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Modellkrankenhaus in Puma eröffnet !
Tansanischer Staatspräsident und Gesundministerin übergeben die Zulassungsurkunde!
Team von Interplast Germany / Sektion Siebengebirge operiert 14 Tage im neuen Krankenhaus!
Kräftige Unterstützung durch den Lions-Club Siebengebirge!
Die Missionsstation in Puma/Tansania (Ostafrika) unter der Leitung ihrer deutschen Generaloberin Schwester Maria Stieren wird seit über 20 Jahren durch die Katholische Pfarrgemeine St. Martin, Bad Honnef-Selhof finanziell und idiell unterstützt. Aus einfachsten Anfängen ist aus der Station inzwischen ein kleines Dorf geworden mit vielen hundert Ordensangehörigen, Zivilangestellten und Auszubildenden.
Zuletzt wurde innerhalb dieser Station ein Krankenhaus errichtet, welches durchaus Modellcharakter hat.
Auf dringenden Wunsch von Schwester Maria wurde für dieses Krankenhaus als leitender Arzt ein deutscher Chirurg gefunden, welcher jetzt zum 1.11.2004 seine Arbeit aufgenommen hat. Die finanzielle Unterstützung dieses deutschen Arztes wird ausschließlich durch die Katholische Pfarrgemeine St. Martin getragen. Zeitgleich mit dem Arbeitsbeginn des deutschen Chirurgen erfolgte die offizielle Einweihung und Inbetriebnahme des Krankenhauses persönlich durch den Staatspräsidenten Herrn Dr. Benjamin Mkapa in Anwesenheit seiner Gesundheitsministerin und zahlreicher staatlicher und kirchlicher Amtsträger.
 
Bei dieser großen Feier war darüberhinaus ein Team der Sektion Siebengebirge von Interplast-Germany in der Station. Das neunköpfige Team hat 16 Tag lang schwere Missbildungen wie Unfallfolgen, angeborene Störungen (Klumpfuss, Lippen-Kiefer-Gaumenspalte), schwere Verbrennungsfolgen und große Weichteiltumore operiert. Das Team wurde vom Staatspräsidenten herzlich willkommen geheißen und als Vorbild für selbstlose und nicht profitorientierte Arbeit dargestellt.
 
Unterstützt wird die Arbeit des Krankenhauses in ausserordentlichem Masse durch den Lions-Club Siebengebirge, der auch zwei Mitglieder in das Interplast-Team gesandt hat.
Bekanntlich war das Krankenhaus innerhalb der Missionsstation der Mütter und Missionare vom Heiligen Kreuz“ in Puma schon vor zwei Jahren fertiggestellt. Es konnte aber seiner Bestimmung nicht übergeben werden, weil das entsprechende Fachpersonal fehlte. In dem auch für tansanische Verhältnisse völlig abgelegenen Winkel des Landes, in dem es nur wenige Wochen im Jahr regnet und das regelmäßig von Hungersnöten betroffen ist, möchte auch kein einheimischer Arzt oder Schwester Dienst tun.
Die nächst größere Stadt ist Arusha und liegt mit 300 km so weit entfernt, dass der Weg auf der Strasse in einem Tag nicht zu schaffen ist.
Durch die Aktion „ein Arzt für Puma“ hat die Katholische Pfarrgemeinde St. Martin in Bad Honnef Selhof es ermöglicht, dass ein deutscher Chirurg für mindestens zwei Jahre in Puma arbeiten kann.

Die kontinuierliche Arbeit eines deutschen Chirurgen vor Ort machte es nunmehr möglich und sinnvoll, das Krankenhaus als Anlaufstation für Teams von Interplast Germany zu nutzen.
Die Zusage dieser beiden wesentlichen Voraussetzungen führte schliesslich dazu, dass das Gesundheitsministerium dem Krankenhaus die Zulassung als Privatklinik erteilen konnte.
So konnte die Ermächtigungsurkunde in einem hoch feierlichen Akt in Anwesentheit des Staatspräsidenten und der Gesundheitsministerin am 5.11.2004 übergeben werden und damit das Krankenhaus in Betrieb gehen.
 
Am gleichen Tag erreichte der „Arzt für Puma“ , der Chirurg Dr. med. Albert Hartig aus Lüdenscheid noch rechtzeitig zum Abschlussfoto nach 48-stündiger Odyssee seinen Arbeitsplatz (zuvor war der Flughafen Amsterdam wegen der Folgen des Vulkanausbruches in Island für 12 Stunden gesperrt worden).
Zum Team der Sektion Siebengebirge, dass hiermit seinen 17. Einsatz in 14 Jahren absolvierte gehörten:
Dr. med. Michael Schidelko, Bad Honnef, Teamleiter und Chirurg/Plastischer Chirurg
Dr. med. Michael Clarius (Orthopädische Universiätsklinik Heidelberg) Orthopäde u.Chirurg
Frau Prof. Dr. med. Ingrid Podlesch (früher Universtiätsklinik Düsseldorf), Anästhesistin
Dr. med. Andre Zülsdorf, Klinikum der TH Aachen, Anästhesist
Frau Dr. med. Regina Schidelko, Bad Honnef, Ärztin
Frank Deinet, leitender OP-Pfleger, Klinikum TH Aachen
Helga Schumacher, OP-Schwester, Bonn
Elvira Deinet, Krankenschwester , Aachen
Markus Strotkötter, Unternehmensberater u. OP-Pfleger (Lions-Club Siebengebirge) Honnef
Das Krankenhaus bot neben der etwa 120 Betten für die prae- und postoperative Nachsorge zwei voll eingerichtete Operationssäle mit den entsprechenden Nebenräumen, wie Aufwachräume und Sterilisationsabteilung. Es konnte so parallel mit zwei Teams in zwei nebeneinander liegenden Operationssälen operiert werden.
Während der 14 Arbeitstage wurden insgesamt über 110 Operationen bei 47 Patienten durchgeführt. Der Schwerpunkt der Arbeit lag zum einen in der Plastischen Chirurgie mit Wiederherstellungschirurgie, z.B. bei Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, schweren Verbrennungskontrakturen oder ausgedehnten Weichteiltumoren.
Der zweite Schwerpunkt war die orthopädisch-chirurgische Versorgung von schweren Deformitäten der unteren Extremitäten als Folge von Verbrennungen, Cerebralparese, neurologischer Störungen oder angeborener Deformitäten, z.B. Klumpfüsse.
Am Ende des Einsatzes konnte auf die stattliche Zahl von Patienten zurückgeblickt werden, denen durch die Operationen, welche ansonsten völlig unmöglich gewesen wären, eine neue Lebensrichtung geschenkt werden konnte.
Angesichts der Tatsache, dass die Ordensangehörigen und das bisher dort arbeitende Krankenhauspersonal mit einem so grossen Ansturm an operativen Patienten überhaupt nicht rechnen konnte, haben sie ihre Arbeit nicht mit Professionalität, wohl aber mit einem grossen Ausmass an Fleiss , Engagement und Beharrlichkeit betrieben.
Da zuvor eine adäquate Infrastruktur überhaupt nicht vorliegen konnte, wurde in erstaunlich schneller Zeit das noch fehlende Material herbeigeschafft: Sauerstoff-Flaschen kamen aus Arusha, OP-Wäsche wurde in der Missionsstation kurzfristig genäht und unzählige Verbrauchsgegenstände wurden aus den Containern auf dem Missionsgelände hervorgeholt, welche teilweise schon vor vielen Jahren gespendet worden sind, jetzt aber erst zum Einsatz kommen konnten. So verbrauchten wir beispielsweise Gipsbinden, die für die Bundeswehr Anfang der 60-iger Jahre hergestellt worden sind und vakuumverpackt waren ohne jeglichen Qualitätsverlust. Chirurgisches Instrumentarium war größtenteils schon in der Vergangenheit angeschafft worden, ergänzt wurde es durch Käufe bei eBay oder auch durch mitgebrachtes Spezialinstrumentarium aus den Universitätskliniken Aachen und Heidelberg
Die Verköstigung erfolgte durch die afrikanischen Schwestern, welche ihre hauswirtschaftliche Ausbildung teilweise in Deutschland genossen hatten und uns mit Flädlesuppe, Sauerbrauten und Leberknödeln verwöhnten
Nach einer fulminanten Abschlussfeier mit vielen unter die Haut gehenden Gesängen und Tänzen gab es zur Belohnung zum Abschluss noch einen Ausflug in den Tarangire-Nationalpark zur Begrüssung der ortsansässigen Giraffen, Elefanten und Löwen.
Nachdem nun der Einstand gemacht wurde wird Dr. Hartig eine Menge Arbeit haben, um die Behandlung der Patienten des Interplast-Teams abzuschliessen.
Dann wird er die nächten Fälle sammeln müssen, denn schon Anfang Februar 2005-über Karneval- wird das nächste Operationsteam anrücken und erneut für Unruhe sorgen.Es sollte hervorgehoben werden die Unterstützung durch den Lions-Club Siebengebirge.
Der Club hatte schon vor mehreren Monaten beschlossen, die Aktion „ein Arzt für Puma“ grossherzig zu unterstützen, sodass ein erheblicher Teil der Jahresactivitykasse nach Afrika fliessen wird. Der Betrag wird noch erhöht durch Gelder, die der internationale Hilfsfond der Lions angekündigt hat. Zu diesem Zweck musste eine formelle Partnerschaft geschlossen werden mit einem lokalen Lions-Club. Diese „Jumelage“ kam zustande mit dem Lions-Club Arusha, dessen Vertreter wir auf der Zwischenlandung in der Nähe des Kilimanscharo herzlich begrüssen konnten.
Ganz herzlichen Dank an Frau Huck und ihren gemeinnützigen Verein Pro Interplast
Seligenstadt, welcher wie schon häufig in der Vergangenheit die kompletten Flugkosten übernommen hat und damit den Interplasteinsatz zu wesentlichen Teilen mitgetragen hat.
Michael Schidelko
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