Einsätze von Werner und Gretel Widmaier in Ägypten (Oktober) und Tansania (November) 2003

Ägypten

Der 32. Med. Einsatz in Ägypten fand ein unvorhergesehenes Ende. Die Regierung hat uns, - als Team eingereist, - ohne Begründung die Arbeitserlaubnis nicht erteilt. Wir hatten diesen Einsatz zwei Mal vorbereitet und zwei Mal wegen des Irak
Krieges verschieben müsse.Die Ärztekammer gab grünes Licht, danach sei es nur eine Formsache seitens der Regierung die Erlaubnis zu bekommen. Dem war leider nicht so. Trotz aller Bemühungen des ägyptischen Arztes Dr. Schabana reisten wir nach einer Woche ab. Es ist nicht nur schade für die Patienten die wir angeschaut hatten, sondern auch sehr ärgerlich für uns alle im Team.

 

MOSHI: TANSANIA

Ein neuer Einsatzort für uns. Neun Mal arbeiteten wir in Arusha im St. Elisabeth Hospital. Die inständigen Bitten von Schwester Dr. Henrika, leitende Ärztin des Kibosho Hospitals in Moshi war der Grund, in dem 160 Betten Haus mit zwei OP Räumen einen Einsatz durchzuführen

.


Das " Kibosho " liegt 1600 Meter hoch am Fuße des Kilimanjaro, umrahmt von großen Bananenwäldern. Für die letzten 10 Km. brauchten wir mit dem Auto 35 Minuten und waren bei der Ankunft mehr als durchgeschüttelt.

Zu unserem Team gehörten: Prof. Dr. Dr. Konrad Wangerin, Chefarzt für Mund,-Kiefer und Gesichtschirurgie am Marien-hospital Stuttgart, Dr. Frank Möller, Fach-arzt für Anästhesie in Bochum, Dr. Stefan Hessenberger, Facharzt für Gesichts und Kieferchirurgie an der Universitäts - Klinik Bochum, Jutta Nickels, Fachschwester für Anästhesie Trier, mein Mann und ich.
Unsere Zusammenarbeit war sehr gut und harmonisch. Auch die mit den Afrikanern. Die Schwestern hatten einen total anderen Arbeitsstil und Ordnungssinn. Der leitende Arzt vom Krankenhaus, Dr. Tschome war für uns eine Hilfe und er garantiert die so wichtige Nachsorge der Patienten dort. Nicht weniger froh waren wir über Masawe
ein tüchtiger Anästhesiepfleger. Wir haben viel zusammen gelacht neben aller Arbeit.
Dem gesamten Team ein großes DANKE.

Unsere Tage waren ausgefüllt mit tägl. Sprechstunden und Arbeit im OP wie immer. Die Patienten kamen teilweise von weit her und hatten alle Beschwernisse die man sich nur denken kann. Im Bildteil des Berichtes sind einige der von uns operierten Patienten zu sehen, Kinder und alte Leute, alle aus sehr armen Gegenden, viele ohne Schulbildung, das Elend scheint kein Ende zu nehmen.

Um den meisten Patienten funktionell ent-scheidend weiterzuhelfen, haben wir oft mehrere Eingriffe an einem Patienten durchgeführt. 87Operationen,197 Leute in der Sprechstunde das Ergebnis. Ein Problem immer wieder war die Unter - oder Fehlernährung der Patienten und die Folgen von Malaria, Aids war natürlich auch ein Thema. Bei Erwachsenen ist Malaria in 20% der Fälle die Todesursache, bei Kindern unter fünf Jahren in 45 % der Fälle.

Wir waren untergebracht im Gästehaus des Kibosho, gut versorgt und bekocht von Betty. Dieses Haus und vieles mehr im Gelände verdanken die Einheimischen dem Aktionskreis Ostafrika Traunstein mit den Vorsitzenden Herren Siemer und
Böhme. Aus einem Bericht v. Traunstein:

· "Das Projekt Biogasanlage wurde im September 01 fertiggestellt. Bis April 03 wurden 6.000 cbm Biogas erzeugt, dies entspricht 3.500 Liter Heizöl. Damit können täglich zweimal 150 Liter Ugali ( Maisbrei ) gekocht werden.
· Die Abwasser-Kläranlage wurde im Februar 03 fertig. Sie dient der Reinhaltung der Gewässer rund um Kibosho.
· Geplant sind Biolatrinen für out-patients und sonntägliche Kirchenbesucher, sowie der Anschluss weiterer Gebäude und Schulen an die Kläranlage."

Unser Freund Dr. Josef Mardai und seine Frau zeigten uns vor Jahren schon dieses Krankenhaus, es liegt in der Nähe ihres Heimatdorfes und Josef hat den OP Saal konzipiert. Er besuchte uns im Kibosho und wir hatten interessante Gespräche über Land und Leute. Erfreulich ist, daß durch den Schuldenerlass der Ausbau von Straßen besser geworden sei und die Grundschulsituation sich spürbar positiv verändert hätte. Im Gesundheitswesen ist Afrika immer noch sehr auf Hilfe von außen angewiesen. Leider begrenzt sich Solidarität bei den Afrikanern immer auf den eigenen Stamm.

Die gesamte Anlage gewinnt natürlich von dem überall zu sehenden Kilimanjaro

der wie ein"Hausberg" eben dazugehört. Der starke Schwund von Schnee und Eis
war so offensichtlich, daß Gespräche über Klimaprobleme und die daraus sich erge-benden Agrarsituationen oft Thema waren.

Unsere Patienten leben zwar in ärmlichen Behausungen, doch sie haben Zugang im Krankenhausgelände zu gutem Wasser. Sie machen allgemein immer wieder die Erfahrung des Ausgegrenztseins und des Unrechts, besonders wenn sie krank sind oder an einer Missbildung leiden.

Eine alte Frau kam zu uns mit einem sehr großen, rüsselartigen Tumor an der Ober-lippe. Sie wurde viele Jahre an diversen Krankenhäusern abgewiesen. Natürlich hatte sie kein Geld. Es schien, daß sie es bei uns zum letzten Mal versuchte operiert zu werden. Mein Mann hatte Sorge, daß die Frau bei der OP großen Blutverlust er-leiden könnte. Sr. Henrika trieb, nach einer Blutguppenbestimmung Blutkonserven auf. Die OP ging gut, die Frau bekam noch eine schöne Oberlippe. Das Glück dieser Patientin ist in Bildern nicht wirklich zu zeigen.

Überrascht hat uns ein Ehepaar. Der Mann hatte der Frau die Nasenspitze abgebissen
Er kam mit in die Sprechstunde und bat uns, seiner Frau wieder eine schönere Nase zu machen, sie leide sehr unter der Situation. Den Grund erfuhren wir nicht.

Eine erfreuliche Geschichte können wir berichten. Im letzten Bericht zeigten wir ein Foto eines jungen Kenianers, Julius mit den beiden verstümmelten Händen.
Seine Geschichte möchten wir hier nicht mehr wiederholen, schlimm genug, daß der Junge beide Eltern durch Aids verloren hat. Er lebt in einem Kinderheim im Norden von Kenia. Als uns Julius letztes Jahr in Tansania gezeigt wurde, konnten wir ihm vor Ort nicht helfen. Doch es ist uns gelungen, nach langer, mühsamer Suche eine Klinik in Deutschland zu finden die bereit war, Julius an der linken Hand zu operieren.
Verbrennungschirurgen der BG-Unfall-klinik in Tübingen haben Julius im Dezember 03 operiert. Vor allem nahm sich Dr. Matthias Pfau des Buben an, Dr. Pfau war schon einmal als Handchirurg mit uns in Brasilien zu einem Einsatz.


Bei dem dreieinhalbstündigen Eingriff wurden die Verbrennungsnarben aufge -trennt, die Gelenke in die richtige Position gebracht und die Hautdefekte mit Haut-transplantaten aus dem Oberschenkel ab-gedeckt. Inzwischen kann Julius mit den Fingern wieder fühlen, wenngleich alles noch viel Zeit und physiotherapeutischer Behandlung bedarf. Wir werden Julius bei Familie Huber im Februar noch besuchen,
bevor er wieder zurückfliegt in die Region
Katongo, nahe beim Viktoria-See gelegen.
Dort fehle jede Infrastruktur.
Sein Glück verdankt Julius u.a.auch der Familie Huber aus Flehingen bei Bretten,
die Julius bei sich aufgenommen, für ihn gesorgt, und die Flüge organisiert hat.
Familie Huber gründete 1998 das Kinder-
Hilfswerk . " Katongo Kinderhilfe. "

Ich war und bin die ganze Zeit mit Frau Huber in Kontakt, wenn wir Julius im Februar sehen, werden wir für einen Teil der Kosten aufkommen. Die Ärzte leisteten ihren Beitrag unentgeltlich, die Verwaltung der BG Klinik ermöglichte eine Halbierung der Aufenthaltskosten.

Unsere Motivation all der Einsätze lautete u.a immer:
" Menschlichkeit braucht ein Gesicht "
seit heute:
" Menschlichkeit braucht auch Hände "

Zum Schluß können wir sagen, danke an alle die mitgewirkt haben, daß med. Einsätze möglich sein können. Es sind viele die spenden, die mitdenken, beraten, Material zur Verfügung stellen, uns mit guten Gedanken begleiten und sich freuen
daß wir helfen konnten. Trotz aller Strapazen können wir sagen, diese Hilfe macht uns froh und gibt uns Gewissheit, daß es mehr ist als ein Tropfen auf einen heißen Stein, wenn Menschen wieder menschenwürdig leben können, wenn auch oder gerade in armen Verhältnissen.

Unsere Welt ist leider geteilt: In Arme und Reiche, Gesunde und Kranke, in Ost und West, Nord und Süd. Es gibt Menschen die sich Gehör verschaffen, und welche, die niemand beachtet. Es gibt Hungernde und Satte. Es gibt Recht und Unrecht. Es gibt eine Erste und Dritte Welt. Wir würden viel lieber sagen : EINE WELT.

Unsere Arbeit geht weiter, wenn wir gesund bleiben. Im Juni 2004 ist Brasilien geplant, im November evtl. Afrika.

Werner und Gretel Widmaier

 

 

Interplast
Einsatzberichte 2009

Einsatzberichte 2009



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