnt werden muss nochmals Goretti, unsere Köchin, die uns täglich mit köstlichen Speisen verwöhnte.

Nach einem Abschiedsabend, zu dem bestimmt 30 Mitarbeiter der Klinik erschienen, gings am letzten Donnerstag in den Murchinson-Falls-Nationalpark. Meiner Bitte, am Samstag zuvor operieren zu können, um am Ende einen freien Tag zu haben, war die Klinikleitung gern nachgekommen. Überwältigend die Eindrücke, die die Landschaft mit den imposanten Nilfällen und der endlosen Steppe mit ihrer grandiosen Tierwelt auf uns machten!

Ca. 50 z.T. sehr große Eingriffe haben wir an 9 Operationstagen durchgeführt. Das Geld, welches ich im Vorjahr zur Verfügung gestellt hatte – 8o Tausend € -ist tadellos investiert worden. Mit Dr. Moses und Schwester Rose haben wir zwei extrem tüchtige, zuverlässige Mitarbeiter vor Ort, auch Dr.Andrew als Ärztlicher Direktor und Father Emmanuel als Verwaltungschef der Klinik erwecken Vertrauen.

So ist´s sicher nur konsequent, dass unser nächster Einsatz dorthin fürs nächste Jahr fest geplant ist. Im September fahren aber von unserer Sektion die Coesfelder Viszeralchirurgen zur Strumachirurgie dorthin.

 

Arnulf Lehmköster