Hospital Nacional Salama / Verapaz / Guatemala / Centro America

Interplast-Einsatz der Sektion Schopfheim:



In diesem Jahr war ein Team der Sektion Schopfheim zum 2. Mal zu einem Operationseinsatz in Guatemala, nachdem der Grundstein zu einer Zusammenarbeit ein Jahr zuvor gelegt worden war

Als Fluggesellschaft wählten wir wieder die IBERIA aus 2 Gründen. Zum einen waren die Flugpreise am günstigsten, zum anderen macht der Gepäcktransport keine Schwierigkeiten, da pro Person 64 kg allerdings in nur 2 Einheiten mitgenommen werden können. Ein problematischer Punkt war 2002 der Stop in Miami, wo das gesamte Gepäck zunächst aus- und nach Kontrollen neu eingecheckt werden musste. In diesem Jahr hatte IBERIA eine eigene Transithalle und das Gepäck wurde von Zürich bis Guatemala durchgecheckt, womit die Zwischenlandung in Miami deutlich unproblematischer wurde.

Wie im vergangenen Jahr wurde der Einsatz in Salama, der Bezirkshauptstadt von Baja Verapaz etwa 150 km nördlich der Hauptstadt Guatemala City durchgeführt. Das Hospital Nacional ist das einzige Krankenhaus im Umkreis von etwa 100 km, was bei den Verkehrsbedingungen durchaus für die Patienten Tagesreisen sein können.

Nachdem im vergangenen Jahr bereits die Grundlagen für den diesjährigen Einsatz geschaffen worden sind, konnte jetzt eine weitgehend perfekte Vorbereitung festgestellt werden. Unser Kommen war durch die Medien angekündigt und bereits sehnlichst erwartet worden. Dr. med. Herbert Macz und seine Frau Elo, die für die dortige Hilfsorganisation Asociacion Mujer Pilar de la Sociedad tätig sind, waren bereits am Flughafen und sorgten für eine reibungslose Einreise ohne jegliche Zollformalitäten.

Da in letzter Zeit immer wieder über Überfälle in den Medien berichtet wurde und wir diese Bedenken gegenüber Dr. Macz geäußert hatten, wurde uns von Guatemala City bis Salama eine Polizeieskorte zur Verfügung gestellt


Das Hospital Nacional bietet weitgehend ideale Bedingungen. Es handelt sich um ein etwa 100 Betten großes Krankenhaus in einem guten baulichen und hygienischen Zustand, allerdings wird durch die wirtschaftliche Misere des Landes zumindest in der Peripherie die Bausubstanz vernachlässigt, so dass zunehmende Gebäudeschäden seit dem letzten Jahr zu finden waren. Viele Großgeräte wie Narkoseapparate, Laborgeräte, Röntgengeräte usw waren von Japan erst vor etwa 7 Jahren geliefert worden und befanden sich in einem befriedigendem Zustand, wobei es mit der Wartung (fehlende Ersatzteile ?) doch hapert. Z.T. waren die Geräte noch nicht benutzt. Verbrauchsmaterial war allerdings Mangelware, hiermit waren wir jedoch gut versorgt. Die Operationssäle waren groß, sauber und mit Klimaanlage ausgestattet. Es standen uns über die gesamte Dauer des Einsatzes durchgehend 2 OP-Säle zur Verfügung. Die unabhängig von unserer Tätigkeit anfallenden Notfalleingriffe, insbesondere im Bereich der Gynäkologie und Geburtshilfe wurden in 2 weiteren, jedoch kleineren Sälen durchgeführt

Ärztlicherseits gab es dort 5 Kollegen, die ständig in diesem Krankenhaus beschäftigt sind, sowie weitere, die aus Guatemala City kommend, für 1 Jahr in der Provinz tätig sein müssen. Obwohl die Kollegen vor Ort bei der Personalknappheit nur bedingt Zeit hatten, an unserem Programm teilzunehmen, so war doch ein Facharzt für Chirurgie und dortiger Oberarzt für den gesamten Einsatz halbtags freigestellt. Er zeichnete sich durch großes Engagement aus und war auch verantwortlich für die Nachsorge der operierten Patienten.

Das Pflegepersonal war ausreichend vorhanden, arbeitete jedoch nur im Hintergrund für uns, wie z.B. das Sterilisieren der Instrumente. Für eine Assistenz bei Eingriffen stand es nicht zur Verfügung. Auch auf den Stationen war die Kompetenz für uns nicht zu durchblicken.

Das Spektrum war gegenüber den Einsätzen in Indien und Afrika etwas anderes. Die Verbrennungsfolgen standen diesmal nicht im Vordergrund, sondern nach den LKG's congenitale Anomalien, wie Polydaktylien, Syndaktylien, Hämangiome, Neurofibrome, ausgedehnte Tierfellnävi, sowie Unfallfolgen, meist nach Verkehrsunfällen oder Auseinandersetzungen mit der Machete. Auch zu frischen Verletzungen (Sehnenverletzungen, Hundebissverletzungen) wurden wir erfreulicherweise ebenso hinzugezogen wie zu frischen Verbrennungen bei mehreren Kindern. Andererseits konnten unsere Anästhesisten auch die dortigen Orthopäden und Traumatologen bei deren Tätigkeit unterstützen.

Insgesamt wurden etwa 300 Patienten untersucht, beraten, ein Behandlungsplan aufgestellt und gegebenenfalls ein OP-Termin vereinbart.

An den 10 Operationstagen konnten wir 143 Eingriffe durchführen, davon etwa 3/4 in Allgemeinnarkose. Über die Hälfte der Patienten waren Kinder, das jüngste war 4 Monate alt. Ungeheuere Verantwortung liegt bei den Anästhesisten, die die Narkosen bei den Patienten ohne den allgemein üblichen Standard von Laborparametern, EKG und weiteren Untersuchungsergebnissen machen müssen. Häufig haben die Patienten insbesondere die Kinder auch gegessen, obwohl "nüchtern" versprochen war.

Da die Arbeitszeiten des Krankenhauspersonals schon gegen 14.oo endeten, waren wir im weiteren Verlauf auf uns selber angewiesen, was aber insofern kein Problem darstellte, als wir durch unsere Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr nunmehr völlig autark arbeiten konnten. Auf Grund dieses Umstandes war die relativ große Mannschaftsstärke gerechtfertigt. Über den gesamten Zeitraum konnten 2 Säle parallel gefahren werden. Das gesamte Team war in diesem Jahr von wesentlichen Erkrankungen verschont geblieben.

Die Mithilfe bei der Sterilisation der Instrumente war vorzüglich, allerdings litt das Instrumentarium durch die veraltete Technik doch bisweilen sehr und musste intensiv gepflegt werden.

Viele Patienten wurden auf das nächste Jahr vertröstet, wobei es sich im allgemeinen um solche Fälle handelte, die eine längere Überwachung benötigen und erst in den letzten 2 Tagen sich vorgestellt hatten.

Die im vergangenen Jahr begonnene Freundschaft zwischen allen Beteiligten konnte in diesem Jahr weiter vertieft werden. So wurden am Wochenende Ausflüge in die nähre Umgebung ebenso organisiert wie Veranstaltungen mit lokalen Musikern (Marimba) und der lokalen Ärzteschaft.

Am Ende eines Einsatzes konnten wir auf eine erfolgreichen Tätigkeit zurückblicken. Alle Patienten konnten gesund das Hospital wieder verlassen. Immer wieder überraschend ist die geringe Infektionsrate auch bei größeren und länger dauernden Eingriffen. Bis auf 2 Teilverluste von Spalthauttransplantaten heilten alle Wunden primär.

Wie ein solcher Einsatz einerseits mit großer Sorgfalt vorbereitet werden muß, so ist man doch immer wieder von aktuellen Problemen abhängig. Am Abflugtag streikte die IBERIA, so dass ein neuer Termin gebucht werden musste, am neuen Abflugtag wurde der Flughafen von streikenden Lehrern besetzt und nur viel Mühe und Polizeischutz konnten wir uns einchecken. Eine wirklich bedrohliche Situation ist jedoch nie eingetreten.

Die Dankbarkeit der Patienten bzw deren Angehörige hat uns immer wieder zutiefst berührt. Trotz der ausgeprägten Armut wurden uns einmal 3 Eier, ein anderes Mal eine halbe Flasche Honig oder selbst gebackener Kuchen gebracht. Wie immer bei derartigen Einsätzen ist das Aufzählen harter Fakten der eine Aspekt. Der andere ist der menschliche Aspekt. Es ist immer wieder überraschend und es fällt insbesondere den Mitgliedern des Teams auf, die zum ersten Mal dabei sind, wie viel persönliches Engagement einerseits hinter diesen Aktionen steckt, andererseits wie sehr der zwischenmenschliche Faktor in der Gruppe und auch zwischen Team und den Patienten von einer ganz entscheidenden Bedeutung sind.

An dieser Stelle sei auf das Herzlichste gedankt dem eigenen Team:
Dr. Jürgen Toennissen, Plastischer Chirurg, Duisburg
Dr. Jan Kwiatek, Anästhesist, Lörrach
Dr.Petr Urbasek, Anästhesist, Engelskirchen
Dr. Andreas Rudolph, Schopfheim
Dr. Michael Naik, Görlitz
Sr. Barabara Kaiser, OP-Schwester, Schopfheim
Sr. Marion Urbasek, Anästhesie, Engelskirchen
Hr. Wolfgang Bachbauer, Anästhesie, Schopfheim
Sr. Marianne Zabel, OP-Schwester, Schopfheim
Sr. Manuela Covini, Maulburg

dem Team vor Ort
Dr. Herbert Macz mit Frau Elo
Dr. Carlos Torres
Dr. Gonzales
Dr. Bayron Conde

Herrn Juan Santa Cruz, Kongressabgeordneter von Salama
der die Kosten für Unterbringung und Verpflegung übernommen hatte und
den vielen privaten Spendern und den Firmen, die finanziell für das Gelingen dieses Einsatzes beigetragen haben.

Günter Zabel

 

 

Interplast
Einsatzberichte 2009

Einsatzberichte 2009



Wir sind stolz auf unsere Beurteilung !

www.charitywatch.de


Wir brauchen Ihre Hilfe !!!

Schon mit 100 Euro können Sie einem
Patienten unserer Einsatzorte vor lebensgefährlichen Verletzungs- und Krankheitsfolgen bzw. sozialen Ausschluß bewahren.

Das Spendenkonto von INTERPLAST-Germany e.V. lautet:

Deutsche Bank Köln
KTO: 2571990
BLZ: 37070024


IBAN :
DE 97 37 07 00 2402 57 19 90 00
BIC: DEUT DE DB KOE

Bitte vergessen sie nicht Ihren Namen und Ihre Adresse auf der Überweisung anzugeben damit wir Ihnen eine Spendenquittung zustellen können.



INTERPLAST-Stiftung

Zur Förderung längerfristiger Projekte Humanitärer Plastischer Chirurgie wurde die INTERPLAST-Stiftung gegründet. Ihre Zustiftungen helfen den Grundstock für eine dauerhafte Hilfe aufzubauen. Alle Informationen finden Sie unter:

www.interplast-germany.info



ESPRAS SHARE soll eine übergeordnete Organisationsstruktur für humanitäre Plastische Chirurgie in Entwicklungsländern bieten, ausgehend von

der Europäischen Vertretung der nationalen Plastischen-Chirurgischen Gesellschaften (ESPRAS). Weitere Informationen finden Sie unter:

www.esprasshare.org


Herausgeber und Copyright ©: Interplast Germany e.V. - Internationale Plastische Chirurgie für Entwicklungsländer

 

Diese Seite wurde realisiert durch: www.sinn7.de