Bericht vom Interplasteinsatz vom 4.2.05 bis 21.2.05 in Ampara

Seit März 2004 war ein Einsatz nach Sri Lanka von uns (Dr. Wilhelm Heckelei aus Duisburg und Dr. Peter Huber aus Schwerte) geplant und vorbereitet worden. Der Einsatzort sollte Trincomale im Nordosten von Sri Lanka sein.

Frau Dr. Andrea Hilmer-Lossen von VARAM hielt für uns den intensiven Kontakt zu Dr. Ranjith Samarage in Sri Lanka, versorgte uns mit den neuesten Informationen, kümmerte sich um die Formalitäten und organisierte die Flüge.

Die Kosten für die Flüge wurden dankenswerterweise von Pro Interplast Seligenstadt (Frau Huck) finanziert. Alles war vorbereitet.

Dann kam die Tsunami-Katastrophe. Der Einsatz war plötzlich in Frage gestellt. Die Meldungen waren widersprüchlich. Zunächst hieß es: „Ihr müsst unbedingt kommen“. - Dann wieder: „Das Krankenhaus, das nahe am Meer gelegen ist, wurde überschwemmt. Der O P ist nicht benutzbar“.

 

Damit war dem Einsatz die notwendige Infrastruktur entzogen. Die Verwirrung war groß

Schließlich kam aus Ampara die Meldung, wir könnten dort den Einsatz durchführen. Es würden noch Ärzte gebraucht.

In Ampara war bereits im Januar das Team von Dr. Toennissen vor Ort. Dort wurde kurzfristig noch einmal eine Informationskampagne gestartet, in der unser Team angekündigt wurde. Außerdem konnte durch das Folgeteam eine Kontinuität in der Behandlung der Patienten erreicht werden.

Unser Team bestand aus 8 Personen:
Dr. med. Heckelei von der Sektion Duisburg aus dem Barbara-Hospital Duisburg-Hamborn
und die übrigen 7 Teammitglieder allesamt aus dem Marienkrankenhaus Schwerte. Diese waren

 

 

im Einzelnen:

  • Denise Hoffmann und Anita Spody m ek: Op-Schwestern,
  • Martina SCH merbeck: Anästhesieschwester,
  • Michael Hülsmann und Karol Kuhn. Anästhesisten,
  • Dr. med. Andreas Hruschka: Unfallchirurg, da wir wegen der Tsunami-Katastrophe mit einer Änderung des Operationsspektrums rechneten und
  • Dr. med. Peter Huber: Plastischer Chirurg.

Die Tsunami-Katastrophe und entsprechende Pressearbeit sowie persönliches Engagement bewirkten, dass für diesen Interplasteinsatz zusätzlich zu den Industriespenden aus dem Raum Schwerte/Dortmund über 12000 € gespendet wurden.

Dann ging es los. Die erste Hürde, mit dem massiven Übergewicht der zusammengetragenen Hilfsgüter einzuchecken, wurde durch die Zahlung eines relativ geringen Aufpreises genommen.

Nach 8000 km Flug wurden wir um 5 Uhr Ortszeit in Colombo von Dr. Ranjith Samarage am Flughafen empfangen und mit all unseren Gütern durch die Zollformalitäten geführt.

In zwei bereitstehenden Fahrzeugen ging es in das 3 Stunden entfernte Kandy, um dem Team nach 30 Stunden Reise eine Verschnaufpause zu gönnen.

Ausgeschlafen ging es am nächsten Morgen – trotz leichter Jet-Lag-Erscheinungen weiter zum Zielort Ampara. Die Stadt liegt rund 20 km von der Ostküste entfernt.

Unser kundiger Fahrer und Organisator vor Ort, Athula Samarage, fuhr uns direkt zum General Hospital Ampara, wo wir den Medical Superintendent Dr. Jayasinghe kontaktierten, die mitgebrachten Kisten und Kartons ausluden und im OP deponierten.

Am Montagmorgen begann unser Arbeitstag um 8 Uhr mit einer Begrüßung durch den Krankenhausdirektor.

Anschließend trennte sich das Team. Der zugewiesene Operationssaal mit zwei OP-Einheiten wurde für die anstehenden Eingriffe von den Krankenschwestern gerichtet und vorbereitet.

In der Zwischenzeit lernten die Ärzte ihre Bettenstation (ward 11) kennen. Dort lagen noch einige Patienten des letzten Teams. Wir begannen mit der Sprechstunde für die bereits im Vorraum wartenden neuen Patienten.

Die Anzahl der wartenden Patienten war im Vergleich zu anderen Interplasteinsätzen gering. Der Grund war einfach und nachvollziehbar: In der Region Ampara hat die Tsunamiwelle an die 13000 Todesopfer gefordert. Nahezu jeder hatte Todesfälle in der Familie oder in der näheren Umgebung zu beklagen. Die Zerstörungen der Häuser, der Boote etc. hatte den Familien die Lebensgrundlage entzogen. Unter diesen Umständen konnten oder wollten viele Patienten sich zum jetzigen Zeitpunkt einer plastischen Operation nicht unterziehen.

Am Nachmittag wurde der Operationsplan für den folgenden Tag erstellt, am folgenden Tag begannen die Operationen.

Sehr fruchtbar und erfolgreich entwickelte sich die Zusammenarbeit mit dem örtlichen general surgeon, der uns viele Patienten konsiliarisch vorstellte und zur Operation überließ. Es wurden auch Operation en gemeinsam durchgeführt. Er unterstützte uns darüber hinaus bei der Organisation eines Platzes auf der Intensivstation oder bei der Beschaffung von Blutkonserven für eine Patientin mit einem ausgedehnten Neurofibrom am Kopf, das wir in zwei Sitzungen operieren mussten.

Weniger erfreulich waren die Beziehungen zum orthopedic surgeon, der mit der Indikationsstellung zu einem Fixateur extern bei einer 16 Stunden alten offenen Luxatio n sfraktur des Sprunggelenkes mit ausgedehnter Haut-Weichteilschädigung nicht einverstanden war.

Nach Beendigung der Operationen erfolgte die Sichtung neuer Patienten. Der Arbeitstag im Krankenhaus endete mit Verbandswechseln und Stationsarbeit.

Wir haben uns schnell in die örtlichen Gegebenheiten eingefunden. Nach der kurzen Morgenvisite operierten wir bis zum Nachmittag. Zwischendurch gab es Lunchpakete im OP: Athula sorgte für Gaumenfreuden: Thunfisch-Sandwichs, Cutlets, Fruits, Tea and Water

Ab mittags gab es wegen Netzüberlastung mehrfach Stromausfälle und die Klimaanlage setzte aus. Es wurde muckelig warm bei Außentemperaturen von über 35°C .

Während die Op- und Anästhesieschwestern nach dem Op-Programm aufräumten begannen die Ärzte mit der Stationsarbeit und dem Patientenscreening. Auf der Station wurden wir von jeweils 3-4 einheimischen Schwestern und Pflegern und manchmal auch von Assistenzärzten unterstützt. Bei der Patientenuntersuchung und –betreuung übersetzten sie für uns Singhalesisch oder aus der Tamilensprache . Zur Not half auch noch ein Patient bei den Übersetzungen. Der Op-Plan für den nächsten Tag wurde erstellt und mit den Schwestern besprochen.

Dann ging es zurück zum Hotel. Ein kühles Mineralwasser oder Bier ist eine Labsal. Hungrig stürzte man sich auf das Büffet. Der Tag klang aus mit Gesprächen und geselligem Beieinander.

Die Woche verging im Fluge. Bis zum Wochenende hatten wir außer dem Krankenhaus und dem Hotel noch nicht viel von der Umgebung gesehen. Am Freitagabend besuchte uns Dr. Ranjith, wie vereinbart, und überbrachte uns neue Informationen. Es gab nur noch wenige Tsunami - Opfer.

Die Schwerverletzten, insbesondere Patienten mit Knochenbrüchen, sind größtenteils unmittelbar im Schock gestorben. Wer überlebt hat, hatte meist Weichteil- oder Bagatellverletzungen und war inzwischen versorgt. Es blieben nur noch einige Verletzte mit infizierten schlecht heilenden Wunden zu versorgen.

In den Lagern litten viele Patienten an Lungenentzündung und wurden von den Ärzten verschiedener Hilfsorganisationen mit Antibiotika und anderen Medikamenten versorgt. Sie bedurften keiner Plastischen Chirurgie.

Die Überlebenden befassten sich mittlerweile mit dem Wiederaufbau ihrer Existenz.

Am arbeitsfreien Sonntag fuhren wie zum Meer. Die Fernsehbilder wurden Wirklichkeit. Es trat b edrückte Stimmung ein. Auch das sonst bei den Einheimischen übliche Lächeln fehlte.

Nach diesen Eindrücken besuchten wir ein Vorzeigeflüchtlingslager - menschenleer und wohlgeordnet. 200 m Luftlinie das tatsächliche Lager, aufgrund von fehlenden sanitären Anlagen wurden die wenigen Flüchtlinge in einer Grundschule untergebracht.

Im Ort selbst spielte sich normales Stadtleben ab: Geschäft, Markt, viele Leute, lebhafter Handel.

Wir hatten genug gesehen und traten den Rückzug an.

Am Montag holte uns wieder der Alltag ein. - „Und täglich grüsst das Murmeltier.“

Wir operierten bis Samstag. Wie immer konnten wir am letzten Tag keine Patienten mehr annehmen. Namen und Adressen wurden sorgfältig notiert und an Athula weitergegeben, der die Patienten rechtzeitig über das Eintreffen des nächsten Teams informieren wird. Sonntag und Montag, an unserem Abreisetag, fanden noch Visiten mit teils ausgedehnten Verbandswechseln – zum Teil in Ketanestnarkosen statt - und schließlich die Übergabe der Patienten an die weiterbehandelnden Allgemeinchirurgen zur Nachsorge.

Insgesamt hatten wir 55 Operationen bei 40 Patienten und 14 aufwendige Verbandswechsel in Narkose durchgeführt.

Beim Einchecken am Flughafen war nochmal s Stress angesagt. Im Computer der Fluggesellschaft war keine Mitteilung über unser Übergepäck registriert, obwohl am Tag zuvor in Deutschland noch zugesichert. Wir sollten 2100 Euro Übergepäck bezahlen. 2 Stunden Verhandlung halbierte nur den Betrag. Es blieb nichts übrig als Zähne knirschend zu zahlen.

Bei unserer Ankunft in Frankfurt erhielten wir aber die erlösende Nachricht als SMS von Frau Hilmer-Lossen, dass die Airline den Betrag zurückzahle .

 

Wilhelm Heckelei (Duisburg) / Peter Huber (Schwerte)

 

 

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Einsatzberichte 2009

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