Sektion Schopfheim : Manyemen / Kamerun 2005

Traditionell flog Ende November ein Team unserer Sektion zum inzwischen 8. Einsatz in das im Busch gelegene Krankenhaus nach Manyemen im Südwesten Kameruns.

Unvergessen waren uns noch die verheerenden Zustände bei Air Cameroun aus dem Vorjahr. Beim Abflug 2004 war ein Schwarm Marabus in das linke Triebwerk geraten. Bei der eingeleiteten Vollbremsung aus voller Startgeschwindigkeit waren damals die Reifen des linken Fahrwerks geplatzt und in Brand geraten.

Nach erfolgtem Radwechsel (mit einfachsten Mitteln im Schein einer Taschenlampe) waren wir damals mit immenser Verspätung mit derselben Maschine zum Glück wohlbehalten wieder in der Heimat gelandet.

Nach diesen Erfahrungen wählten wir diesmal Air France, zumal hier auch die Abfertigung des Übergepäcks großzügiger erfolgte. So konnten wir bei diesem Einsatz 40 kg Gepäck pro Kopf einrechnen, was zwar wie üblich nicht ausreichte; die Bezahlung für das zuviel mitgebrachte Equipment war jedoch sehr günstig!

Der Flug erfolgte von dem für uns am nächsten gelegenen Flughafen Basel / Mulhouse über Paris nach Douala am frühen Samstag Morgen. Nach einer Übernachtung in der dort gelegenen Baptist Mission erfolgte dann am Sonntag die Reise in einem Pickup und einem kleinen Bus. Auf halber Wegstrecke mussten dann die Passagiere des Busses in einen alten Toyota PKW für die zweite Hälfte des Weges umsteigen.

Das Auto erweckte den Eindruck als seien damit schon mehrere Stockcarrennen bestritten worden aber wider allen Erwartungen überstand es die Fahrt über die Schlaglochpisten an den Zielort Manyemen im englischsprechenden Teil des Landes.

Nachdem wir im vorangegangenen Jahr wegen der verlängerten Regenzeit Pech mit dem Wetter hatten, konnten wir bei diesem Einsatz bis auf wenige Regenfälle trockenen Fußes in das Krankenhaus und am Abend wieder nach Hause gelangen.

Das 6köpfige Team konnte wie geplant am Montag Morgen die Arbeit aufnehmen. Während wir Ärzte die ersten Patienten sichteten und den OP – Plan erstellten räumten unsere Op- und Anästhesieschwestern Anne Siegfried und Sabrina Zimmermann das Gepäck aus und bereiteten den OP für die ersten Eingriffe vor, die am Nachmittag des ersten Tages durchgeführt wurden.

Wir konnten während des Aufenthaltes fast die ganze Zeit über den OP – Saal mit den beiden darin befindlichen, nur durch eine spanische Wand getrennten OP –Tischen nutzen. Lediglich für einige Notfalleingriffe inklusive einer Sectio benötigte das einheimische Team einen Tisch und baten unsere Anästhesie dabei auch um Unterstützung.

Das Krankenhaus mit 120 Betten war auch in diesem Jahr bei weitem nicht voll belegt, die Gründe dafür sind nicht ganz klar zu durchschauen. Da die Geburtenzahl in den letzten zwei Jahren aber um ca. die Hälfte gesunken ist, liegt der Verdacht, dass die produzierende Bevölkerungsschicht aufgrund der Folgen durch AIDS ebenfalls rückläufig ist, nahe.

Wir hatten vor ein paar Jahren während eines Einsatzes bereits bei über 50 % der Patienten HIV diagnostiziert, die Quote dürfte inzwischen eher darüber liegen!

Das Personal des Krankenhauses stand uns wieder hilfsbereit zur Seite, im OP waren alle sehr an der Weitergabe unseres Wissens interessiert und bis zum Arbeitsende war stets jemand anwesend, um noch bei der Aufarbeitung der Instrumente und der Beschickung des Steris zu helfen.

Das Krankenhaus in Manyemen wird seit Ende letzten Jahres von Dr. Ulrike Kohlmeyer aus Hannover geleitet. Frau Kohlmeyer hatte die Leitungsposition unvorbereitet übertragen bekommen, als ihr holländischer Vorgänger wegen unüberwindbarer Meinungsdifferenzen mit den Verwaltungsorganen das Handtuch geworfen hatte.

Es war eine Freude für uns zu sehen, mit welch einem Optimismus und Elan die junge Ärztin ihre Aufgabe bewältigt.

Auch wir profitierten in diesem Jahr direkt von der neuen Leitung; Ulrike Kohlmeyer hatte es geschafft, die einheimischen Techniker und Handwerker zu motivieren, die bereits seit mehreren Jahren vorhandene Turbine zur Wasserersorgung zu installieren. Nachdem die von Seiten der Presbyterian Church Cameroun (PCC) angekündigten deutschen Helfer nie eingetroffen waren, um die Installation zu übernehmen, können die Beteiligten nun wirklich stolz auf ihr Werk sein.

Auch wir freuten uns sehr über das erstmalige Vorhandensein von fließend Wasser während der gesamten Zeit.

Während unseres Aufenthaltes wurden wir wieder von Eunice und Manuel bekocht; die beiden standen uns nun zum dritten Mal in Folge zu Diensten und hatten sich schon auf unser Wiedersehen gefreut. Der komplette Aufenthalt wurde von allen ohne gesundheitliche Probleme überstanden; auch die Moskitos behelligten uns diesmal nur wenig.

Die Arbeit im OP fand wie immer unter extremen Temperaturen bei fast 100 Prozent Luftfeuchtigkeit statt. Der Flüssigkeitsverlust wurde durch die Zufuhr von reichlich gekauften Mineralwasser und frischem Obst gedeckt.

Insgesamt konnten wir 51 Patienten in insgesamt 64 Operationen versorgen. Das Spektrum umfasste wie üblich die Lippenspalten und Verbrennungsfolgen und die in Afrika weit verbreiteten ausgedehnten Narbenkeloide. Weiter zunehmend ist die Anzahl der Tumore – eventuell auch eine Folge von HIV Infektionen ?!

Das bedeutet natürlich auch für die Mitarbeiter ein entsprechend hohes Risiko, so dass hier all denen gedankt sein muss, die an einem Einsatz in einem solchen gefährlichen Umfeld teilnehmen.

Der nächste Einsatz ist für Ende November 2005 vorgemerkt. Es bleibt aber mit einer gewissen Spannung die weitere Entwicklung der Situation im Manyemen – Hospital abzuwarten. Die PCC lässt es nach wie vor an Unterstützung mangeln; anstatt Geld zu investieren wird nach wie vor versucht, eher Geld abzuziehen – mit fatalen Folgen für die Patienten in der Region!

Wir werden aber weiter engen Kontakt zu Ulrike Kohlmeyer halten und sie, soweit möglich, bei ihrer Arbeit unterstützen.

Ich darf mich an diese Stelle herzlich bei meinem Team für die Mitarbeit bei diesem wunderschönen Einsatz bedanken:

 

Dem Anästhesie Team :

Dr. Ernst Eichel St.Elisabethen, Lörrach und Sr. Sabrina Zimmermann, DRK Lörrach

Meinem Assistenten :

  • Dr. Andreas Rudolph, plast. Chirurgie, Schopfheim
  • OP- Pflege:
  • Sr. Anne Siegfried, OP – Leitung, Schopfheim
  • Dokumentation u Logistik:
  • Helmut Sammer, technischer Assistent, Tamm
  • sowie Dr. Ulrike Kohlmeyer, Dr. Ijah und Dr. Kenneth, Manyemen
  • Günter Zabel, Sektion Schopfheim

 

 

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Einsatzberichte 2009

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