|
Teilnehmer:
- Dr. Paul J. Edelmann, Frankfurt
- Sr. Ute Opitz, Frankfurt
- Noemi Gonzales-Munoz, Ärztin aus Berlin
Der Abflug von Frankfurt nach Moskau erfolgte am 15.09.2005, von dort ging es mit einer Tupolew 154 nach Tomsk weiter. Wir kamen am 16.09.2005 um 6:15h an und wurden von Herrn Prof. Baitinger und seinem Team abgeholt.
Am 17.09. wurden 58 Patienten im Alter von 1 bis 16 Jahren vom Team Prof. Baitinger und uns untersucht. 24 dieser Patienten sollten von uns in den kommenden Tagen operativ behandelt werden – 3 Patienten pro Tag.
Wir führten folgende 42 Operationen zwischen Sonntag, 18.09. und Sonntag, 25.09. an den jungen Patienten durch:
- 5 Gaumenspalten
- 4 Gaumenfisteln nach operativ versorgten Gaumenspalten
- 3 Maxillar Fisteln nach operativ versorgten Lippen-Gaumen-Spalten
- 1 bilaterale Lippenspalte
- 1 unilaterale Lippenspalte
- 6 Sekundärnasen nach operativ versorgten unilateralen Spaltlippen, davon 4 mit Maxillar Augmentation mittels Ohrknorpel
- 2 Otoplastiken
- 1 Otosynthese wegen Microtia mittles Rippenknorpel
- 1 Reposition eines Ohrmuschelknorpels nach Microtia Korrektur mittels Rippenknorpel
- 1 Lippenkorrektur nach operativ versorgter Lippenspalte
- 2 Lidphimosen Korrekturen
- 2 Nasenaugmentationen mittels Rippenknorpel bei Nasenhypoplasie
- 2 Hauttumor Exzisionen
- 3 Hauttransplantationen nach Verbrennungen im Gesicht
- 2 Korrekturen von Narbenkontrakuren mittels Z-Plastiken
- 1 Korrektur von Narbenkontraktur mittels Lappenplastik
- 2 Tumorexzisionen im Gesicht
Die Abteilung von Herrn Prof. Baitinger ist hauptsächlich auf Traumata von Händen und Füßen spezialisiert. Seit einigen Jahren werden hier auch pro Jahr ca. 40 Kinder mit Lippen-Gaumen-Spalten operiert. Bisher wurden diese Operationen von der Organisation „Smile“ durchgeführt. Herr Prof. Baitinger war mit diesen Teams sehr unglücklich, da sich postoperativ regelmäßig massive Komplikationen einstellten. Aus diesem Grund wandte er sich an Interplast Germany.
Die Ausstattung des Operationssaales des Gebietskrankenhauses Tomsk ist als spartanisch zu bezeichnen. So war ich froh, dass ich mein Instrumentarium mitgebracht und wir ausreichend Nahtmaterial im Gepäck hatten.
Der Narkosearzt war fachlich sehr gut, sämtliche Narkosen wurden mit Halothan und Fentanyl durchgeführt.
Wie ich erfuhr gibt es in Russland keine Facharztbezeichnungen. Ein Assistenzarzt verdient 2000 Rubel im Monat. Wir sprechen hier von umgerechnet € 60,--!
Die russischen Kollegen waren überaus freundlich und interessiert. Viele junge Kollegen und Studenten sprechen deutsch. Während den Operationen sammelten sich ständig bis zu 10 „Zuschauer“ um uns herum.
Die Atmosphäre im Gebietskrankenhaus Tomsk, welches über 1000 Betten verfügt, ist mehr als gespenstisch. Die ewig langen, kalten und menschenleeren Flure verleihen einem das Gefühl, Statist in einem Spionagefilm der 70iger Jahre zu sein. Man erwartet unentwegt, dass sich plötzlich eine der zahlreichen Türen öffnet, man in einen gekachelten leeren Raum gezerrt und einer Gehirnwäsche unterzogen wird.
Die Stadt Tomsk ist eine Universitätsstadt mit 6 Universitäten und sieht sich selbst gerne als das Cambridge Sibiriens. Tomsk war während der Sowjet Zeit eine „geschlossene“ Stadt, d.h. kein Ausländer durfte hier her, selbst Einheimische durften weder heraus noch herein, da in Tomsk Militär- und Weltraumforschung betrieben wurde. Ebenso war hier Militärindustrie angesiedelt. Ungefähr 20km entfernt von Tomsk steht ein schneller Brüter zwecks Plutoniumherstellung.
Am 17.09. und am 26.09. wurden wir von den lokalen TV-Sendern begleitet und u.a. über den Zweck unserer Mission interviewt. Am 26.09. wurden wir dem Ministerpräsidenten der Region Tomsk, Herrn Kress vorgestellt. Am Abend genossen wir im wahrsten Sinne des Wortes eine Führung der örtlichen Bierbrauerei. Interessant war hier zu erfahren, dass die komplette Brauanlage hauptsächlich aus Deutschland stammt und die Zutaten wie Hefe, Hopfen und Brauereigerste aus Deutschland importiert werden. Das Bier ist überraschend schmackhaft, ein halber Liter kostet ca. € 0,30...

Herr Prof. Baitinger zeigte sich überaus dankbar für die Hilfe von Interplast Germany und hofft auf weitere Einsätze in seinem Haus. Die Patienten werden nach unserer Abreise von Herrn Prof. Baitinger und seinem Team gewissenhaft und professionell betreut, so dass wir Gewissheit haben, dass unsere Arbeit auch fruchtet.
Leider konnten wir auf Grund des extrem kurzfristigen Aufrufs von nur 4 Wochen vor Einsatzbeginn keinen weiteren Operateur finden, so dass die meisten Patienten wieder nach Hause geschickt werden mussten. Ich würde mich freuen, wenn ein weiterer Einsatz zustande kommen könnte. Ich bin dabei!
Paul J. Edelmann, Frankfurt/M
|