Sektion Schopfheim: Salama / Guatemala / Mittelamerika 2005

Bereits zum 4. Mal in Folge reiste die Sektion Schopfheim im Februar 2005 zu einem Hilfseinsatz nach Salama, der Bezirkshauptstadt der Region Verapaz, etwa 150 km nördlich der Hauptstadt Guatemala City gelegen.

Das Team traf sich am Flughafen in Frankfurt, wo nach einer umständlichen Be-fragung und Überprüfung durch die Mitarbeiter von American Airlines erst einmal ein zünftiges „Willkommensfest“ von André Borsche initiiert wurde, der das Schopfheimer Team in diesem Jahr zusammen mit seiner Frau Eva begleitete.

Die Reise nach Guatemala verlief ohne Zwischenfälle. Am Flughafen in Guatemala City wurden wir, wie jedes Jahr, von den Mitgliedern der Hilfsorganisation Mujer Pilar de la Sociedad, begrüßt, welche uns seit dem ersten Einsatz in Guatemala betreut und die Organisation vor Ort übernimmt. Nach einer Übernachtung in der Hauptstadt fuhren wir mit zwei Fahrzeugen nach Salama, einer unscheinbaren, staubigen Arbeiterstadt, welche das einzige Krankenhaus im Umkreis von etwa 100 km besitzt.

Es war fast wieder wie eine Heimkehr als wir die Freundlichkeit der Einheimischen erleben durften welche uns wie Bekannte auf dem Weg zum Krankenhaus begrüßten und uns stets zuvorkommend behandelten.

Das Krankenhaus mit 100 Betten ist aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Situation im Vergleich zu den vergangenen Einsätzen weiter dem baulichen Verfall preisgegeben. Auch die Situation im OP – Bereich hat sich weiter verschlechtert, so dass vor allem das Anästhesieteam mit der schlechten Gerätesituation vor Ort zu kämpfen hatte. Glücklicherweise hatten wir aber alles Notwendige, angefangen von Verbandsmaterialien bis zu Narkosemitteln im Gepäck, um mit den Umständen verantwortlich umgehen zu können.

Die Betreuung der Patienten auf den Stationen bleibt dem europäischen Betrachter weiterhin ein Rätsel; das System funktioniert aber stabil!

Das Interesse vor Ort durch die Mitarbeiter des Krankenhauses war auch diesesmal gleich Null. Wir wurden zwar freundlich empfangen und einmal auch um Mithilfe gebeten; ein Interesse an unserer Tätigkeit war ansonsten jedoch nicht zu bemerken.

Die Anreise mit einem großen Team war also auch in diesem Jahr wieder absolut gerechtfertigt, denn jede Hand wurde gebraucht, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Es zahlte sich auch absolut aus, in diesem Jahr 3 spanisch sprechende Mitarbeiter dabei zu haben die einerseits bei der Vorstellung der Patienten wertvolle Hilfe leisten und andererseits im OP die Patienten anleiten und beruhigen konnten.

Am Tag unserer Ankunft wurden wir bereits wieder von einer großen Patientenschar erwartet, welche untersucht und selektiert wurde. Danach erfolgte die Einteilung in die OP – Pläne, was zeitweise zu Verzögerungen führte, da die einheimischen Helfer ein eigenes System und Statistik zur Anwendung brachte. Es war über längere Strecken die Unterscheidung von Untersuchten und zu Untersuchenden nicht klar, aber wie immer bei solchen Einsätzen konnte alles für alle Seiten zur Zufriedenheit arrangiert werden.

Die Unterbringung des Teams erfolgte in einem Hotel etwa 10 Gehminuten vom Hospital entfernt. Hier hatten wir bereits letztes Jahr gewohnt und fanden auch in diesem Jahr eine saubere und angenehme Unterkunft vor.

Die Verpflegung wurde am Morgen von der Krankenhausküche übernommen, hier wurde uns eine reichhaltige Auswahl an Obst geboten; ansonsten konnten wir uns mit Rühreiern und Pancakes in großer Menge stärken.

Soweit es der OP-Ablauf erlaubte, gab es ab und an auch Mittagessen im Krankenhaus.

Abends wurden wir die meiste Zeit von Verschiedenen Organisationen zu Festlichkeiten geladen, wo die Freude über unsere Arbeit zum Ausdruck gebracht wurde.

Ein wirklich grandioses Erlebnis war in diesem Jahr die extra für uns organisierte Aufführung des staatlichen Balletts, welches uns einen Überblick über die Geschichte und Traditionen des Landes zeigte.

Das Wochenende wurde zum Besuch einer Kaffeeplantage genutzt. Ein Teil der mitgereisten Mitglieder des Teams war hier bereits 2 Jahre zuvor gewesen, für die anderen war es eine wunderbare Tour, bei der man ganz neue Eindrücke des Landes sammeln konnte.

Es wurde aber nicht nur gegessen, gereist und gefeiert, sondern wieder in zwei Operationssälen parallel gearbeitet. Es wurden unzählige Lippen-Kiefer-Gaumenspalten und Verbrennungsfolgen operiert. Auffällig ist in Guatemala die extrem hohe Zahl an Missbildungen. Ohrdeformitäten, sowie Syndaktylien und Polydaktylien kommen hier in unvorstellbarer Menge vor, so dass wir diese Fälle in entsprechen großer Menge zu operieren hatten. Aber auch frische Verletzungen wurden uns zur Versorgung weitergereicht. So konnten wir einem 5 jährigen Jungen, welcher sich beim „Zorrospielen“ mit der Machete eine inkomplette Amputation des linken Daumenstrahles zugezogen hatte, erfolgreich sämtliche Strukturen rekonstruieren. Aufgrund fehlenden Materials wurde die Osteosynthese mittels zweier gekreuzter 1er Kanülen durchgeführt; es konnte damit eine stabile und exakte Frakturstellung erzielt werden.

 

Ein Junge wurde uns inzwischen zum 4. Mal vorgestellt. Nachdem wir in den vergangenen Jahren bereits die Beweglichkeit seines schwer verbrannten Körpers verbessern konnten begab er sich zur nächsten Korrektur in unsere Obhut.

Es ist jedes Jahr wieder eine Freude, in seine strahlenden Augen zu sehen und zu erleben, mit welchem Optimismus er sein Leben meistert.

Nachdem er im Jahr zuvor noch sein Traumziel mit Boxer angegeben hatte, wollte er diesmal zusammen mit einem anderen Jungen ein Baugeschäft gründen.

 

An den 10 Operationstagen konnten wieder etwa 120 Eingriffe durchgeführt werden, davon ein Grossteil in Allgemeinnarkose. Die Leistung des Anästhesieteams kann nur schwer genügend gewürdigt werden, alles klappte trotz schlechter Bedingungen vor Ort tadellos!

 

Nach dem durchgeführten Einsatz hatten sich die Mitglieder des Teams, welche bis zum Ende dageblieben waren ( André und Eva Borsche mussten wegen der Interplast-Jahrestagung bereits früher den Rückflug antreten ) noch eine abschließende Reise zum Atitlansee redlich verdient, ehe wir nach einer letzten Übernachtung in der ehemaligen Hauptstadt Antigua alle wohlbehalten den Rückflug antreten konnten.

Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals herzlich bedanken bei meinem Team:

 

  • Drs.André und Eva Borsche, Bad Kreuznach
  • Dr. Andreas Rudolph, Schopfheim

 

Den Anästhesisten :

  • Dr. Ernst Eichel, Lörrach
  • Dr. Peter Urbasek, Engelskirchen
  • Den OP – Schwestern :
  • Ana-Maria Lazaro,
  • Marianne Zabel, Schopfheim
  • Den Anästhesie – Schwestern :
  • Marion Urbasek, Engelskirchen
  • Sabrina Zimmermann, DRK Lörrach
  • Dem techn. u Dok. – Assistenten: Oliver Zabel

 

Mein besonderer Dank gilt besonders wieder Frau Waltraud Huck, Pro – Interplast, für ihre unermüdliche Unterstützung sowie allen privaten und Firmenspendern, die auch diesen Einsatz erst wieder ermöglicht haben.

 

Günter Zabel, Sektion Schopfheim

 

 

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Einsatzberichte 2009

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