Operationseinsätze im Jahr 2004

In diesem Jahr war ein Team der Sektion Schopfheim zum 7. Mal zu einem Operationseinsatz in den Medical Institutions Manyemen / Kamerun. Mit einem 5 köpfigen Team starteten wir von Strassburg über Paris nach Douala mit Air France bzw. Cameroon Airlines. Mehr als ärgerlich war, dass wir in Paris bei Cameroon Airlines wegen Übergepäck € 400,- zahlen mussten, Gelder, die sicherlich die Spender nicht in dieser Form ausgegeben sehen wollten. Jegliches Verhandlungs-geschick führte nicht zum erwünschten Erfolg.

Auch am Flughafen in Douala waren weitere Zahlungen nicht zu umgehen. Die Medical Instituions Manyemen liegen in der Südwestprovinz und damit im englischsprachigen Teil von Kamerun, ca. 250 km nördlich von Douala. Die Jahreszeit war auf Wunsch der Krankenhausführung gewählt worden, da im allgemeinen die Regenzeit etwa Mitte Oktober beendet ist und somit mit zufrieden stellenden Straßen- und Witterungsverhältnissen gerechnet werden kann. Die Regenzeit hat sich jedoch in diesem Jahr bis Ende November ausgedehnt, was auch für die Einheimischen seit langer Zeit nicht mehr erinnerlich war. Dies hatte zur Folge, dass wir nur äußerst beschwerlich mit einem Allrad-Toyota überhaupt zum Hospital kamen, dass es jedoch für die kleinen Busse, die den Personentransport aufrechterhalten, kein Durchkommen gab.

So hatten naturgemäß die Patienten, die teils Tage unterwegs sind, erhebliche Mühe durchzukommen und konnten so nur in deutlich reduzierter Zahl das Krankenhaus erreichen. Das Urwaldkrankenhaus hat etwa 120 Betten und was für uns von entscheidender Bedeutung war, einen gut nutzbaren Operationsraum mit 2 Tischen, wobei zeitweilig eine wenn auch nur mäßig wirksame Klimaanlage zur Verfügung stand. Auf Grund der widrigen Witterungsverhältnisse waren in diesem Jahr die Betten allenfalls zur Hälfte belegt, was auch für uns ein völlig untypisches Bild machte. Besonders beeindruckend war die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen uns und dem einheimischen Personal, wobei wir im vergangenen Jahr anästhesiologisch durch die einheimische Mannschaft versorgt wurden. Es war jedoch der Wunsch geäußert worden, in diesem Jahr einen Anästhesisten mitzubringen, da doch etlichen Fragen zu beantworten waren und auch etliche Wartungsarbeiten durchgeführt werden mussten. Zudem waren 2 ältere Narkosegeräte schon vor längerer Zeit mit einem Container dorthin geliefert worden. Diese mussten nun auf Alltagstauglichkeit geprüft werden. Hierbei gab es mehrere Hindernisse; es stand kein Sauerstoff und keine Druckluft zur Verfügung; außerdem war der Halothanverdampfer inzwischen wertlos geworden, da es kein Halothan mehr gibt. Unser Anästhesist Dr. Eichel wird sich in Abstimmung mit der einheimischen Abteilung für das kommende Jahr um eine Verbesserung der Bedingungen bemühen. Die hohen Temperaturen und die extreme Luftfeuchtigkeit verlangen ihren Tribut bei der täglichen Arbeit und lassen die Arbeitsgeschwindigkeit in kurzer Zeit sinken.

Dennoch wurde an 10 Arbeitstagen sowohl die Triage von etwa 120 Patienten, die Durchführung von 76 Operationen bei 57 Patienten, die tägliche Ambulanz und die Versorgung der uns anvertrauten stationären Patienten ohne größere Probleme erledigt. Die Altersstruktur war diesmal weniger im Kindesalter angesiedelt. Vielmehr standen die ungewöhnlichsten Tumore bei Erwachsenen im Vordergrund. Das üblich Repertoire umfasste natürlich auch die Spalten, die Verbrennungskontrakturen und Handverletzungen. Immer wieder beeindruckend ist die geringe Anzahl an Infekten, wobei auch die Hauttransplantationen in den meisten Fällen keine Probleme machen, auch wenn die Wundkonditionierung nicht intensiv durchgeführt werden kann. Die Medical Institutions finden sich in einem Umbruch. Einerseits werden immer mehr dezentralisierte Hospitäler eingerichtet, andererseits ist damit auch ein Rückgang der Belegung im Zentralkrankenhaus verbunden. Ein Konzept scheint für die Zukunft noch nicht ausgearbeitet zu sein. Man wird die nächsten Jahre aufmerksam beobachten müssen. Nach wie vor ist die AIDS-Situation unverändert.

Bei über 50 % HIV-positiver Patienten muss jede Operation mit besonderer Vorsicht durchgeführt werden. Auch die Operationsindikation ist bisweilen schwierig, z.B. bei bekannter HIV-Infektion und größeren Eingriffen bei weiteren durch die Immunschwäche bestehenden Erkrankungen (z.B. Tb). Kann man es verantworten, auch für das eigene Team, einen ausgedehnten blutreichen Tumor unter diesen Bedingungen zu operieren ?! Die Keimzelle des Krankenhauses war ursprünglich eine Leprastation, wobei im weiteren Verlauf auch ein allgemeines Krankenhaus gegründet wurde.

Die ehemalige Leprastation wird heute zunehmend für AIDS- und Tuberkulose-Patienten verwendet. Zum ersten Mal wurde unser Operationsspektrum um Korrekturmaßnahmen bei Leprapatienten erweitert. Hier waren Defektdeckungen bei Ulcerationen und Strahlresektionen an den deformierten Füssen durchzuführen. Auf Grund der Essensumstellung und der z.T. ausgesprochen scharfen Speisen waren entsprechende Verdauungsprobleme nicht zu verhindern. Die Flüssigkeitszufuhr konnte mit einem großen Vorrat an vorher gekauftem Mineralwasser gedeckt werden.

Trotz aller Widrigkeiten überwiegt immer wieder die Freude an der Arbeit und die Genugtuung durch die strahlenden Augen der geheilten Patienten. Auch sind alle Teammitglieder zwar müde aber gesund wieder zuhause angekommen. So ist der nächste Einsatz in Manyemen im Kalender für November 2005 grundsätzlich bereits vorgemerkt. Vielen Patienten, die in diesem Jahr nicht operiert werden konnten, stehen auf der Warteliste. Wie es mit dem Krankenhaus im nächsten Jahr bestellt sein wird, kann noch nicht vorhergesagt werden. Wirtschaftliches Missmanagement und auch Desinteresse oder Unvermögen seitens der Verwaltungsorgane sind für das Hospital Unsicherheitsfaktoren und gefährden die weitere Zusammenarbeit.

Ich darf mich für die Mitarbeit bei diesem Einsatz herzlich bedanken bei meinem Team: Dr. Ernst Eichel, Anästhesist Dr. Andreas Rudolph, Plast. Chirurgie Marco Kuhn, OP-Pfleger Helmut Sammer, techn. Assistent Dr. Gert Beckers, Chefarzt Manyemen Dr. Itah, Chirurg, Manyemen Dr. Martin, Anästhesist

Ma nyemen

 

Günter Zabel

 

 

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Einsatzberichte 2009

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