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Sir Winston Churchill benannte einst Uganda als “die Perle von Afrika.“
Als ich 1999 als der erste Plastische Chirurg Ugandas in das noch von den einstigen Bürgerkriegen gezeichnete sich langsam wieder erholende Land im Herzen Afrikas kam, war es meine Aufgabe am Mbarara Teaching Hospital der noch jungen Mbarara University Medizinstudenten auszubilden und die Plastisch-Rekonstruktive Chirurgie einzuführen.

Vor allem die Versorgung von Verbrennungspatienten war desolat, das einzige „Humbymesser“ im OP war rostig, Klingen fehlten. Strom- und Wasserausfälle, limitierte Operationsräume, Mangel an Verbandsmaterialien, fehlende Motivation der Mitarbeiter waren verantwortlich, dass dringende Operationen über Wochen hinaus verschoben werden mussten. Wer seine Verbrennungen überlebte, verließ das Krankenhaus nach Monaten oft mit zum Teil schwersten Kontrakturen.
 
Mit der kontinuierlichen materiellen Unterstützung vor allem von Interplast gelang es mir notwendige medizinische Geräte, Instrumente und Materialien zu beschaffen, um betroffenen Patienten unendgeldlich plastisch-rekonstruktive Operationen zu ermöglichen.
Seit 2003 hat die Sektion München die Finanzierung der Hälfte meines Gehaltes übernommen.
Idee des Interplast Projektes war, Mbarara als „ Interplast Referenzkrankenhaus“ in Ostafrika einzuführen, kostspielige, nur wenig nachhaltige und kurzfristige Teambesuche zu vermeiden, auf der anderen Hand in Zusammenarbeit mit geschultem einheimischen Personal ein weites Spektrum an rekonstruktiven Eingriffen im ganzen Land zu ermöglich und ein Netzwerk zur Ausbildung von an Rekonstruktiver Chirurgie interessierten Ärzten aufzubauen.
Das Mbarara Teaching Hospital dient nicht nur als überregionales Zuweisungskrankenhaus der Bevölkerung Südwest-Ugandas, der Einzugsbereich der Patienten erstreckt sich bis nach Tansania, Ruanda, Burundi und der Demokratische Republik Kongo.
Über 90% der Patienten kommen aus dem ländlichen Bereich, davon sind 75% Kinder; Transportmöglichkeiten zum Krankenhaus und Aufenthalt sind für sie oft nahezu unerschwinglich. Obwohl Uganda als einziges Land Afrikas den Kampf gegen HIV/AIDS erfolgreich aufgenommen hat - die Prävalez konnte von ca. 30% auf 6,5% reduziert werden - spiegelt sich die Problematik in der täglichen Arbeit wieder.
 
Insgesamt konnten in den letzten Jahren am Mbarara Teaching Hospital ca. 150 größere Operationen und während „Outreach-Besuchen“ in ausgewählten Krankenhäusern, vor allem im noch von Bürgerkrieg gezeichneten Norden des Landes ca. 300 Operationen jährlich durchgeführt werden. Neben wöchentlichen Sprechstunden für allgemeine rekonstruktive Chirurgie werden regelmäßige Kliniken für Patienten mit Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalten sowie für Patienten mit Keloiden abgehalten.
Interdisziplinäre Sensitivierung und Zusammenarbeit vor allem mit dem OP- und Pflegepersonal, den Physiotherapeuten und allen anderen Abteilungen des Hauses ermöglichten es neue angepasste Pflegekonzepte, Behandlungsmethoden einzuführen und Operationserfolge nicht zu gefährden.

Ein Schwerpunkt ist sicherlich die Ausbildungstätigkeit. Über 50 junge Medizinstudenten graduieren jährlich an der Mbarara University zum Mediziner. Während der letzten 3 Ausbildungsjahre, die neben der Theorie im Fachbereich Chirurgie vor allem von „bedside teaching“ geprägt sind, können Grundkenntnisse der Plastisch-Rekonstruktiven Chirurgie und in der Prävention von Komplikationen, wie z.B. Verbrennungskontrakturen vermittelt und während ihrer anschließenden Zeit als „Intern-doctors“ weiter vertieft werden. Diese Ausbildungstätigkeit hat sicherlich einen großen Multiplikatoreffekt: so sind junge Ärzte in der Lage anschließend während ihrer Tätigkeit in zum Teil weit entfernten Distrikt- und Missionskrankenhäusern Patienten mit Verbrennungen adäquat zu behandeln oder einfache Kontrakturen zu operieren.
Im Jahre 2003 konnte die Ausbildung zum Facharzt für Chirurgie begonnen werden, wobei hier von Plastisch-Chirurgischer Seite Kenntnisse und Fähigkeiten in der Tumor-, Hand-, Verbrennungs- und allgemeinen Rekonstruktiven Chirurgie im Vordergrund stehen.
In Zusammenarbeit mit der Vereinigung der Chirurgen von Ost, Zentral und dem Südlichem Afrika (COSECSA) und einem Ostafrikanischer Netzwerk engagierter Plastischer Chirurgen aus Uganda, Kenia, Tansania und Äthiopien wird im Frühjahr dieses Jahres ein Curriculum zur Facharztausbildung in Plastischer Chirurgie verabschiedet und eingeführt.
Vor allem in enger Zusammenarbeit mit AMREF, Interplast Holland und einem Schweizer Team (Prof. Montandon) ist es zu verdanken, dass überregional jährlich mehrere Operationskurse für lokale interessierte Chirurgen abgehalten werden konnten. So konnten seit dem im Jahre 2002 erstmals in Uganda abgehaltenen Kurs „reconstructive surgery of cleft lip & palate“ bisher über 30 junge Kollegen in einer „state of art“ Versorgung von Patienten mit Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten ausgebildet werden. Ein Teilnehmer dieser Kurse führt am CCBRT Krankenhaus in Dar-es-salaam mehr als 120 Operationen mit sehr guten Erfolgen aus.
Auch in Mbarara konnten mittlerweile 2 Kieferchirurgen in LKG Chirurgie ausgebildet werden.
Im Rahmen der Zusammenarbeit mit der IP Sektion München und dem großen persönlichen Einsatz von dem Münchener Kieferchirurgen Dr. Oliver Blume sowie Dr. Gunther Au-Balbach aus Solingen 2 einwöchige maxillo-faziale Operationseinsätze an der Mbarara University durchgeführt werden, wobei über 50 Patienten mit komplizierten LKG- Spalten, aufwendigen Kieferrekonstruktionenn sowie maxillo-fazialen Tumoren operiert werden konnten.
Neben der Ausbildung steht sicher die klinische Tätigkeit im Vordergrund. Wie in anderen Entwicklungsländern bilden Verbrennungen, deren Komplikationen, angeborene Fehlbildungen, Verletzungen durch Gewalteinwirkung sowie Tumore die Hauptindikationen für Rekonstruktive Interventionen.
Im letzten Jahr wurden alleine in Mbarara 73 Patienten mit akuten schweren Verbrennungen stationär behandelt. Das durchschnittliche Alter betrug ca. 10 Jahre, die Verbrennungsfläche ca. 21%. Die Mortalität konnte auf 10% gesenkt werden, wobei Patienten mit mehr als 50% drittgradigen Verbrennungen eine Überlebenschance hatten.
Leider konnte das anfangs gesteckte Ziel des Aufbaus einer eigenen Verbrennungseinheit bisher nicht verwirklich werden, da Bürokratie, Schwerfälligkeit der Behörden und Finanzierungsprobleme sich als große Hindernisse erweisen.
Die Cleft Lip Clinic verfolgt ein bisher einzigartiges Konzept. Mit einem interdisziplinärem Team aus Plastischen Chirurg, Kieferchirurg, Kinderarzt und Anästhesist können Eltern betroffener Kinder beraten, die Patienten verfolgt und schließlich unter für ein Entwicklungsland optimalen Bedingungen operativ versorgt werden.
Die Keloid Klinik wird derzeit von ca. 30 Patienten wöchentlich besucht. Neben der operativ
rekonstruktiven und - pallitiven Therapie, wurden innovative Konzepte erarbeitet, um bei nicht operablen Patienten zumindest Symptome wie Schmerz uns Juckreiz zu vermindern und konsekutive Superinfektionen zu verhindern.
Insgesamt hat sich dieses Neue Konzept der Kooperation mit Interplast Germany als sehr fruchtbar und bisher erfolgreich erwiesen.
Mein besonderer Dank gilt Dr. Borsche, Dr Schoeneich sowie Prof. Lemperle.
Anschrift des Verfassers:
Assoc. Prof. Dr. Ralf Sautter, Plastischer Chirurg
Mbarara University of Science and Technology
P.O. Box 1958 Mbarara, Uganda
Tel: 00256 71 755755
Email: pesa@gmx.net
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