Interplast - Südbayern Einsatzbericht Zanjan/Iran 31.12.04-15.01.05

Team:

  • Dr. Andreas Schmidt (Teamleiter),
  • Dr. Ortwin Joch, Dr. Hubertus Tillkorn (Chirurgen),
  • Dr. Mechtild Kretschmer und Dr. Azita Salemi (Anästhesistinnen),
  • Conny Peschel und Martine Schmidt (OP-Schwestern)

Nach einem ersten Iran-Einsatz des Teams A. Borsche wurde für einen Einsatz in der Stadt Zanjan der Provinz Azerbeidjan in Persien ein Team gesucht. Geplant war ursprünglich November - für uns schien es viel einfacher den Termin in die Zeit der Weihnachtsferien zu legen. Dieser Vorschlag wurde sofort angenommen.

Initiator dieser Aktivitäten ist Dr. Abdol Behrawan, ein Soziologe, der 39 Jahre in Deutschland verbracht hat - die meisten davon als Dozent an der Universität Gießen. Nachdem er nach 39 Jahren im Exil in seine Heimat zurückgekehrt ist, war es ihm ein großes Anliegen, auf Grund seiner Freundschaft mit Dr. André Borsche durch Interplastteams den Ärmsten seiner Landsleute Hilfe auf unserem Spezialgebiet zukommen zu lassen.

Im Vorfeld der Reise hat er uns den Weg geebnet, was die Beantragung der Visa betraf, mit Iran-Air Übergepäck so gut wie unbegrenzt vereinbart und am Einsatzort mit den dort Verantwortlichen die Infrastruktur gesichtet, ein geeignetes Krankenhaus ausgewählt, den bevorstehenden Einsatz rechtzeitig bekannt gemacht und damit ein ungeheures Echo in der Region erreicht.

Nach glaubhaften Berichten waren bis zu unserem Eintreffen mehr als 5.000 Patienten von den dortigen Ärzten gesehen und nach Eignung ausgesucht worden. Nach dieser gewaltigen Anstrengung bereits im Vorfeld blieben die Kollegen während unseres Einsatzes ebenso hilfsbereit wie wissbegierig.

 

Die Zusammenarbeit mit den Ärzten, Schwestern und Pflegern war so gut, wie ich es selten erlebt hatte. Von der Krankenhausleitung war ein Teil des Personals unserem Team ganz offiziell zugeteilt. Das Interesse und die Offenheit der meisten Mitarbeiter hat uns eine angenehme Arbeitsatmosphäre geschaffen. In 10 Arbeitstagen wurden 160 Patienten operiert. Bemerkenswert war das Spektrum an Operationen:

ganz im Gegensatz zu allen bisherigen Erfahrungen waren kaum Kinder unter den Patienten; Lippenspalten werden offensichtlich durchgehend im frühen Kindesalter versorgt. Einige Revisionen operierter Lippen waren im Programm, <10 Gaumenspalten, vereinzelt Klumpfuß oder Polio, überraschend viele Handmissbildungen und ganz überwiegend (80%) Jugendliche und sehr viele Erwachsene mit den bekannten Verbrennungskontrakturen aller Körperregionen. Die dadurch entstandene Fehlkalkulation bezüglich der Narkosemedikamente konnte zum Glück ausgeglichen werden, da wir vom Krankenhaus für die letzten zwei Tage Propofol erhalten konnten.

Schon zu unserer Ankunft war eine Pressekonferenz arrangiert, die auf einem Parkplatz am Ende der Autobahn kurz vor Zanjan abgehalten wurde. Presse, Funk und Fernsehen waren da. Zu unserer Begrüßung war auch Prof. Khani, Dekan der medizinischen Fakultät und stellvertretender Gesundheitsminister von Iran, gekommen. Er war, so weit seine eigene Tätigkeit es zuließ, zwei Wochen sehr nahe an unserer Arbeit und hat vor Ort möglich gemacht, was für uns nötig war. Das öffentliche Interesse in Form von Kamerabegleitung jeden Handgriffs ließ erst nach, als wir um etwas mehr Ruhe bei unserer Arbeit baten.

Am Freitag wurde ein reichhaltiges Programm mit Besichtigung örtlicher Sehenswürdigkeiten für uns arrangiert, Höhepunkt war der Besuch des „Soltanieh Dome“, ein wuchtiger Sakralbau,der vor 700 Jahren von einem mongolischen Fürsten erbaut wurde. Die Kuppel ist die drittgrößte der Welt und die größte, die aus Ziegelsteinen erbaut ist. Natürlich endete der Ausflug bei einem reichhaltigen Essen im ehemaligen Hamam dieser Anlage, das jetzt zum Restaurantverwandelt ist.

In dieser gastfreundlichen Umgebung waren wir mehrmals zum Essen eingeladen: vom Gouverneur in einer ehemaligen Karawanserei (sehr malerische Umgebung), von Prof. Khani im Namen der Fakultät sowie privat in einem Restaurant am Berg. Alles wurde übertroffen von dem Empfang zu unserer Verabschiedung mit vielen Reden, Gebeten, Geschenken und einem abschließenden Mahl. Zu unserer großen Freude waren zu dieser Veranstaltung alle Mitarbeiter des Krankenhauses eingeladen und, soweit sie nicht im Dienst waren, auch erschienen. So konnten wir mit den vielen Menschen, die uns in diesen zwei Wochen vertraut geworden waren, den Abschied wirklich feiern. Die weiblichen Teammitglieder hatten die größte Freude daran, zum Essen den Tisch der Honoratioren zu verlassen und bei den Schwestern Platz zu nehmen. Ich weiß nicht wie viele Fotos von allen Seiten gemacht wurden.

 

Meine Erinnerung an diesen Einsatz ist lebendig und wärmt mir das Herz.

 

MK

Unser Dank geht an alle, die mitgewirkt haben.

 

Das Interplastteam Südbayern

 

 

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Einsatzberichte 2010

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