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Teilnehmer: Dr. med. Du Phu Nguyen, Chirurg, Stuttgart
Dr. med. Rainer Lukner, Anästhesist, Homburg / Saar
Frau Dr. med. Bui Hong My Nguyen, Anästhesie, Chirurgie, Pflege,
Dolmetscher, Organisation, Bitburg
Dr. med. Horst Aschoff, Plastischer Chirurg, Lübeck

Der Beginn dieser 3. Interplast - Mission nach Phu Quoc / Vietnam gestaltete sich durch einen bei der Post verloren gegangenen Reisepaß nebst Visum zunächst etwas holprig. Das gesamte Team fand dadurch erst am 8.12. vor Ort zusammen, operiert wurden dann an insgesamt 9 Arbeitstagen 60 Patienten, das uns schon bekannte Spektrum wiederholte sich dabei auch in diesem Jahr. Es wurden uns einige interessante Handfehlbildungen mit Polydaktylien und Doppeldaumen vorgestellt, welche operativ behandelt wurden, sowie frische Sehnen-verletzungen der Hand als auch veraltete Frakturfehlheilungen von Radius und Ellenbogen-gelenk. Hier konnten wir eine in weitestgehender Streckstellung fixierte Ankylose bei einem 15-jährigen Knaben nach supracondylärer Humerusfraktur durch Arthrolyse soweit befreien, dass die Hand wieder zum Munde geführt werden kann. Die im Vorjahr mittels Fixateur externe und Werkzeug aus der Satteltasche eines Mopeds versorgte Unterschenkelfraktur war problemlos ausgeheilt. Der Fortschritt macht auch in Vietnam nicht halt, eine weitere uns in diesem Jahr vorgestellte, veraltete Unterschenkelfraktur konnten wir ebenfalls mit Fixateur externe befriedigend versorgen, immerhin diesmal unter Zuhilfenahme einer kraftvollen Bohrmaschine der Firma Bosch zur Schaffung der pin tracks.

Über einen tragischen Verlauf muß besonders berichtet werden. Eine zu Beginn unserer Tätigkeit wegen eines Strumaknotens operierte Patientin mit zunächst völlig unauffälligem Verlauf stellte sich 7 Tage post-operativ zur Abschlußuntersuchung vor, mit zu diesem Zeitpunkt reizfrei abgeheilter Wunde. Sie klagte lediglich über Nackenschmerzen, auffällig war eine Kopfschiefhaltung, Symptome und Befund wurden auf die stattgehabte Lagerung geschoben. Am Folgetag Wiedervorstellung der Patientin mit zunehmender Nackensteifigkeit und Trismus ohne Fieber oder auffällige Entzündungsparameter. Nach Infusionstherapie und Gabe von Diazepam zunächst leichte Besserung, mit dann wieder deutlicher Zunahme der Beschwerden. Nach allfälliger Diskussion der Differentialdiagnosen stellten wir dann am frühen Nachmittag des Aufnahmetages die Verdachtsdiagnose „Tetanus“ und regten die Verlegung der Patientin nach Saigon an. Impfstoff zur passiven Immunisierung war auf der Insel nicht vorrätig, die Verlegung wurde für den erstmöglichen Flug am Morgen des Folgetages festgelegt. In der Nacht nahmen wir dann bei zunehmenden Schluckbeschwerden der Patientin zur Sicherung der Atemwege die Tracheotomie vor. Die Verlegung der weiterhin kreislaufstabilen Patientin erfolgte planmäßig. Leider konnten die Kollegen in Saigon dann aber nichts mehr für die Patientin tun, sie verstarb am darauf folgenden Tag. Für uns bleibt natürlich die Frage, in wieweit der operative Eingriff mit dieser Tetanuserkrankung in Zusammenhang steht, wenn auch kaum vorstellbar, so bleibt doch eine Restunsicherheit.

Unsere Arbeit wurde zu Teilen von einem gleichzeitig auf der Insel anwesenden Filmteam des Bayerischen Rundfunks dokumentiert, ein kurzer Bericht hierüber soll möglicherweise im Februar 2005 auf Bayern III gesendet werden.

Offiziellerseits wurde unsere Arbeit wiederum sehr gelobt und begrüßt. Ein neues Gesicht in der örtlichen Spitze der kommunistischen Partei Vietnams wünschte ausdrücklich die Fortführung des Interplast-Engagements und bot jede Unterstützung z.B. beim Transport des Übergepäcks im Lande an - ein Angebot, das wir 2005 gerne annehmen wollen.
Horst Aschoff
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