INTERPLAST-Einsatz : Venezuela November 2003

Anfang 2003 entstand die Idee eines Einsatzes in Venezuela durch Eduardo Villegas, einen in Berlin wohnenden Musiker, der aus dem Ort San Jose de Barlovento, 3 Autostunden östlich von Caracas stammt. Eduardo ist Mitglied des Vereins "Künstler für Kinder", der verschiedene Projekte in Venezuela, u.a. Schulen und Musikprojekte in Favelas von Caracas unterstützt. Als Eduardo von Interplast erfuhr hatte er die Idee unser Interesse für einen Einsatz in seinem Heimatort, in einer der ärmsten Regionen Venezuelas, zu wecken. Eduardo sammelte Material über die örtlichen Gegebenheiten und über erste bedürftige Patienten. Aufgrund meines Interesses für den südamerikanischen Raum und meiner Sprachkenntnisse leitete André Borsche diese Informationen an mich weiter. Schritt für Schritt fand sich ein Spezialisten-Team von nahezu ausschließlich Interplastneulingen, so auch 2 MKG-ler Ralph Brahm und Bilal Al-Nawas und vervollständigte sich erst im September auf dem VDPC-kongress mit unserem erfahrenen Kollegen Gonzo (Claudio Gonzales aus Ecuador stammend).


Am 14.11. war es dann so weit und das Team lernte sich auf dem Frankfurter Flughafen mit 21 Koffern im Schlepptau kennen. Dank der großzügigen Unterstützung von Lufthansa wurde auch unser Übergepäck problemlos nach Caracas transportiert. Wider Erwarten interessierte sich der venezuelanische Zoll überhaupt nicht für uns und paarweise passierten wir auch diese gefürchtete Hürde.
Am nächsten Tag lernten wir unsere Arbeitsstätte, ein kleines Krankenhaus mit Notfallversorgung und Geburtshilfe kennen. Die eigens für uns begonnenen Renovierungsarbeiten waren noch in vollem Gange. Selbst eine Klimaanlage für die Besucher aus dem kalten Europa wurde eingebaut. Von dem vorhandenen Equipment war leider kaum etwas zu gebrauchen, da Operationen normalerweise in diesem Hause nicht durchgeführt werden. So verbrachten wir den ersten Tag mit Einrichten der OP´s und screenen von Patienten. Für Interplast war diese Region Neuland, gleiches galt jedoch auch für die Bevölkerung die erst durch Mund zu Mund Propaganda und unsere Erfolge auf uns richtig aufmerksam wurde. Dies war auch der Grund weshalb bis zum Ende unseres Einsatzes oftmals ganze Ortschaften angereist kamen. Anfängliche Ängste ausbleibender Patienten verflüchtigten sich somit schnell und wir mussten zunehmend selektieren. Leider erfuhren wir erst am Ende des Einsatzes, dass einige Patienten unsere Hilfe nicht erhielten, da sie nicht einmal das Geld für den Bus hatten um uns aufzusuchen. Ein Punkt, den es bei einem zukünftigen Einsatz unbedingt zu Anfang abzuklären gilt.
Wir hatten 2 OP`s zur Verfügung, einem in dem Hauptsächlich Operationen unter Vollnarkose stattfanden in dem Anderen Eingriffe in Regional- bzw. Lokalanästhesie.
Unser genialer Tom (Thomas Gerber) war Meister der Nervenblokaden und so war die Anzahl an Regionalanästhesien relativ hoch. Dies entlastete uns sehr, da doch für ITN nur ein Kreisteil ohne Beatmung zur Verfügung stand und alle Patienten per Hand bebeutelt werden mussten.


An 138 Patienten konnten wir somit über 150 Eingriffe durchführen. Darunter ca. 40 Lippen- Kiefer- Gaumenspalten, Verbrennungskontrakturen, viele Polydaktilien, Lymphangiome, Hämangiome und Handchirurgische Probleme. Überrascht hat uns eine Vielzahl riesiger (bis kindskopfgroße) Lipome mit erheblicher funktioneller Behinderung.
Trotz der großen Anzahl von Eingriffen unter oftmals improvisierten Bedingungen hatten wir zum Glück nur eine einzige Komplikation in Form einer Wundheilungsstörung bei einer Z-Plastik zu beklagen.
Für unser leibliches Wohl, die Vorbereitung der Patienten und die Nachbetreuung sorgten sich einige sehr motivierten Schwestern aus dem Krankenhaus.
Erschreckt stellten wir nach einer Woche fest das die von uns operierten Patienten, oftmals Kleinkinder, durch das Krankenhaus weder Getränke noch Speisen erhielten und erst durch nachhaltigen Protest unsererseits die Versorgung in Gang kam.
Eine oft gemachte Erfahrung, dass sich vieles in Südamerika erst dadurch organisieren lässt, dass man es wiederholt und mit Nachdruck verfolgt. Andererseits ist für uns Europäer die Warmherzig und Freundlichkeit der Südamerikaner immer wieder ein sehr berührendes Erlebnis. Ein Mitglied unseres Teams (Noemi Gonzales) schloss eine unserer kleinen Patientinnen so sehr ins Herz, das sie sich bemüht eine Patenschaft zu organisieren.
Der absolute Renner für unsere kleinen Patienten waren einmal wieder die gespendeten Kuscheltiere.

Insgesamt war es für uns alle ein sehr erfolgreicher Einsatz und mit dem Vorsatz das Projekt im Jahr 2004 weiter zu verfolgen, wurden unsere OP-Schuhe und OP-Kleidung in einem eigens für uns reservierten Schrank verschlossen.


Marion Kappaun und Reinhard Titel , Bad Kreuznach


 

 

Interplast
Einsatzberichte 2009

Einsatzberichte 2009



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