INTERPLAST-Einsatz in Bogra, Bangladesh, 19. Februar bis 1. März 2004

Auf Initiative und Vermittlung unseres Unfallchirurgischen Seniors Prof. Dürr in Koblenz wurden wir zu einem „Free Plastic and Reconstructive Sugery Camp“ in der Provinzhauptstadt Bogra (6 Millionen Einwohner) im Norden von Bangladesh eingeladen.

Schirmherrschaft und Organisation vor Ort liefen im Namen der ZIAUR RAHMAN FOUNDATION, einer regierungsnahen Stiftung.

Mit Dr. Ulrich Albers, Leiter der Plastischen Chirurgie und Dr. Kirill Debolski aus der Anästhesieabteilung, Stiftungsklinikum Koblenz sowie PD Dr. Dr. Ulrich Wahlmann und Nina Rohr aus der MKG-Abteilung, Uni Mainz hatte sich ein schlagkräftiges und harmonisches Team zusammen gefunden. Unterstützt wurden wir von 2 bengalischen Plastischen Chirurgen, Dr. Sen, der Ende der 80iger für ein Jahr in Hannover bei Berger hospitiert hatte, und Dr. Shamsuddin, der mehrere Jahre in den USA und Japan gearbeitet hat.

Die Plastisch-chirurgischen Probleme in jenem s.g. dritten Teil der Welt und die chirurgischen Arbeitsbedingungen sind den INTERPLAST-Mitgliedern und -Freunden allzugut bekannt. Erschreckend war dennoch wieder die große Zahl unversorgter Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten und schwerster Verbrennungs-kontrakturen und Fehlbildungen des Gesichts und der Extremitäten.

Nach halsbrecherischer Autofahrt von der Hauptstadt Dhaka 200 km nach Bogra hatten wir dort nur 6 aber dafür lange und anstrengende Operationstage. Die reichlich eingeplante Zeit für Zeremonien, Pressekonferenzen, Besichtigungen und Lectures konnten wir unseren Gastgebern nicht gänzlich ausschlagen.

Operiert wurde am „Medical College Hospital“. Insider wissen, dass diese Krankenhausbezeichnung nichts mit unseren Vorstellungen von Arbeitsbedingungen zu tun hat. So war es auch hier, obwohl extra für uns einige Wände neu gestrichen und neue OP-Leuchten angebracht worden waren.

Von über 300 Patienten, die sich vor und während unserer Tätigkeit in immer größerer Zahl vorgestellt hatten, waren zunächst 92 zugelassen worden. Von diesen konnten wir schließlich 67 Patienten operieren. Dies war nur mit Hilfe der beiden bengalischen Kollegen und der Anästhesisten möglich, weil es sich zum größten Teil um sehr aufwändige Eingriffe gehandelt hat. Neben schwierigsten Lippen- und Gaumenspalten waren es schwerste bewegungshemmende Verbrennungskontrakturen an Hals und Extremitäten, ischämische Kontrakturen an Unterschenkel und Unterarm, Klumphände, Klumpfüße und Paresen und Encephalocelen, die wir z.T. nicht operieren konnten.

Trotz aller Schwierigkeiten und Improvisationen gab es zum Erstaunen aller so gut wie keine Komplikationen. Nach unserer Rückkehr erreichten uns die Meldungen, dass alle Patienten wohlauf sind.

Zurückgeblieben ist wieder einmal das beglückende Gefühl wenigstens einigen Menschen in größter Armut und sozialer Not geholfen zu haben aber auch ein Wermutstropfen, dass es nur der Tropfen auf den heißen Stein gewesen ist. Geblieben ist auch das Gefühl, dass wir dort einen Enthusiasmus unter den chirurgischen Kollegen auslösen könnten und vielleicht den politischen Anschub, dass endlich die seit 10 Jahren geplante Verbrennungsstation in Dhaka eingerichtet wird und dass sich junge bengalische Ärzte für die Besonderheiten der Plastischen Chirurgie interessieren. So wurde auch der dringende Wunsch nach Weiterbildungsmöglichkeit in Europa geäußert und der Wunsch an das INTERPLAST-Team bald wieder zu kommen.

Ulrich Albers

 

 

Interplast
Einsatzberichte 2010

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