Bangalore, Indien (07.04.-23.04.2005)

 

Zum vierten Mal hintereinander führten wir ein „Free Plastic Surgery Camp“ in der Millionen-Metropole Bangalore, Südindien, in Kooperation mit der Friends Welfare Organisation (FWO) durch. Wegen des großen Anteils an Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten bei den letzten Einsätzen, habe ich das Team in diesem Jahr ausschließlich für die Versorgung der Gesichtsfehlbildungen (Lippen-Kiefer-Gaumenspalten) zusammengestellt.

Das Team wurde in diesem Jahr zum ersten Mal von einer Truppe aus Rotenburg/Wümme begleitet. Sowohl Dr. Dr. Christian Schippers (MKG-Chirurg) mit seiner langjährigen leitenden OP-Schwester Bärbel Ulbricht wie auch Dr. Michael Paland (Anästhesist) mit Anästhesie-Schwester Nicole Pirch haben das Team tatkräftig ergänzt. Als Team-Koordinator und „Mädchen für Alles“ begleitete uns Herr Uwe Herrmann, ein Mitglied des Hauptsponsors dieses Einsatzes, dem Rotary-Club Rotenburg/Wümme. Als 2. Anästhesistin konnte ich die sehr erfahrene Dr. Edelgard Fischer-Dinani aus Aachen gewinnen. Für Dr. Dr. Bergermann (MKG-Chirurg) aus Hamm war es bereits der 3., für mich der 4. Einsatz in Bangalore.

Die Organisation vor Ort durch die FWO war wie die Jahre zuvor sehr effizient. Mittlerweile fühlt man sich wie in eine große Familie aufgenommen, die jedes Jahr besucht wird und mit der man ein gemeinsames Projekt erfolgreich vollendet. Die Kommunikation hat sich sehr vereinfacht und die entsprechenden Ansprechpartner sind persönlich bekannt oder befreundet.

Die Sichtung der Patienten konnte somit in routinierter Weise abgewickelt werden. Die „Friends“ verpflegten die Patienten und ihre Angehörigen in vorbildlicher Weise. Den erfolgreichen Camps der vorangegangenen Jahre ist es zu verdanken, dass Patienten aus bis zu 1500 km Entfernung mit Bussen bis nach Bangalore gekommen waren, um sich hier operieren zu lassen. Den Großteil der Patienten bildeten, wie auch in den letzten Jahren, Kinder aus Bangalore und den Vororten.

Von den ca. 200 Patienten, die uns vorgestellt wurden, nahmen wir ca. 150 in unseren OP-Plan auf. Letztendlich konnten wir an den 10 OP-Tagen 115 von Ihnen operieren.

Quere Gesichtsspalte Tessier 3 bilateral mit beidseitiger Lippen-Kiefer-Gaumenspalte prä- und postoperativ

Erfreulicherweise hat die Zahl der zu korrigierenden „Alt-Fälle“ indischer Voroperateure, bei denen zum Teil nur ein Verschluss des M. orbicularis oris ohne Rekonstruktion des Nasenbodens erfolgte, durch die Vorarbeit während der letzten Einsätze deutlich abgenommen. In einer Großzahl der Fälle wurden bei diesem Einsatz Komplettversorgungen (Lippe-Hart-Weichgaumen) durchgeführt. Dies hatte sich bei den letzten Einsätzen bei den älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen bewährt. Bei Kleinkindern (Patienten jünger als ein Jahr wurden nach Maßgabe der Anästhesisten, in Hinblick auf den indischen Entwicklungs- und Ernährungszustand, grundsätzlich nicht operiert) verschlossen wir Lippe und Weichgaumen, in der Erwartung, dass sich bist zum nächsten Jahr (der nächste Einsatz ist für Januar 2006 geplant) die Hartgaumenhälften durch den Muskelzug erheblich annähern (OP-Prinzip nach Schweckendiek) und sich der dann noch erforderliche Hartgaumenverschluss als „Minimal-Eingriff“ gestaltet. Die Ergebnisse der letzten Einsätze bestätigen dieses Konzept.

Erfreulicherweise hatten wir keine nennenswerten Komplikationen zu vermelden. Dies ist sicher nicht zuletzt auf sie sorgfältige Vorauswahl bei der Sichtung zurückzuführen und die stets auf Sicherheit ausgerichtete Arbeit unserer Anästhesisten. Durch die nochmalige Verbesserung der Räumlichkeiten für den stationären Aufenthalt, konnte die perioperative Betreuung insbesondere für die schwierigen und aufwändigeren Eingriffe (Komplettversorgung, beidseitige LKG-Spalten) angepasst werden.

Es standen uns, wie in den Jahren zuvor, zwei Operationsräume für die 10 Operationstage zur Verfügung. Durch verstärkten Einsatz von Larynxmasken bei Eingriffen ohne, aber auch teilweise mit Gaumenbeteiligung, konnten die ohnehin schon sehr kurzen Wechselzeiten weiter verkürzt werden. Damit blieb den Operateuren mehr Zeit für die Versorgung der Patienten.

Am letzten Tag unseres Aufenthaltes wurden alle operierten Patienten zur abschließenden Nachkontrolle einbestellt. Wir konnten uns dabei der durchwegs guten Ergebnisse versichern. Einige der Patienten werden wir bei dem nächsten Einsatz in Bangalore im Januar 2006 für die geplante Zweitoperation wieder sehen.

Herzlichen Dank all denen, die unseren Einsatz tatkräftig unterstützt haben, insbesondere dem ROTARY CLUB ROTENBURG/WÜMME, der mit seiner großzügigen Hilfe diesen Einsatz überhaupt erst möglich gemacht hat und der Friends Welfare Organisation inclusive aller Familienangehöriger, die sich bei der Organisation vor Ort wieder einmal selbst übertroffen hat. Danke für das kostenlose Übergepäck und die bevorzugte Behandlung bei der Flugreservierung durch die Deutsche Lufthansa. Bei den Spendern von Sachmitteln möchte ich mich besonders bei den Firmen Ethicon , Serag-Wiessner(Nahtmaterial), Avensis (Lokalanästhesie), GlaxoSmithKline (Relaxans und Opiate) und LMA (Larynxmasken) bedanken.

Team:

 Sr. Bärbel Ulbricht, OP-Schwester aus Rotenburg/Wümme
Sr. Nicole Pirch, Anästhesie-Schwester aus Rotenburg/Wümme
Dr. Edelgard Fischer-Dinani, Anästhesistin aus Aachen
Dr. Dr. Michael Bergermann, MKG-Chirurg aus Hamm
Uwe Herrmann, Team-Koordinator aus Rotenburg/Wümme
Dr. Michael Paland, Anästhesist aus Rotenburg/Wümme
Dr. Dr. Christian Schippers, MKG-Chirurg aus Rotenburg/Wümme
Dr. Alexander Rudolph, MKG-Chirurg und Teamleiter aus München

 

Eingriffe an insgesamt 115 Patienten:

  • Lippenspalten (davon beidseitige) 61 (4)
  • Hartgaumenspalten 5
  • Weichgaumenspalten 14
  • Kombinierte Hart-Weichgaumenversorgung 23
  • Komplettversorgung (Lippe-Hart-Weichgaumen) 14
  • Sekundär Operationen (Fisteln etc.) 15
  • Sonstiges 5

 

Alexander Rudolph

 

 

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Einsatzberichte 2009

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