Einsatz Windhoek / Oshakati – Namibia, Juli 2004
INTERPLAST Germany, Zweig Südbayern

Die Verbindung zu Namibia entstand im September 2003. Namutenya, ein 8-jähriges namibisches Mädchen, das nach Noma extreme Defekte der rechten Gesichtshälfte von der Augenbraue bis zum Unterkieferrand hatte, wurde in die Unfallklinik Murnau zur rekonstruktiven Operation geschickt.

Für das Mädchen hatte sich in Namibia eigens ein Verein konstituiert, der diesen Patiententransfer möglich machte. Die in Namibia stationierte Beratergruppe der Deutschen Bundeswehr hatte den Kontakt mit uns hergestellt und sich darüber hinaus um vieles mehr gekümmert.

Nach Namutenyas Rückkehr in die Heimat war es dann wiederum die Beratergruppe allen voran Herr Frank Gagel und Frau Antje Riedel, die sich dafür einsetzten, dass wir einen Namibiaeinsatz planten. Sie stellten die Zusammenarbeit mit der namibischen Gesundheitsbehörde und allen weiteren offiziellen Stellen her, übernahmen Organisation und Koordinierung unserer Reise von der Unterkunft bis zum Freizeitausflug.

Daneben kümmerte sich aber auch das namibische „ministry of health and social services“ phantastisch um uns.

Das Team:

Ortwin Joch und Andreas Schmidt (Chirurgie),
Beate Schöllhorn und Jürgen Unterburger (Anaesthesie)
Martine Schmidt und Hans Herbig (Op-Anaesthesiepflege+Photographie)

29.06.04 : Sehr herzlich empfangen wurden wir durch die „Bundeswehrberater“ bei der Ankunft in Windhoek. Nach kurzem Check unserer Unterkunft und dem ersten namibischen Frühstück erfolgte bereits ein hochoffizieller Empfang des Teams im Windhoek Central Hospital durch einen Staatssekretär in Begleitung des lokalen TV. Anschließend konnten wir mit Hilfe von Dr. Youssef aus Ägypten, der uns in der ersten Woche immer tatkräftig und fachlich sehr versiert zur Seite stand, die Patienten untersuchen und sofort einen Op-Plan herstellen. Gleichzeitig wurde der Inhalt unserer Kisten im Op.-Bereich aufgestellt.

Operiert haben wir in Windhoek an fünf Tagen in zwei Sälen. Einrichtung und Technik der Op-Säle haben uns überrascht. Sie entsprechen annähernd dem Standard einer großen deutschen Klinik.

36 Ops konnten durchgeführt werden, wobei das übliche Spektrum vertreten war: Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten, Verbrennungs-kontrakturen, Tumoren, Poliofolgen und verschiedene Missbildungen an Gesicht und Extremitäten. Sogar einige neue Nomapatienten waren dabei, von denen einer mikrochirurgisch nach dem „Murnaukonzept“ versorgt wurde.

02.07.04: Abendlicher Stehempfang beim Deutschen Botschafter, Herrn Massing. Es wurde allerdings weniger über unseren Einsatz als über die erschreckend hohe HIV-infektionsrate in Namibia (ca. 1/3 der Bevölkerung) gesprochen.

Am Op-freien Sonntag wurden wir von den Bundeswehrleuten eingeladen: in der Früh in einen Wildpark bei Windhoek, zum Mittag- und Abendessen und sogar zur Übertragung des Fußball EM-Finales!

06.07.04 : Mit Autos des namibischen Gesundheitsministeriums wurden wir und unser Material weiterbefördert. Über Tsumeb (mit Übernachtung) und den Park der Etoshapfanne nach Oshakati ganz im Norden des Landes. Einige Stunden konnten wir im Etosha – Nationalpark zubringen, was natürlich für Wildlifephotos genutzt wurde.

In Oshakati erwartete uns eine viel größere Anzahl von Patienten und wiederum ein sehr freundliches Klinikpersonal, sowie die besten Voraussetzungen im Op. An fünf Tagen wurden 45 Patienten operiert.

Die einzelnen Fälle waren ähnlich wie in Windhoek.

Wir stellten jedoch fest, dass der Bedarf an plastisch-rekonstruktiver Chirurgie in Oshakati wesentlich größer ist. Die medizinische Versorgung ist allgemein schlechter und das Einzugsgebiet riesig - sogar aus Angola kamen zahlreiche Patienten. Leider mussten aus beruflichen Gründen Beate und Hans nach dem 3. Op-Tag die Heimreise antreten


Abschied in Oshakati von unseren Patienten


14.07.04: Wir konnten unsere Rückreise beschleunigen, indem wir in aller Früh mit einer kleinen Maschine direkt nach Windhoek flogen. Dort erwarteten uns die netten „Bundeswehrberater“ und luden uns ins Allradauto für einen 2-tägigen Trip über den „Gamsbergpass“ durch die wunderschöne Namib nach Walvis Bay, Swakopmund und zurück.

Leider wurde aus dem Trip quasi ein neuer medizinischer Einsatz, weil wir mitten in der Wüste in den frühen Nachmittagsstunden zu einer Unfallstelle kamen, an der sich fünf junge Holländer mit ihrem Auto überschlagen hatten, und zwei Schwerverletzte zu versorgen waren.

Da unser Material noch auf dem Land- weg in Richtung Windhoek unterwegs war und wir schlicht gar nichts dabei hatten, blieb unsere Hilfsmöglichkeit sehr begrenzt. Dennoch war nicht nur

der psychologische Beistand für die

sichtlich erschöpfen und noch sehr

jungen Holländer von entscheidender

Bedeutung. Erst in der Dämmerung trafen Notarzt und Rettungswagen ein. Während unserer anschließenden Weiterfahrt konnten wir den sagenhaften Sternenhimmel der Namibwüste erleben.

Am nächsten Tag, ein gewaltiger Sandsturm - wiederum ein beeindruckendes Naturschauspiel aber natürlich keine Sicht auf all das, was unsere freundlichen Gastgeber uns eigentlich zeigen wollten. Eine schnelle Rückkehr nach Windhoek wurde auch deshalb notwendig, weil der Präsident Namibias, Dr. Sam Nujoma, uns nachmittags zum Empfang gebeten hatte.

Wir erlebten im State House einen sehr freundlichen, ein wenig deutsch sprechenden und sich reflektiert pazifistisch gebenden ehemaligen SWAPO-chef und Präsidenten, der noch dieses Jahr abtreten wird.

Danach Visite unserer Patienten im Central Hospital Windhoek - inkl. Namutenya.

Das Abschiedsessen fand ganz auf namibische Art statt: gutes Wildfleisch und äußerst freundliche Stimmung.

Annex:

Namibia, ein großes Land ( 1½-mal so groß wie Deutschland ) mit vergleichsweise geringer Bevölkerung ( 1,8 Mio Einwohner ). und sehr junger Demokratie - es wurde erst 1990 unabhängig - verfügt über Bodenschätze, die ein ausgedehntes Straßennetz und beste Infrastruktur im Land bis hin zu hervorragender Ausstattung in Krankenhäusern ermöglichen. Jedoch wird die medizinische Versorgung hauptsächlich mit Hilfe von ausländischen Ärzten gewährleistet. In ganz Namibia gibt es keinen einzigen Plastischen Chirurgen. Ca 3-4x pro Jahr kommt ein Plastischer Chirurg aus Kapstadt für 1-3 Tage um entsprechende Operationen vorzunehmen, was bei weitem nicht ausreicht die Nachfrage zu befriedigen. Wir haben einige Eingriffe vorgenommen, die der südafrikanische Konsiliar nicht machen konnte. Außerhalb Windhoeks findet demzufolge überhaupt keine Rekonstruktive Chirurgie in unserem Sinne statt, was die unterprivilegierten Bevölkerungsschichten, allen voran die „Buschmänner“ besonders betrifft. Deshalb ist Namibia besonders interessiert, dass unser Projekt fortgeführt wird. Wir sehen ebenfalls einen erheblichen Sinn in weiteren Namibiaeinsätzen, insbesondere außerhalb der Hauptstadt.

Die Arbeit im Op. konnte optimal erledigt werden, weil :

  • die Patienten sorgfältig voruntersucht wurden
  • alle Patienten stationär aufgenommen und abrufbereit waren
  • die Op-Schwerstern bestens ausgebildet, hilfsbereit, sehr ausdauernd und äußerst freundlich waren
  • das Bringen und Abholen der Patienten reibungslos geschah, wir konnten sogar über einen richtigen Aufwachraum mit allem Gerät verfügen
  • die Patienten auf Station bestens von den Schwerstern versorgt wurden.

Abschließend stellen wir fest, dass wir neben zahlreichen erstklassigen Bildern, von Hansi Herbig professionell gemacht, und neben dem Gefühl, eine sinnvolle Arbeit geleistet zu haben, viele neue sehr positive Eindrücke über Land und Leute mitnehmen.

Dieser Einsatz war durch eine besondere Harmonie innerhalb des Teams, beste Arbeitsmöglichkeiten vor Ort, hervorragende Vorbereitung und Betreuung durch die Locals und durch die Beratergruppe der Bundeswehr gekennzeichnet.

Unser Dank geht an alle, die mitgewirkt haben.

Thanks to:

The Namibian Ministry of Health and Social Services,
Windhoek Central Hospital,
Oshakati Hospital,
Katutura State Hospital,
German Embassy,
German Advisary Group,
Namibian State House.

Thank You:

Dr. Helen Nkandi-Shiimi,
Mrs Dinah Tjiho,
Dr. Kalumbi Shangula,
Dr. Jack Vries,
Dr. Youssef F. Yowakim Saad Dr. V.K. Amutenya,
Sr. Constatin,
Dr. W.W. Massing,
LtCol W. Ringshauser + wife,
SgtMaj P. Nietzold,
SgtMaj F. Gagel,
Mrs. A. Riedel,


The Team of Interplast / Germany, Southern Bavaria

Hansi Herbig,
Dr. Ortwin Joch,
Mrs. M. Schmidt,
Dr. A. Schmidt,
Dr. B. Schoellhorn,
Dr. J. Unterburger.

 

 

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Einsatzberichte 2009

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