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Ägypten
Der 32. Med. Einsatz in Ägypten fand ein unvorhergesehenes
Ende. Die Regierung hat uns, - als Team eingereist, - ohne Begründung
die Arbeitserlaubnis nicht erteilt. Wir hatten diesen Einsatz zwei
Mal vorbereitet und zwei Mal wegen des Irak
Krieges verschieben müsse.Die Ärztekammer gab grünes
Licht, danach sei es nur eine Formsache seitens der Regierung die
Erlaubnis zu bekommen. Dem war leider nicht so. Trotz aller Bemühungen
des ägyptischen Arztes Dr. Schabana reisten wir nach einer
Woche ab. Es ist nicht nur schade für die Patienten die wir
angeschaut hatten, sondern auch sehr ärgerlich für uns
alle im Team.
MOSHI: TANSANIA
Ein neuer Einsatzort für uns. Neun Mal arbeiteten wir in Arusha
im St. Elisabeth Hospital. Die inständigen Bitten von Schwester
Dr. Henrika, leitende Ärztin des Kibosho Hospitals in Moshi
war der Grund, in dem 160 Betten Haus mit zwei OP Räumen einen
Einsatz durchzuführen
.
Das " Kibosho " liegt 1600 Meter hoch am Fuße des
Kilimanjaro, umrahmt von großen Bananenwäldern. Für
die letzten 10 Km. brauchten wir mit dem Auto 35 Minuten und waren
bei der Ankunft mehr als durchgeschüttelt.
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Zu unserem Team gehörten: Prof. Dr. Dr. Konrad Wangerin, Chefarzt
für Mund,-Kiefer und Gesichtschirurgie am Marien-hospital Stuttgart,
Dr. Frank Möller, Fach-arzt für Anästhesie in Bochum,
Dr. Stefan Hessenberger, Facharzt für Gesichts und Kieferchirurgie
an der Universitäts - Klinik Bochum, Jutta Nickels, Fachschwester
für Anästhesie Trier, mein Mann und ich.
Unsere Zusammenarbeit war sehr gut und harmonisch. Auch die mit
den Afrikanern. Die Schwestern hatten einen total anderen Arbeitsstil
und Ordnungssinn. Der leitende Arzt vom Krankenhaus, Dr. Tschome
war für uns eine Hilfe und er garantiert die so wichtige Nachsorge
der Patienten dort. Nicht weniger froh waren wir über Masawe
ein tüchtiger Anästhesiepfleger. Wir haben viel zusammen
gelacht neben aller Arbeit.
Dem gesamten Team ein großes DANKE.
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Unsere Tage waren ausgefüllt mit tägl. Sprechstunden
und Arbeit im OP wie immer. Die Patienten kamen teilweise von weit
her und hatten alle Beschwernisse die man sich nur denken kann.
Im Bildteil des Berichtes sind einige der von uns operierten Patienten
zu sehen, Kinder und alte Leute, alle aus sehr armen Gegenden, viele
ohne Schulbildung, das Elend scheint kein Ende zu nehmen.
Um den meisten Patienten funktionell ent-scheidend weiterzuhelfen,
haben wir oft mehrere Eingriffe an einem Patienten durchgeführt.
87Operationen,197 Leute in der Sprechstunde das Ergebnis. Ein Problem
immer wieder war die Unter - oder Fehlernährung der Patienten
und die Folgen von Malaria, Aids war natürlich auch ein Thema.
Bei Erwachsenen ist Malaria in 20% der Fälle die Todesursache,
bei Kindern unter fünf Jahren in 45 % der Fälle.
Wir waren untergebracht im Gästehaus des Kibosho, gut versorgt
und bekocht von Betty. Dieses Haus und vieles mehr im Gelände
verdanken die Einheimischen dem Aktionskreis Ostafrika Traunstein
mit den Vorsitzenden Herren Siemer und
Böhme. Aus einem Bericht v. Traunstein:
· "Das Projekt Biogasanlage wurde im September 01 fertiggestellt.
Bis April 03 wurden 6.000 cbm Biogas erzeugt, dies entspricht 3.500
Liter Heizöl. Damit können täglich zweimal 150 Liter
Ugali ( Maisbrei ) gekocht werden.
· Die Abwasser-Kläranlage wurde im Februar 03 fertig.
Sie dient der Reinhaltung der Gewässer rund um Kibosho.
· Geplant sind Biolatrinen für out-patients und sonntägliche
Kirchenbesucher, sowie der Anschluss weiterer Gebäude und Schulen
an die Kläranlage."
Unser Freund Dr. Josef Mardai und seine Frau zeigten uns vor Jahren
schon dieses Krankenhaus, es liegt in der Nähe ihres Heimatdorfes
und Josef hat den OP Saal konzipiert. Er besuchte uns im Kibosho
und wir hatten interessante Gespräche über Land und Leute.
Erfreulich ist, daß durch den Schuldenerlass der Ausbau von
Straßen besser geworden sei und die Grundschulsituation sich
spürbar positiv verändert hätte. Im Gesundheitswesen
ist Afrika immer noch sehr auf Hilfe von außen angewiesen.
Leider begrenzt sich Solidarität bei den Afrikanern immer auf
den eigenen Stamm.
Die gesamte Anlage gewinnt natürlich von dem überall
zu sehenden Kilimanjaro
der wie ein"Hausberg" eben dazugehört. Der starke
Schwund von Schnee und Eis
war so offensichtlich, daß Gespräche über Klimaprobleme
und die daraus sich erge-benden Agrarsituationen oft Thema waren.
Unsere Patienten leben zwar in ärmlichen Behausungen, doch
sie haben Zugang im Krankenhausgelände zu gutem Wasser. Sie
machen allgemein immer wieder die Erfahrung des Ausgegrenztseins
und des Unrechts, besonders wenn sie krank sind oder an einer Missbildung
leiden.
Eine alte Frau kam zu uns mit einem sehr großen, rüsselartigen
Tumor an der Ober-lippe. Sie wurde viele Jahre an diversen Krankenhäusern
abgewiesen. Natürlich hatte sie kein Geld. Es schien, daß
sie es bei uns zum letzten Mal versuchte operiert zu werden. Mein
Mann hatte Sorge, daß die Frau bei der OP großen Blutverlust
er-leiden könnte. Sr. Henrika trieb, nach einer Blutguppenbestimmung
Blutkonserven auf. Die OP ging gut, die Frau bekam noch eine schöne
Oberlippe. Das Glück dieser Patientin ist in Bildern nicht
wirklich zu zeigen.
Überrascht hat uns ein Ehepaar. Der Mann hatte der Frau die
Nasenspitze abgebissen
Er kam mit in die Sprechstunde und bat uns, seiner Frau wieder eine
schönere Nase zu machen, sie leide sehr unter der Situation.
Den Grund erfuhren wir nicht.
Eine erfreuliche Geschichte können wir berichten. Im letzten
Bericht zeigten wir ein Foto eines jungen Kenianers, Julius mit
den beiden verstümmelten Händen.
Seine Geschichte möchten wir hier nicht mehr wiederholen, schlimm
genug, daß der Junge beide Eltern durch Aids verloren hat.
Er lebt in einem Kinderheim im Norden von Kenia. Als uns Julius
letztes Jahr in Tansania gezeigt wurde, konnten wir ihm vor Ort
nicht helfen. Doch es ist uns gelungen, nach langer, mühsamer
Suche eine Klinik in Deutschland zu finden die bereit war, Julius
an der linken Hand zu operieren.
Verbrennungschirurgen der BG-Unfall-klinik in Tübingen haben
Julius im Dezember 03 operiert. Vor allem nahm sich Dr. Matthias
Pfau des Buben an, Dr. Pfau war schon einmal als Handchirurg mit
uns in Brasilien zu einem Einsatz.
Bei dem dreieinhalbstündigen Eingriff wurden die Verbrennungsnarben
aufge -trennt, die Gelenke in die richtige Position gebracht und
die Hautdefekte mit Haut-transplantaten aus dem Oberschenkel ab-gedeckt.
Inzwischen kann Julius mit den Fingern wieder fühlen, wenngleich
alles noch viel Zeit und physiotherapeutischer Behandlung bedarf.
Wir werden Julius bei Familie Huber im Februar noch besuchen,
bevor er wieder zurückfliegt in die Region
Katongo, nahe beim Viktoria-See gelegen.
Dort fehle jede Infrastruktur.
Sein Glück verdankt Julius u.a.auch der Familie Huber aus Flehingen
bei Bretten,
die Julius bei sich aufgenommen, für ihn gesorgt, und die Flüge
organisiert hat.
Familie Huber gründete 1998 das Kinder-
Hilfswerk . " Katongo Kinderhilfe. "
Ich war und bin die ganze Zeit mit Frau Huber in Kontakt, wenn
wir Julius im Februar sehen, werden wir für einen Teil der
Kosten aufkommen. Die Ärzte leisteten ihren Beitrag unentgeltlich,
die Verwaltung der BG Klinik ermöglichte eine Halbierung der
Aufenthaltskosten.
Unsere Motivation all der Einsätze lautete u.a immer:
" Menschlichkeit braucht ein Gesicht "
seit heute:
" Menschlichkeit braucht auch Hände "
Zum Schluß können wir sagen, danke an alle die mitgewirkt
haben, daß med. Einsätze möglich sein können.
Es sind viele die spenden, die mitdenken, beraten, Material zur
Verfügung stellen, uns mit guten Gedanken begleiten und sich
freuen
daß wir helfen konnten. Trotz aller Strapazen können
wir sagen, diese Hilfe macht uns froh und gibt uns Gewissheit, daß
es mehr ist als ein Tropfen auf einen heißen Stein, wenn Menschen
wieder menschenwürdig leben können, wenn auch oder gerade
in armen Verhältnissen.
Unsere Welt ist leider geteilt: In Arme und Reiche, Gesunde und
Kranke, in Ost und West, Nord und Süd. Es gibt Menschen die
sich Gehör verschaffen, und welche, die niemand beachtet. Es
gibt Hungernde und Satte. Es gibt Recht und Unrecht. Es gibt eine
Erste und Dritte Welt. Wir würden viel lieber sagen : EINE
WELT.
Unsere Arbeit geht weiter, wenn wir gesund bleiben. Im Juni 2004
ist Brasilien geplant, im November evtl. Afrika.
Werner und Gretel Widmaier
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