Interplasteinsatz Phu Quoc - Hanoi / Vietnam 2005 vom 11.12. - 30.12. 2005

 

Teilnehmer:

  • Dr. med. Du Nguyen Phu, Chirurgische Klinik Olga Krankenhaus Stuttgart
  • Frau Dr. med. Isabelle Huynh-Bui, Anästhesie Klinikum Dortmund
  • Frau Dr. med. My Nguyen, Anästhesie Klinikum Dortmund
  • Dr. med. Horst Aschoff, Klinik für Plastische, Hand- und Rekonstruktive Chirurgie,
  • Sana Kliniken Lübeck

Interplastteam Phu Quoc mit Krankenhauspersonal

zähe Verhandlungen mit dem Vorstand des Krankenhauses in Bac Ninh

Der nun mehr 4. Interplast-Einsatz im Krankenhaus auf der Insel Phu Quoc war geprägt durch einen sehr routinierten und erfreulicherweise komplikationsfreien Ablauf. Dank der sprach-mächtigen und tatkräftigen Unterstützung der erstmalig mitreisenden Anästhesistin Isabelle Huynh aus dem Klinikum Dortmund gestalteten sich Patienten-Screening und Op-Ablauf noch geschmeidiger, als in den vorausgegangenen Jahren, hier wurde eindrücklich die große Relevanz der von Sprachbarrieren freien Kommunikation mit Patienten und Krankenhaus-personal vor Ort demonstriert. Insgesamt wurden an 10 Tagen 58 Patienten operiert, das Spektrum umfasste dabei originär plastisch-chirurgische Fragestellungen wie narbenbedingte Kontrakturen, Weichgewebstumore und Fehlbildungen, die aber, wie immer, durch fachübergreifende Fragestellungen - multiple Strumen, geschlossene Unterarmfraktur, Uterusexstirpation etc. - angenehm bereichert. Ohnehin wird jetzt schon traditionell die vom Interplast-Team bereitgestellte Logistik und man power seitens der ja überhaupt nicht elektiv operierenden Chirurgie des Krankenhauses sehr gerne in Anspruch genommen. Für einen verabredeten, neuerlichen Einsatz in 2006 wäre daher ein weiteres Teammitglied zur Unterstützung der Arbeit in und um den OP herum absolut wünschenswert.

Hämangion fronto – parietal 2002 vor Op

post op Befund Nov. 2005 Stuttgart

Der 2. Teil des Einsatzes führte das Team dann nach Hanoi mit Wahrnehmung eines im Vorfeld verabredeten Besuchstermines im Krankenhaus Bac Ninh, einer Kreisstadt ca. 40 km nordöstlich der Hauptstadt. Dieses Krankenhaus - ca. 450 Betten - ist sehr gut ausgerüstet und betreibt unter anderem die Allgemein-, Visceral- und Unfallchirurgie auf recht hohem Niveau. Für plastisch-chirurgische Fragestellungen allerdings steht kein Spezialist zur Verfügung, demzufolge werden die häufig mittellosen Patienten auch nicht behandelt. Hier zeigen sich die Schwächen der kaderparteilich geführten Bürokratie. Jedem staatlichen Krankenhaus wird pro Jahr ein fixes Budget für die schon bestehenden Abteilungen zugeordnet. Für im Hause nicht existente Fachgebiete und deren Patienten gibt es demnach keine Lobby und somit auch keine Behandlung. Immerhin wird dieser Mißstand so von den Entscheidungsträgern des Hauses in Bac Ninh auch gesehen. Verabredet wurde also eine 5-7-tägige Interplastmission etwa Anfang Dezember 2006, bei der dann ca. 50 – 60 Patienten an zwei Tischen operiert werden sollen, vornehmlich Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten-Kinder, Verbrennungsfolgen, Defektdeckungen und handchirurgische Fragestellungen. Hierfür wird das Krankenhaus ein Extrabudget bei vorgesetzter Stelle einfordern, patientenbezogene Unkosten für Interplast selbst sollen keine entstehen, über das Ergebnis dieser Mission wird zu berichten sein.

post op Befund Dez. 2005 Phu Quoc

happy together – mother and child

Einen weiteren überaus interessanten Kontakt konnten wir dank Isabelle Huynh in Hanoi mit dem Vietnam-Kuba-Krankenhaus knüpfen. Isabelle hat bereits mehrere DeVieMed- MKG -Teams nach Hanoi begleitet, hierher rührt die persönliche Bekanntschaft mit dem Chef der plastischen Chirurgie des Vietnam-Kuba-Krankenhauses. Das dortige Ärzteteam führt regelmäßig Operationseinsätze in Vientianne/Laos durch und hat Interplast für das kommende Frühjahr eingeladen, die Mission zu begleiten. Vientianne sei seitens externer medizinischer Hilfe eher unterversorgt. Geplant ist, dort ein selbstständig arbeitendes Interplast-Team zu inaugurieren.

Abschließend soll noch über die Behandlung einer mittlerweile 18-jährigen Frau aus Phu Quoc berichtet werden. Die Patientin wurde von uns vor vier Jahren erstmalig wegen eines ausgedehnten Hämangioms links fronto-temporal mit Einbeziehung der Orbitaregion auf Phu Quoc operiert, vor drei Jahren dann neuerlich im Bereich des Augenlides. Eine weitere erforderliche Korrektur wurde dann in 2004 unsererseits abgelehnt, da keine Gewähr für die Bereitstellung von sicher HIV-freiem Blut gegeben werden konnte. Mit Hilfe des Engagements vieler Beteiligten, u.a. der Organisation „Luftfahrt ohne Grenzen“, die für den Transport aufkam, wurde die Patientin dann im November 2005 im Karl-Olga-Krankenhaus in Stuttgart nochmals von uns operiert. Die präoperativ angefertigten NMR-Aufnahmen zeigten dabei die Speisung des Hämangioms auch über die A. ophthalmica. Das jetzt erreichte OP-Ergebnis ist also als durchaus befriedigend anzusehen, eine eventuell mögliche, weitere Korrektur im Bereich des Augenlides könnte in 2006 in Phu Quoc erfolgen. Als erfreuliche Begleiterscheinung dieses Engagements wurde Herrn Dr. Du Nguyen Phu seitens des Krankenhauspersonals noch eine Spende in Höhe von 400,00 Euro überreicht, welche zur Anschaffung eines Pulsoxymeters für das Interplast-Team genutzt wurde.

Insgesamt also ergeben sich einige recht günstige Zukunftsperspektiven für mögliche Interplast-Einsätze in Indochina. Hierüber wird im Rahmen der Jahrestagung im März 2006 konkreter zu berichten sein.

Horst Aschoff

 

 

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Einsatzberichte 2010

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