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Seit ich vor zwei Jahren vom ersten Einsatz in Tirupur, damals mit Dr. Andre Borsche, zurückkam, ließ mich die Idee nicht los, dort ein zweites Mal hinzufahren um die damals begonnene Arbeit fortsetzen zu können. Die Kontakte zu den indischen Kollegen im General Hospital Tirupur und zum Rotary Club Tirupur South waren so herzlich und bestanden immer noch, sodass der Durchführung der Idee eigentlich kaum etwas im Wege stand. Als erstes jedoch galt es ein neues Team zusammenzustellen. Von den Bildern und Erzählungen des letzten Einsatzes in Tirupur beeindruckt und auch neugierig geworden waren jedoch rasch Kandidaten gefunden, die den Einsatz mitmachen wollten.
Unser Team bestand aus gerade mal 7 Personen:

Sr. Andrea Herzog (Anästhesieschwester, Vogtareuth)
Pfl. Nils Rübestahl, (OP-Pfleger, Vogtareuth)
Kirstin Bär (Anästhesistin,Vogtareuth)
Dr. Wolfgang Detterbeck (Anästhesist, Ebersberg, Teamleiter)
Dr. Wolfgang Payne, (Plastischer Chirurg, Frankfurt, chirurg. Leitung)
Dr. Frank Busse (Plastischer Chirurg, Vogtareuth)
Dr. Friedrich Krings (Allgemein/Gefässchirurg, Würselen)
Alle im Team waren hoch motiviert, zumal es für vier der sieben Mitglieder der erste Einsatz dieser Art war. Da wir jedoch vom vorausgegangenen Einsatz dank digitaler Photographie umfangreichstes Bildmaterial sowohl von Patienten als der Klinik, den Schwestern, Kollegen und auch dem gesamten Umfeld zur Verfügung hatten, war das Team schon vor Beginn des Einsatzes sowohl mit den Personen und Räumlichkeiten als auch mit den äusseren Umständen vertraut.Die finanzielle Schirmherrschaft unseres Einsatzes übernahm der Ebersberger Förderverein Interplast.
Die Material- und Medikamentenbeschaffung verlief dank der Spendenbereitschaft verschiedener Firmen rasch und problemlos, etwas aufwendiger jedoch gestaltete sich die Organisation und Buchung der Anreise, zumal die Fluggesellschaften nicht mehr so grosszügig bei der kostenlosen Beförderung von Übergepäck waren.
Eingeladen wurden wir wie auch vor 2 Jahren vom Rotary Club Tirupur South, der in der Person des Rotariers A. Kannan über einen bereits erfahrenen Interplast-Camp-Betreuer verfügte. Auch dieses Mal erwies er sich wieder als grossartiger Allround-Manager und sorgte für einen reibungslosen Ablauf unseres Aufenthaltes in Tirupur.
Zu unserer grossen Überraschung und Freude wurde unser Einsatz von einem indischen Ärzte-Team begleitet, nämlich von Dr. P. Ravichandran (plastischer Chirurg, Tirupur) und Dr. C.V.Thirumalaiselvan (Anästhesist, Tirupur) sowie Prof. G. Balakrishnan (plastischer Chirurg) aus Chennai/Madras von der dortigen Universitätsklinik für plastische Chirurgie. Somit war das erste INDO-GERMAN FREE MAXILLO-FACIAL HAND & PLASTIC SURGERY CAMP in Tirupur aus der Taufe gehoben.

Mit Dr. Ravichandran und Dr. Thirumalaiselvan verband uns bereits ein Band der Freundschaft, zumal sie beide auch vor zwei Jahren viel Zeit und Energie in das Gelingen des Einsatzes investierten. Dieses Mal jedoch waren beide schon vor unserer Ankunft mehrere Tage tätig und hatten mehr als 200 Patienten gescreent und auf eigens entworfenen Dokumentationsbögen erfasst. Wie auch vor zwei Jahren wurden uns wieder viele Patienten mit Verbrennungen und Lippen/Kiefer/Gaumen-Spalten vorgestellt, dennoch waren die Patienten fachkundig und wohlüberlegt ausgewählt. So konnten wir an den folgenden 10 Operationstagen bei 98 Patienten insgesamt 108 Eingriffe durchführen.
LKG-Spalten |
28 |
Verbrennungen |
31 |
Mentosternale Kontraktur |
29 |
Handeingriffe ( Narben/Syndaktylie) |
16 |
Ohrdeformitäten |
3 |
Tiefellnävus |
1 |
Auch im General Hospital Tirupur fanden wir wieder dieselbe grossartige Unterstützung unserer Arbeit durch das indische Personal, wie wir es auch vor zwei Jahren erfahren konnten. Die Schwestern und Pfleger sowohl im OP- Bereich als auch im Pflegebereich sorgten sich nicht nur um das Wohl unserer gemeinsamen Patienten, sondern opferten auch ihre Freizeit für unsere umfangreichen OP-Programme.

Mit Dr. Ravichandran und Dr. Thirumalaiselvan standen uns nicht nur Kontaktpersonen zur Seite, wenn es galt irgendein Problem zu lösen, auch der Austausch fachlicher Gedanken und Ideen konnte die gemeinsame Zeit bereichern.
Ganz besonders freute uns das Wiedersehen mit einem jetzt 9- jährigen Mädchen, das vor 2 Jahren bei schwersten Narbenkontrakturen nach Verbrennung operiert wurde. (Beide Oberarme waren bis über die Ellbeugen hinaus an der Thoraxwand durch Narben fixiert.) Bei der Patientenvorstellung riss sie vor Freude über das Wiedersehen beide Arme hoch, und zeigte damit gleichzeitig das Spätergebnis des Eingriffes.

Während unseres 2-wöchigen Aufenthaltes in Tirupur wurden wir – zunächst mehr zufällig- drei Mal zu einer Neugeborenenreanimation gerufen. In zwei Fällen konnten wir die Babys auch am nächsten Morgen im Arm der Mutter wiedersehen, ein Neugeborenes verstarb trotz unserer Bemühungen während der folgenden Nacht an einer Gehirnblutung.

Herzlichen Dank sei all denen gesagt, die diesen Einsatz ermöglicht haben, vor allem auch unseren Familien, Arbeitskollegen und Hintergrundaktiven, den vielen Rotariern in Tirupur, den Schwestern und Kollegen im General Hospital Tirupur und natürlich auch den Firmen für die grosszügigen Sachspenden, die uns sehr geholfen haben.

Die Kontakte und Freundschaften nach Tirupur wurden vertieft und erneuert, der Wunsch nach einem weiteren Camp ist auf beiden Seiten ungebrochen! Bei unserer Abreise erhielten wir nicht nur viele herzliche Geschenke, auch der Wunsch nach einem Wiedersehen wurde immer wieder laut, und wie zuletzt vor zwei Jahren wurden wir auch dieses Mal wieder aufgefordert:
“Please come again – there is plenty of work we can do together!”
Wolfgang Detterbeck
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