Bericht über den Einsatz in Jalpaiguri/Chalsa im November 2005

 

Im Frühjahr 2005 hatte Mrs. Devi Rao gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen 100 Kinder mit angeborenen Missbildungen des Gesichtes gesammelt. Alle lebten in der engeren Umgebung von Jalpaiguri im Norden von Westbengalen, wo die Howrah South Point Association vier Heime für behinderte Kinder leitet.

Von diesen 100 Kindern konnten wir im Februar-März 2005 51 operieren bzw. die chirurgische Behandlung beginnen. Die restlichen 49 Patienten mussten wir vertrösten, obwohl alle nach unseren mitteleuropäischen Massstäben als dringende Fälle einzustufen waren. Auch war die medizinische Materialversorgung nicht ohne Probleme, da wir alles was nicht in Indien zu kaufen war, im persönlichen Handgepäck schleppen mussten. Dennoch waren die zweieinhalb Wochen im Chalsa-Teegarten-Hospital nützlich und erfolgreich. Es war bald klar, dass bereits ein weiterer Einsatz ein halbes Jahr später nach Ende der Monsunzeit notwendig sein würde, um wirklich konsequente Hilfe zu leisten. Ausserdem musste die Material-versorgung verbessert werden.

Zurückgekommen nach Deutschland haben wir dann sofort begonnen, die notwendigen Dinge zu sammeln, d. h. zum Teil zu kaufen, zum Teil zu erbetteln, zum Teil aus dem Bestand der Frankfurter Uni-Klinik zu erhalten. Unschätzbar war hierbei wieder die finanzielle Unterstützung durch Pro Interplast und besonders die unermüdliche Ermutigung durch Frau Huck. Das Foto zeigt, wie dringend unsere Hilfe gebraucht wird.

Diese Mutter mit ihrem Kind wurde von Frau und Herrn Huck in Kalkutta gesehen. Dipak, der Name des Kindes, ist schon über drei Jahre alt und ein bischen unterernährt, da er wegen seiner doppelseitigen LKG-Spalte nicht richtig essen kann. Auch sein Spracherwerb ist weit hinter den altersentsprechenden Erwartungen zurückgeblieben. So wurde Anfang Oktober ein grosser Container per Luftfracht nach Kalkutta geschickt . Da es sich nach unserer Meinung um reine Spenden handelte, erwarteten wir keine Probleme beim Zoll. Weit gefehlt! Der ganze Container blieb im Zollbereich hängen und niemand sah sich in der Lage, irgendetwas nützliches zu tun. Ich musste deshalb meinen Flug umbuchen und habe dann ganze fünf Tage benötigt, die Zollprobleme zu erledigen. Zum grossen Glück half mir Herr Dr, Roy, ein in Deutschland leben-der und in Kalkutta aufgewachsener Freund von Pro Interplast , diese nicht zu Dipak mit seiner Mutter. Foto: Huck schildernden Probleme zu meistern.

Danach hat es weitere fünf Tage gedauert, bis alles in Chalsa anlangte, da die Strassenverhältnisse am Ende der Monsunzeit katastrophal waren. Der gesamte Containerinhalt hatte die Reise jedoch schadlos überstanden. Da ich kostenfrei bei Herrn Dr. Roy wohnen konnte, fielen ausser schrecklich hohen Telefongebühren nach Deutschland keine weiteren Unsummen an. Das mit Frau Huck vertelefonierte Geld allerdings war für mich sehr trostreich, denn die Situation im Indischen Zoll ist nicht leicht zu überstehen.

Inzwischen waren natürlich alle anderen Teammitglieder in Chalsa eingetroffen und vertrieben sich die Zeit mit lustigen Erkundigungen über die Howrah South Point-Einrichtung und das Teegarten-Hospital und überhaupt die nähere Indische Umgebung. Trotz des strapaziösen Wartens gab es keine gereizte Stimmung, auch nicht bei Devi`s Mitarbeitern.

Endlich konnten wir dann am Sonntag den 13.11.2005 den ersten Patienten operieren. Es verlief alles so glatt und ohne Komplikationen, dass wir ohne die ursprünglich geplanten Sonntagsruhen durchgearbeitet haben und trotz der verlore-nen 5 Op.-Tage alle geplanten Patienten operieren und nachbehandeln konnten. Es waren insgesamt 44. Das gesamte Team war grossartig.

  • Pädiatrie: Dr. med. Dominik Ewald
  • Anästhesie: Dr. med. Christiane Veith
  • Sr. Kerstin Wanagat
  • Chirurgie: Dr. med. Julia Ziegler
  • Prof. Dr. med. Dr. Klaus Bitter

Zwischendurch hatte ich immer wieder Kontakt mit Frau Huck und hier ist die Gelegenheit, Ihr und dem gesamten Pro Interplast Seligenstadt Dank für die Finanzierung und die uns allen Sicherheit gebende psychologische Unterstützung zu sagen: Danke!

Devi und ihre Mitarbeiter sollen hier nicht nur erwähnt werden, sondern Ihnen gebührt ein ebenso grosser Dank für die in allen Belangen perfekte und wunderbare Versorgung.

Ich selbst blieb nach Ende der Operationszeit noch eine Woche länger in Jalpaiguri, um die letzten Patienten postoperativ zu versorgen und das Programm für die nächste Etappe festzulegen. Wenn unser Zeitplan einzuhalten ist und nicht wieder durchkreuzt wird von unvorhersehbaren Ereignissen, werde ich etwa 70 Patienten operieren müssen. Das wird gelingen, wenn die positive Bereitschaft aller Beteiligten erhalten bleibt. Einige Patienten mit unvollständigen Spaltbildungen sind jetzt bereits abschliessend behandelt und sorgen für reichlich Nachschub. Ein Bildpaar soll an dieser Stelle einen Eindruck vermitteln.

Hier sehen wir Bablu Das, einen Jungen im Alter von 12 Jahren. im Februar 2005 und im November 2005. Die Narbe an der Lippe ist nach einem ¾ Jahr noch nicht ganz reif und als helle Linie sichtbar. Die Zeit wird das ohne weitere Hilfe verbessern.

Zusätzlich zum glatten Ablauf der Behandlungen hatten wir wiederum das Glück, sowohl Mr. Gordon Fox, den Besitzer der Goodricke Corporation, als auch Mr. Peter Leggatt, den ersten Geschäftsführer des Konzerns, in Chalsa

anlässlich ihres Inspektionsbesuches zu treffen und mit ihnen zu sprechen. Beide Herren sind von unserer Arbeit positiv beeindruckt und bereit, die technischen und sanitären Verhältnisse des Krankenhauses weiter zu verbessern.

Alle Voraussetzungen sind also positiv und ich verknüpfe diese Feststellung mit einem erneuten Dank an Pro Interplast Seligenstadt und der Hoffnung, dass wir weiter arbeiten können.

 

Klaus Bitter

 

 

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