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Auf Einladung des Gesundheitsministerium besuchte ein Mini - Team der Sektion München vom 28. August bis 09. September die Republik Tadschikistan.

Interplast Team:
Prof. Dr. Edgar Biemer : Plastische Chirurgie
Dr. Heinrich Schoeneich: Plastische Chirurgie
Sima Schoeneich : Operationsbereich - Dolmetscher
Der Einsatz erfolgte über die Verbindung zweier tadschikischer Kollegen, Herrn Dr. Khodjamurodov Ghafur unter Dr. Mirr Ali, die als Stipendiaten in der Abteilung für Plastische Chirurgie bei Prof Biemer ausgebildet wurden. Prof. Biemer stellte in der ersten Woche einen Workshop zusammen, bei dem vor allem mikrochirurgische freie Lappenplastiken und größere plastische rekonstruktive Eingriffe in Theorie und Praxis demonstriert wurden. Meine Frau und ich arbeiteten im afghanischen Grenzbereich Korgan Tjube und Kulab in kleinen regionalen Krankenhäusern mit Versorgung der ländlicher Bevölkerung.
Länder-Dossier:
Tadschikistan –schwächste von den GUS-Staaten, ist von hohen gewaltigen Gebirgsketten umgeben. Im Osten bilden die über 5000 m hohen Gebirgsmassive eine fast unüberwindliche Barriere nach China. Lediglich schmale Gebirgspfade können im Sommer von Pferd- und Maultierkarawanen genutzt werden. Der im afghanischen Grenzgebiet gelegene sog. Vakanzipfel, der aus der indisch-britischen Zeit übergeblieben ist, ist ein ideales Rückzugsgebiet für Drogenmafia, Warlords und Rebellen. Die wirtschaftliche Lage war seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion für lange Zeit desolat. Tadschikistan verweist zwar stolz auf seine Industrien, aber die meisten Fabrikanlagen stehen still.
Familienbande sind an Stelle eines geordneten Wirtschaftsleben getreten. Durch den Zusammenhalt der Sippen wurde der völlige Zusammenbruch des Landes, das zigtausende von Flüchtlingen betreuen musste, vermieden. Unter anderem durch Inanspruchnahme von geächteten Wirtschaftszweigen wie dem Opiumanbau, Schmuggel und Waffenhandel. Dabei verfügt das Land über enorme Bodenschätze wie Uran, Gold und fossile Brennstoffe wie Erdöl und Erdgas, die bisher noch nicht erschlossen sind. ( Alle Öl fördernde Länder sind in Startposition)

Durch das Ende der Taliban.- herrschaft in Afghanistan hat ein neuer Aufschwung eingesetzt. Die lokalen Märkte und Bazare sind von Jahr zu Jahr größer geworden, allerdings ausschließlich mit billiger Chinaware. Zeichen der Reislamisierung sind auch hier zu sehen, obwohl trotz steigender Anzahl der Moscheen diese kaum sichtbar sind und von den wenigen Fremden nicht wahrgenommen werden. Die Regierung versucht sowohl regionale Führer als auch Islamisten durch Machtbeteiligung in ihr Regime einzubinden. Die Islamische Opposition ist dank dem Friedensabkommen in die Regierung eingebunden und versucht mäßig auf die radikale Einströmungen einzugehen. Tadschikistan hat sich darüber hinaus für alle regionalen Militärmächte geöffnet. Indien, China, Russland und Amerika wollen Erdgas und Erdöl aus den drei Asien?? beziehen und wollen sich diese durch gute Kontakte und Unterstützungen für die jeweiligen Regierungen sichern. Mit Unterstützung von Russland und sogar Deutschland wurde die eigene Verteidigungsfähigkeit langsam aufgebaut. Tadschikische Offiziere wurden bei deutschen Gebirgsjägern in Mittenwald ausgebildet.

Einsatz:
Im Republican Center of Reconstructive Sugery in Duschanbe fand der Interplast Workshop unter Leitung von Herrn Prof. Biemer statt. Dieses Zentrum steht unter der Leitung von Dr. Ghafur und Dr. Artykof, einen in Moskau ausgebildeten Mikrochirurgen. Prof. Biemer führte hier zum zweiten mal einen Workshop durch, wobei der Schwerpunkt auf mikrochirurgische feie Lappentechniken lag, die bisher vor Ort noch nicht durchgeführt wurden ( Radialis- , Latissimus- und Parascapular-Lappen). Replantationen von Fingern aber auch Unterschenkeln und Unterarmen wurden hier bereits erfolgreich operiert. Das Krankenhaus ist so aufgebaut, dass Patienten mit Notfalloperationen kostenlos operiert werden, aber Patienten, die wohlhabend sind, alle Sachkosten wie Nahtmaterial, Narkosemittel, Infusionen und Medikamente bezahlen müssen. Die Regierung hat die Räumlichkeit zur Verfügung gestellt und die Kosten für Personal und Ärzte müssen selbst erwirtschaftet werden.

Workshop: Republican Center of Reconstructive Sugery Dushanbe
Prof. Biemer arbeitete an sieben Tage tägl. von 8.00 bis 23.00 Uhr und führte erfolgreich vier mikrochirurgische Eingriffe durch. Bei den anderen Patienten handelte es sich um lokale Lappenplastiken und angeborene Missbildungen( s. Tabl.). Die räumlichen Voraussetzungen dieser Abteilung waren ausgezeichnet, was jedoch das Instrumentarium angeht, waren es alte russische Instrumente und zum Teil nachgebaute Instrumente, die jedoch für die feine Chirurgie kaum geeignet waren. Wir haben uns entschlossen, dieser Abteilung eine Grundausstattung an Instrumenten zur Verfügung zu stellen.
Da ich persönlich die Interplast-Arbeit in Hauptstädten vermeide, hatte man für mich von der Regierung drei weitere Standorte in der Nähe der afghanischen Grenze benannt. Korgan Tjube und Kulab und Khorog , dem Dach der Welt Khorog, einem ehemaligen Rebellendurchzugsgebiet der Islamisten, welches heute hauptsächlich von den Ismailiten bewohnt wird.

Begleitet wurde ich von meiner persischen Frau Sima, die als OP-Schwester und als Dolmetscher (Farzi Amtssprache) fungierte und wie auch bei unseren sonstigen Einsätzen die Seele des Teams verkörperte. Ohne Mithilfe unseren geduldigen kompetenten Stipendiaten Dr. Mirr Ali, wären die beschränkten Einsatzmöglichkeiten und logistischen Probleme kaum zu verwirklichen gewesen. Durch das sich Einlassen auf das Fremde, durch Neugier, Verständnis und Tolleranz entsteht kein Nebeneinander sondern ein Miteinander , was für uns ein wesentlicher Bestandteil eines erfolgreichen Einsatzes darstellt. Gut Operieren können viele von uns , aber wie viele können sich Einlassen, Zurücknehmen Verbinden und Teilen?
In Korgan Tjube und Kulab zeigten sich die Krankenhäuser von den Räumlichkeiten in einem guten hygienischen Zustand, jedoch waren in Kulyab kein Abdeckmaterial und keine Operationskittel vorhanden und fließendes Wasser gab es nicht, da alle Wasserleitungen in der Umgebung marode sind. Sowohl in Korgan Tjube als auch in Kulab mussten wir uns schnell daran gewöhnen, immer den gleichen Operationskittel anzubehalten und nur die Handschuhe zu wechseln. Autoklaven standen ebenfalls nicht zur Verfügung. Gott sei dank hatten wir unsere Koralinlösung dabei, die ein steriles Arbeiten, zumindest was die Instrumente anbelangt, ermöglichte. Der Zulauf der Patienten war enorm. Trotz der begrenzten Operationstage sind die Patienten oft weinend nicht von der Operationstür gewichen um trotz Absage denoch auf eine Operation zu hoffen, da sie wussten, dass diese Chance so schnell nicht wiederkommen würde. Auch hier legten wir Nachtschichten ein. Obwohl wir keine Anästhesisten bei uns hatten, verlief die Versorgung der Patienten und Kleinkinder komplikationslos. Ohne Kindernadeln oder Braunülen wurden hier Narkosen in Ketanest und Propofol durchgeführt. Die Unkosten von Ketanest und Propofol pro Patient mussten wir jedoch mit ca. 15 US $ zu teuer übernehmen .
Tadschikistan hat kaum Steuereinnahmen und hat keine Gelder um das Gesundheitswesen zu unterstützen. Die Ärzte verdienen 5 $ im Monat, sind aber berechtigt von den Patienten Entgelt zu verlangen. Dies ist der Grund dafür, dass sich nur etwas reichere Tadschiken einer Operation unterziehen können. Wir mussten uns auch daran gewöhnen, ohne fließendes Wasser zu arbeiten. Es waren in den Ops nur Wassereimer gebunkert, die die gewohnte Sterilität nur eingeschränkt ermöglichte. Erstaunlich ist immer, dass es trotz dieser Umstände kaum zu Wundheilungsstörungen und Infektionen postoperativ kommt. Insgesamt wurden 68 Patienten operiert. Auf der Liste fanden sich zahlreiche voroperierte Spalten, die zum Teil durch eine unerkennbare Operationstechnik zusammengezogen waren, und kaum operierte Gaumen. Bei den 265 gescreenten Patienten befanden sich ca. 15 Patienten darunter, die über das Kinderdorf Oberhausen bereits 8-32 Monate in deutschen Krankenhäusern verbrachte. Bei drei Patienten, und das löste bei uns eine große Verwunderung aus, handelte es sich um frische großflächige Verbrennungen im Schulter-Arm-Bereich, die man unbehandelt wieder zurück geschickt hatte, so dass diese Narben sekundär ausheilten und somit zu großen funktionellen Einschränkungen im Bereich des Oberarmes und der Axilla führten. Weitere Patienten wurden zurückgeschickt mit der Angabe, es handle sich hier nur um eine kosmetische Verbesserung. Wir haben uns entschlossen, uns diesbezüglich mit dem Kinderdorf Oberhausen zusammen zu setzen und auf diese Missstände hinzuweisen. Es wäre eventuell sinnvoll, den lokalen plastischen Chirurgen in Dushanbe pro Kopf eine Pauschale zukommen zu lassen, da sie diese Allgemeintechniken ebenfalls gut beherrschen. Die Interplastidee, mit einem kleinen Team in abgelegene Regionen zu fahren, fand bei unseren beiden Kollegen großen Zuspruch und sie haben uns versprochen, die Idee aufzugreifen und selbst Operationseinsätze in abgelegenen Regionen entlang der afghanischen Grenze und den Hochtälern durchzuführen.
Auf der dritte Station unseres Einsatzes auf dem Dach der Welt ,im PAMIR , haben wir uns entschlossen, die 400 km lange Strecke mit dem Jeep zu bewältigen. Die Strecke führte 200 km entlang des Grenzflusses Pansch, zwischeb Afghanistan und Tadschikistan, was für uns alle ein besonderes Erlebnis war. Als alter Afghanistan-Fahrer, musste Ich immer sehnsüchtig nach Afghanistan hinübersdhielen. Zuweilen trennten uns nur 100 m bis zum afghanischen Flussufer und den angrenzenden kleinen Dörfern. Der überladene Jeep mit 6 Personen musste wegen Überhitzung anhalten und zwei Reifenpannen mit komplettem Reifen- und Schlauchwechsel führten zu erholsamen Pausen. Für eine Strecke von 400 km benötigten wir insgesamt 26 Fahrstunden. Die Rückfahrt mit dem Flugzeug betrug nur 40 Minuten. Um hier jedoch ein Flugticket zu erhalten, mussten wir den gesamten Hinflug der Maschine leer bezahlen, da man sich sonst geweigert hatte, eine Maschine mit 20 Sitzplätzen anzufordern. Mit diesen Anzeichen von Vettern- und Korruptionswirtschaft mussten wir uns bei offiziellen immer wieder auseinandersetzen. Aber diese allgemeinen Spielregeln konnten wir trotz guter Beziehung bis hin zum Staatspräsidenten nicht unterlaufen.

Verbrennungskontraktur.: Pat wurde nach Deutschland
über Oberhausener Kinderdorf geflogen und unbehandelt zurückgeflogen
Zusammenfassend muss ich betonen, dass die Kinder und Menschen, mit denen wir zu tun hatten, von einer ausgesprochenen Liebenswürdigkeit waren, tapfer gewartet haben, in der Hoffnung, operiert zu werden. Sie haben uns beschenkt ,indem Sie uns Ihre Würde haben spüren lassen. Für all diejenigen unter Euch, die Afghanistan lieben, werden auch Tadschikistan in ihr Herz schließen. Was mir besonders an dem Einsatz gefallen hat, war wiederum die Zusammenarbeit mit einheimischen Kollegen, kein isoliertes Team-arbeiten, kein autistisches Verhalten, kein humanitärer Kolonialismus. Tadschikistan- ein Land am Rande des Dachs der Welt, muss mit dem Für und Wider der Globalisierung kämpfen, einen Standort finden zu den anderen GUS-Staaten, Aufpassen, nicht zerrieben zu werden zwischen den Interessenskonflikten der nach Erdöl lechzenden Staaten. So wird es lange dauern, bis sich hier die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung etwas ändern wird.
6 Millionen Einwohner, Tadschiken, Usbeken, Russen, Tartaren, Kirgisen, Ukrainer und einige andere Gruppen verteilen sich auf einer Fläche von 143 000 km², wobei die Durchschnittshöhe auf 2100 m liegt.
Dosbedanje, Hodahafes
Heinrich Schoeneich
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