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Natürlich kam Interplast auch 2004 wieder nach Venezuela. Die Erfüllung dieses Wunsches war durch Eduardos und Stefans Engagement und ihre familiäre Verbindungen garantiert. Während Eduardo die Vorbereitungen in Venezuela übernahm, war Stefan unermüdlich in der Organisation unserer Ausrüstung.
Dank André Borsches tatkräftiger Unterstützung konnten wir uns zu einem Team komplettierten, das bereits in der Vorbereitung gut harmonierte.
Ein herzlicher Dank geht an dieser Stelle an Armin Brahm, der wie bereits im vorigen Jahr den Transport unserer 28 Koffer und Kisten perfekt organisiert hatte und Stress sowie zusätzliche Kosten durch Übergepäckvermeiden half. So konnten wir ganz entspannt unsere Reise antreten.
Die Hürde der Zollkontrolle in Caracas passierten wir – wohl dank Eduardos Vorarbeit - wieder ohne Probleme. Er empfing uns am Flughafen dann auch mit einem Augenzwinkern gemeinsam mit seiner Frau Jaqueline und Dr. Khan, dem ärztlichen Leiter der Region Barlovento. Nach herzlicher Begrüßung wurde ging die Reise mit dem Bus
durch das vor Energie sprühende Caracas und die beeindruckende, üppige Natur des südamerikanischen Dschungels nach Barlovento weiter. Am Abend trafen wir in Rio Chico ein und nach einer Stärkung luden wir noch die Ausrüstung im Krankenhaus ab, bevor wir müde unsere Unterkunft bezogen.
Als wir am nächsten Morgen bei Tageslicht in dem kleinen Krankenhaus ankamen, begrüßten uns neben zahlreichen Patienten die Auswirkungen unseres letztjährigen Einsatzes. Was mit ihm in Bewegung gesetzt wurde, beeindruckte uns sehr: Das Krankenhaus präsentierte sich - mit fröhlichen Bildmotiven bemalt - wie aus einem Dornröschenschlaf geweckt. Die Ausstattung hatte sich weiter verbessert und der OP-Bereich war ausgebaut worden. Vor allem aber wurde er jetzt auch von einheimischen Ärzten genutzt. Eine Gynäkologin hat sich etabliert und führt mit einem Anästhesisten die in der Region so dringend notwendigen gynäkologischen Eingriffe durch. Auch ein Unfallchirurg, hält mittlerweile an drei Tagen in der Woche eine Sprechstunde ab. Im letzten Jahr waren fast ausschließlich Junge Kollegen vertreten, die ihr praktisches Jahr als Landarzt leisteten.
Die größte Freude bereitete aber das Wiedersehen mit den Patienten, die wir im Vorjahr operiert hatten.
 
Mit am bewegensten waren zwei Patienten mit Lippen-, Kiefer, Gaumenspalten. Der 35 jährige Mann, der letztes Jahr kein Wort gesprochen und keine Miene verzogen hatte, begrüßte uns mit einem fröhlich Lächeln und berichtete, dass er ein ganz anderer Mensch geworden ist und sogar Arbeit bei einer Baufirma gefunden hat. Auch der vierjährige Jose, der ängstlich seiner Mutter nie von der Seite gewichen war plapperte jetzt fröhlich mit uns und spielte wild mit den anderen Kindern. Angenehm überrascht waren wir auch von den stabilen Ergebnissen der Operationen. Ein junges Mädchen, das durch eine Narbenkontraktur des linken Beines gehinkt hatte, führte uns, wie ein Model stolzierend ihren Gang vor.
Obwohl der Einsatzbeginn auf einen Sonntag fiel, waren genug Helfer bereit, damit wir mit unserer Ausrüstung den OP einsatzbereit machen konnten. Während wir die ersten Patienten untersuchten, begann Claudio sofort zu operieren.
 
In Zahlen ausgedrückt haben wir 140 Eingriffe an 123 Patienten durchgeführt. Neben Eingriffen an Patienten mit Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten, wurden vorwiegend Syn- und Polydaktilien, behindernde und entstellende Lipome, Keloide und Narbenkontrakturen operiert.
Durch die Erfahrungen des letztjährigen Einsatzes sensibilisiert, als das Krankenhaus nicht auf die Menge an Patienten eingestellt war, funktionierten Versorgung und Verköstigung der Patienten diesmal problemlos. Zu unserer Unterstützung waren zwei ausgebildete OP-Schwestern bereit gestellt, die uns eine wertvolle Hilfe waren und bei größeren Eingriffen auch versiert instrumentierten.
Allerdings wurde unser Einsatz durch den Wechsel der Regionalregierung getrübt, der sich während unseres Aufenthaltes vollzog. Unter diesen Rahmenbedingungen war die Unterstützung durch offizielle Stellen nicht optimal. So standen keine Fahrzeuge für den Patiententransport zur Verfügung. Dr. Kahn musste sogar täglich mit seiner Absetzung rechnen und erfuhr erst gegen Ende unseres Einsatzes, dass er weiter im Amt bleiben wird. Mit solchen Sorgen über die eigene Existenz belastet, war das Vorscreenen potentieller Patienten in den Hintergrund geraten. Unter diesen ungünstigen Voraussetzungen erreichten uns leider viele schwer betroffene Patienten aus weiter abgelegenen Orten nicht, woran sich trotz aller Bemühungen nichts ändern ließ.
Durch die guten Rahmenbedingungen des Krankenhauses und die kreative Improvisation, mit der Carmen und Alexander alle aufkommenden Schwierigkeiten glätteten, konnten wir in den beiden OP-Sälen nahezu ohne Unterbrechung arbeiten. Weder Stromausfälle, noch brennende Absauger oder Desinfektoren wurden zu einem echten Problem. Unser Anästhesieteam war ebenso effizient, wobei Michael mit seinen Künsten der regionalen Blockaden alle ins Staunen versetzte. Andreas fand mit seinem Lächeln zu jedem Patienten empathischen Zugang, was insbesondere unseren kleinen Patienten großen Rückhalt gab. Marion organisierte und erledigte alles mit ihrer gewohnten Lässigkeit und fand immer Gelegenheit uns mit Jux und Albernheiten zu ärgern.
Claudio war bei den Einheimischen so beliebt, das er sicher zum Bürgermeister ehrenhalber ernannt worden wäre, wenn er mit seinen Fähigkeiten Rabatte auszuhandeln nicht allen Gastronomen das Fürchten gelehrt hätte.
 
Robin, der die meisten Einsätze absolviert hatte, war durch nichts aus seiner britischen Gelassenheit zu bringen und trug so maßgeblich zu der angenehmen Atmosphäre bei. Bilal bestach, neben seiner fachlichen Erfahrung, vor allem mit seiner Fähigkeit, die einheimischen Ärzte in unsere Arbeit zu integrieren. So konnten wir, durch Assistenten unterstützt, zeitweise mit drei Teams parallel operieren. Besonders freuten wir uns über eine deutsch-venezuleanischen Gemeinschaftsoperation mit dem Unfallchirurgischen Kollegen: Er hatte uns großzügig sein Instrumentarium überlassen, so dass wir einen 26 jährigen Feuerwehrmann, der durch eine Schussverletzung seinen linken Unterkieferknochen verloren hatte mit einem Beckenkammtransplantat den Unterkiefer rekonstruieren konnten.
Insgesamt waren wir so effizient organisiert, dass wir durchaus weitere Patienten hätten operieren können, wenn nur nicht die Transportprobleme bestanden hätten.
Von den täglichen Strapazen erholten wir uns während der gemeinsamen heiteren Abendessen. An unserem freien Sonntag hatten Dr. Kahn und unser treuer Fahrer Jose für uns am Strand einer komfortablen Hotelanlage mit Swimming-Pool eine Grillparty organisiert und auch eine mit Polar-Bier gefüllt Kühlkiste nicht vergessen.
Dieses in dem Erdölreichen Land ständig anzutreffende Nebeneinander einfachster bis ärmlicher Verhältnisse und wirklichem Luxus ist für uns ungewohnt, fasziniert aber durch die scheinbare Unkompliziertheit und der warmherzigen Fröhlichkeit der Menschen.
Besonders am Herzen lag uns, die Nachhaltigkeit des Einsatzes zu sichern, wozu sich die Kollegen vor Ort für die Nachbetreuung unserer Patienten instruieren ließen.
Ob ein weiterer Einsatz stattfinden wird, um den uns Dr. Kahn gebeten hat, hängt letztlich von den Vorbereitungen in Venezuela ab. Hierzu steht Dr. Khan über E-Mail und Digitalkamera mit uns in Kontakt.
Team:
Plastische Chirurgen: Claudio Gonzales, Robin Deb
Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgen: Bilal Al-Nawas, Ralph Brahm
Anästhesisten: Michael Hatzenbühler, Andreas Scholhölter
OP- und Anästhesiepfleger: Marion Kappaun, Alexander Beuke, Carmen Laske-Brackland
Organisation: Stefan Wilimowski
Ralph Brahm
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