Team:
- Dr. Guel Schmidt (MKG-Chirurgin, Berlin)
- Prof. Dr. Klaus Bitter (MKG-Chirurg, Frankfurt/Main)
- Carsten Schultz (Anästhesist, Berlin)
- Dr. Stephan-Matthias Reyle-Hahn (Anästhesist, Berlin)
- Dr. Andrea Loebell-Buch (Pädiaterin, Berlin)
- Heike Baaske (Anästhesie-Pflege)
- Carola Otto (OP-Schwester)
Im April 2004 telefonierte Andrea Loebell-Buch nach einem Interplast-Einsatz in Kodaikanal/Tamilnadu mit Frau Huck von pro interplast Seligenstadt e.V. und wurde von ihr gefragt,ob sie einen MKG - Chirurgen oder Chirurgin kenne,die nach Jalpaiguri in Westbengalen fahren möchte,um dort die vielen Kinder aus „Howrah South Point“mit LKGspalten zu operieren.
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Ihr fiel sofort Gül Schmidt aus der Charite´Berlin ein,zumal sie schon mit einem Interplastteam in Indien gewesen war.Nach wenigen Gesprächen waren wir entschlossen nach Indien zu fahren und begannen,die Gruppe zusammenzustellen. Gleichzeitig fing die Planung des Projektes an: Frau Huck stellte eine Verbindung zu Devi,der Präsidentin von Howrah South Point, her.Sie unterstützte uns in zahlreichen Telefonaten und e-mails in organisatorischen und finanziellen Fragen – sicher über einen Zeitraum von einem halben Jahr. Devi schickte manchmal täglich mails, um dann wieder für Wochen zu verstummen.Sie stellte eine Liste von fast 100 Kindern zusammen,die eine Operation brauchten und fand auch ein Krankenhaus – nur 2 ½ Autostunden von Jalpaiguri entfernt – und nach grossen Mühen,erst kurz vor unserer Ankunft auch ein Bungalow, in dem wir alle untergebracht wurden. Hotels gibt es in dieser Gegend weit und breit nicht.
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Eine Kinderärztin aus Kempten,die für Ärzte für die 3.Welt in Kolkata arbeitete,machte einen „Ausflug“ nach Jalpaiguri und guckte sich das Krankenhaus ,in dem wir arbeiten würden an, machte Fotos und schickte uns einen sehr detaillierten Bericht: das Krankenhaus gehört der Goodricke Group Ltd. ,einer englischen Teegesellschaft und ist in Chalsa in Westbengalen.Der Operationssaal wird seit mehreren Jahren nicht mehr genutzt,da der Leiter des Krankenhauses Internist ist. Ein Chirurg und ein Gynäkologe haben das Krankenhaus vor einigen Jahren verlassen, da sich ihnen anderenorts vielversprechendere Einkommensmöglichkeiten boten. Die hauptsächliche Arbeit des Krankenhauses besteht aus der Behandlung von Malaria sowie Gastroenteritiden während der Ernteperiode von Ende März bis November.
Im November 2004 war dann die siebenköpfige Gruppe gefunden und die Vorbereitungen für den Einsatz konnten beginnen. Aus den Informationen unser deutschen Kollegin wussten wir, das wir einzig mit einem funktionierenden Sterilisationsgerät für unsere Arbeit rechnen konnten. Die Bereitschaft von British Airways größere Mengen Übergepäck zu akzeptieren war leider sehr beschränkt, so dass wir einen Teil unseres Materials (200Kg) bereits Anfang Januar via Luftfracht nach Kalkutta schickten. Nach einer Sammelaktion für Stofftiere im Evangelischen Waldkrankenhaus Spandau und an mehreren Berliner Schulen standen wir dann Anfang Februar mit weiteren 300 Kg Gepäck auf dem Flughafen Berlin-Tegel und hofften auf die Gnade von British Airways die zugesagten 35 Kg pro Person noch ein wenig ohne Mehrkosten überschreiten zu dürfen.
Nach vielen Stunden Flug kamen wir um 6.00 Uhr morgens Ortszeit in Kolkata an und wurden von Mr. Robi, einem Lehrer von Howrah South Point, sehr herzlich empfangen.
Entsprechend unser Planung sollten wir dann gegen Mittag nach Bagdogra in West-Bengalen weiterfliegen, um schließlich nach weiteren zweieinhalb Stunden Autofahrt in unserem Zielort Chalsa anzukommen. Dr. Reyle-Hahn machte sich auf den Weg, um das per Luftfracht abgeschickte Gepäck im Cargo Terminal von Kolkata abzuholen. Dies einfache Vorhaben stellte sich sehr schnell als großes Problem dar, da als Empfänger der Luftfracht das Krankenhaus in Chalsa, welches nicht als gemeinnützig anerkannt ist, angegeben worden war. Schnell wurde klar, dass das Problem sich nicht bis zum geplanten Anschlussflug klären lies und Dr. Reyle-Hahn stellte sich auf einen Tag im Zollgebäude in Kolkataein.
Die anderen Kollegen nahmen den geplanten Anschlussflug nach Bagdogra, einer etwa 800 km entfernten Stadt nördlich von Kolkata in der Provinz Westbengalen. Von dort ging es dann etwa 2 Stunden weiter per Auto weiter bis zu unserem Ziel, der Kleinstadt Chalsa. Nach einem herzlichen Empfang durch die Kinder und Leiterinnen von Howrah South Point begannen wir am folgenden Tag mit den Vorbereitungen unserer Arbeit. Die ersten zwei Tage wurden alle Kinder und Erwachsene, die den Wohltätigskeitsorganisationen bekannt waren, zum Krankenhaus befördert und von unserer Kinderärztin Frau Dr. Andrea Loebell-Buch sowie den beiden Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgen Frau Dr. Schmidt und Herrn Prof. Bitter untersucht. Schon am ersten Tag bzw. nach mehr als 60 Kindern wurde klar, dass es mehr Patienten gab als mögliche Op-Kapazitäten in den nächsten 14 Tagen. Am zweiten Tag kam dann Dr. Reyle-Hahn mit dem restlichen Materialien in Chalsa an und am gleichen Abend wurde mit der Arbeit begonnen.
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So folgten insgesamt 12 Op-Tage mit täglich 4-5 Operationen. Die Tage flogen nur so dahin, Aufstehen um 6.00 Uhr, Waschen mit fließendem Wasser aus einem Wassereimer, Frühstück, Fahrt in das Krankenhaus. OP-Beginn und Schnitt um 8.00 Uhr, Mittagessen in Schichten, was bei den Indern Kopfschütteln auslöste, da das kollektive Essen einen hohen Stellenwert hat, weiterarbeiten im OP und auf der Station bis gegen 18.00 Uhr. Fahrt zurück in unser Haus und Abendessen. Danach fuhr ein Teil der Ärzte nochmals zurück zur Visite auf der Station. Ziemlich erledigt zogen wir uns dann gegen 22.00 Uhr auf unsere Terrasse zurück.
Am ersten freien Wochenende nach 8 Tagen Arbeit besuchten wir drei Kinderheime von Howrah South Point in Jalpaiguri und verbrachten einen Nacht in einem Gästehaus der indischen Bezirksregierung in einem Nauturschutzreservat, um „wilde“ exotische Tiere sehen zu können. Leider blieb diese Erfahrung auf ein Minimum beschränkt und unsere Gruppe war sicherlich der exotischste Punkt der umgebenden Landschaft.
Nach weiteren 5 Tagen im Krankenhaus hatten wir es dann geschafft. Insgesamt 51 Kinder und Jugendliche waren erfolgreich und ohne Komplikationen operiert worden. Bei 21 Patienten wird eine weitere Operation im kommenden Jahr notwendig werden, da wir uns als Gruppe für den optimalen kosmetischen Weg der Versorgung entschieden haben und nicht nur zum bloßen Verschluss der Lippen- und/oder Gaumenspalten.
Die letzen zwei Tage unseres Aufenthaltes verbrachten wir dann in Kolkata. Der Aufenthalt dort bleibt uns sehr lange im Gedächtnis, da hier sowohl der Bevölkerungsreichtum Indiens auf der einen Seite und die Armut auf der anderen Seite besonders deutlich werden.
Das Projekt wurde finanziell von pro interplast Seligenstadt e.V. getragen und wäre ohne die erfahrene und liebevolle Beratung von Frau Huck nicht möglich gewesen. Vielen Dank.
Heike Baaske, Matthias Reyle-Hahn, Andrea Loebell-Buch
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